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Mittwoch, 25 November 2020 11:35

Allianz pro Schiene: 10 Gründe, warum die Verlagerung von Transporten auf die Schiene nicht schneller vorankommt

Bis 2030 will die Bundesregierung den Marktanteil der Bahnen im Güterverkehr auf 25 Prozent steigern. Dies gelingt nur mit der Verlagerung vom Transport von der Straße auf die Schiene. Bisher halten die Güterbahnen einen Marktanteil von 19 Prozent. Wir haben 10 Gründe gesammelt, warum die Verlagerung auf die Schiene nicht schneller vorankommt:

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Grafik Allianz pro Schiene.

1. Zweithöchste Stromsteuer in Europa

In Europa müssen Güterbahnen nur in Österreich (1,5 Cent pro Kilowattstunde) eine noch höhere Stromsteuer zahlen als in Deutschland (1,14 Cent pro Kilowattstunde, insgesamt 141 Mio. Euro pro Jahr).

Deutschland ist Vize-Europameister bei der steuerlichen Belastung der Güterbahnen.
Entlastung der Güterbahnen bei der Stromsteuer.

2. Eiserner Vorhang für E-Loks nach Polen und Tschechien

Von den insgesamt 24 Grenzübergängen im Schienennetz nach Tschechien und Polen sind lediglich drei elektrifiziert. E-Loks werden systematisch ausgebremst.

Durch Umwege oder Lokwechsel vor der Grenze wird der Gütertransport auf der Schiene preislich unattraktiv, die Güter werden grenzüberschreitend per Lkw transportiert.
Grenzübergänge elektrifizieren.

3. Fehlende Überholgleise

Autobahnen sind mindestens zweispurig in jede Richtung, die rechte Spur „gehört“ den Lkw. Schienenstrecken haben dagegen häufig nur ein Gleis pro Richtung, das sich langsame Güterzüge mit schnellen Personenzügen teilen müssen. Damit die Personenzüge überholen können, weichen Güterzüge auf „Überholgleise“ aus und warten (vergleichbar mit Haltebuchten an Straßen). Von diesen Überholgleisen gibt es zu wenig und sie sind häufig so kurz, dass 90 Prozent des Schienennetzes für Güterzüge mit EU-Standardlänge (740 Meter) nicht befahrbar sind.

Güterzüge können ihre Längenvorteile und damit ihre Preisvorteile gegenüber dem Lkw nicht voll ausschöpfen.
Das gesamte Schienennetz für 740-Meter-Güterzüge ertüchtigen.

4. Veraltetes Kupplungssystem

Die Güterwaggons werden nahezu weltweit automatisiert aneinander gekuppelt, nur in Europa noch wie vor 100 Jahren per Handarbeit.

Die Zusammenstellung von Güterzügen ist in Europa zeitaufwändig und teuer.
Die EU muss die flächendeckende Umrüstung aller Güterwaggons auf die Digitale Automatische Kupplung (DAK) bis 2030 vorschreiben und fördern.
 
5. Gewerbegebiete ohne Gleisanschluss

Jedes Gewerbegebiet bekommt mit Steuergeld einen Straßenanschluss. Gleisanschlüsse gibt es nur mit finanzieller Beteiligung der Unternehmen.

Gleisanschlüsse werden häufig gar nicht erst gebaut.
Neue, aufkommensstarke Gewerbegebiete dürfen nur mit Gleisanschluss genehmigt werden.

6. Lkw profitieren von Mautlücke

Lkw fahren jenseits der Bundesfernstraßen mautfrei. Güterbahnen zahlen auch auf Nebenstrecken Maut.

Güterbahnen sind im Wettbewerb mit dem Lkw finanziell benachteiligt.
Lkw-Maut auf allen Straßenkategorien einführen.

7. Dieselsubvention

Für Dieselkraftstoff müssen 19 Cent weniger Steuern gezahlt werden als für Benzin. Da es beim Lkw anders als beim Pkw keine Korrektur über unterschiedliche Kfz-Steuersätze gibt, profitieren Lkw uneingeschränkt von dieser Subvention.

Güterbahnen, die ihre Transportleistung zu 93 Prozent elektrisch erbringen, kämpfen preislich gegen einen subventionierten Dieselantrieb auf der Straße.
Abschaffung des Dieselsteuerprivilegs.

8. Kaufprämien für Lkw

Für den Kauf von E-Lkw oder Gas-Lkw zahlt der Staat einen Zuschuss, für den Kauf von Güterzug-Lokomotiven nicht. Zusätzlich sind diese Lkw komplett von der Maut befreit.

In Kombination mit weiteren Ermäßigungen für alternativ angetriebene Lkw gerät die energieeffizientere Güterbahn preislich zunehmend ins Hintertreffen.
Keine Kaufprämien und Mautbefreiungen für Lkw.

9. Fehlende Kostenwahrheit

Umwelt- und Unfallschäden des Gütertransports werden großteils auf die Gesellschaft oder folgende Generationen abgewälzt. Lkw verursachen pro transportierter Tonne und Kilometer 4,5 Cent dieser so genannten „externen Kosten“, Güterbahnen 2,0 Cent.

Der Straßengüterverkehr verursacht in Deutschland jährlich 28,7 Mrd. Euro Folgeschäden, der Schienengüterverkehr 2,6 Mrd. Euro.
Verursachergerechte Zuordnung der tatsächlich anfallenden Kosten im Gütertransport für alle Verkehrsträger.

10. Fehlendes digitales Einstiegsportal für Neukunden

Schienengüterverkehr ist für Neukunden komplizierter als Straßengüterverkehr. Ein Online-Portal, das die Schienenangebote verschiedener Unternehmen bündelt und für die Versender von Waren leicht zugänglich macht, gibt es nicht.

Insbesondere kleinere Unternehmen, die keinerlei Erfahrung mit Schienengüterverkehr haben, werden abgeschreckt oder finden ohne Hintergrundwissen kein passendes Angebot für den Transport ihrer Güter auf der Schiene.
Die Branche sollte schnellstens eine unternehmensübergreifende digitale Plattform für Einsteiger auf den Weg bringen.

Pressemeldung Allianz pro Schiene

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Letzte Änderung am Mittwoch, 25 November 2020 12:50