english

Freitag, 04 Juni 2021 09:30

PRO BAHN: Richtige, aber zu zögerliche Verkehrsministergipfelankündigungen

Gestern haben die europäischen Verkehrsminister weitere Schritte und Konzepte zur Verbesserung des europäischen Bahnverkehrs angekündigt. Der Fahrgastverband PRO BAHN begrüßt diese Ankündigungen, drängt aber darauf, zusätzliche Maßnahmen zur Regulierung in Richtung einer einheitlichen europäischen Eisenbahn zu ergreifen und den Fokus auf die Verkehrsqualität zu legen.

Nachdem sie das Jahr mit der Aushöhlung der Fahrgastrechte begonnen hatten, scheinen die EU-Verkehrsministerinnen und -minister erkannt zu haben, dass die Bürgerinnen und Bürger vom so genannten Europäischen Jahr der Schiene auch konkrete Schritte zu einer besseren europäischen Eisenbahn erwarten. Die angekündigten Maßnahmen gehen in die richtige Richtung. Ein besserer Austausch und eine Standardisierung von Daten sowie eine verpflichtende Öffnung der Vertriebswege für Drittanbieter können Zugangshürden abbauen.

Viele Länder haben sich dem deutschen Vorschlag „TEE 2.0“ angeschlossen. Dieser umfasst zwar lediglich ausgewählte tägliche Zugpaare, aber das Angebot von Direktverbindungen macht das Bahnfahren einfacher. Die Anzahl der TEE-Verbindungen wurde dabei auf Anregung von PRO BAHN in Zusammenarbeit mit 35 weiteren NGOs deutlich ausgeweitet. Zudem setzen sich immer mehr Länder mit der Idee des Europatakts auseinander, der die bestehenden oder geplanten nationalen Integrierten Fahrplanprojekte zu einer einheitlichen europäischen Lösung weiterentwickeln soll. „Nach unserer Ansicht muss die EU alle Schritte in Richtung Europatakt priorisieren. Nur mit einer international abgestimmten Fahrplangestaltung kann die europäische Eisenbahn attraktiv genug sein, um die europäischen Klimaziele zu erreichen“, so der stellvertretende PRO BAHN Vorsitzende Dr. Lukas Iffländer.

Darüber hinaus sieht der Fahrgastverband PRO BAHN den Bedarf für mehr Regulierung der Interoperabilität. Noch immer ist es sehr kostspielig, internationale Zuggarnituren zuzulassen. Der ÖBB-Vorstand Fernverkehr, Kurt Bauer, befürchtet, die neuen NightJet-Zuggarnituren würden wahrscheinlich nie eine Zulassung für Frankreich erhalten. Diese Aussage zeigt, dass die europäische Bahnzulassung noch einen langen Weg vor sich hat. Die Maßnahmen aus den europäischen Eisenbahnpaketen sind bisher an der Vereinfachung der europäischen Prozesse gescheitert und bedürfen der Nachbesserung. „Das Ziel muss ein einheitlicher Europäischer Eisenbahnraum analog zum einheitlichen Europäischen Luftraum sein“, fordert Iffländer. „Wenn die nationalen Bahnen das nicht hinbekommen, brauchen wir einen europäischen Eisenbahninfrastrukturbetreiber.“

Zuletzt lag der Fokus bei den verschiedenen Ankündigungen im Europäischen Jahr der Schiene meist auf dem Fahrkartenverkauf, den Echtzeitdaten oder den Durchgangsverbindungen. „Diese Bereiche sind alle wichtig“, stimmt PRO BAHN Ehrenvorsitzender Karl-Peter Naumann zu. „Bisher wurde aber das Thema Reisequalität vernachlässigt. Zum Beispiel Dienstleistungen in den Zügen, die Sitzplatzanordnung oder die Innenraumgestaltung. Eine echte Verlagerung auf die Schiene kann nur funktionieren, wenn sich die Fahrgäste während ihrer Reise wohlfühlen.“

Pressemeldung Fahrgastverband PRO BAHN e.V.,

Zurück