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Freitag, 15 Dezember 2017 09:00

GDL-Ortsgruppen Kassel und Bebra: "Wir pfeifen nicht zum Spaß!"

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Fotos Steven Kunz.

Die Vorstände der Ortsgruppen Kassel und Bebra weisen auf die vielfältigen Gefahren im Eisenbahnbetrieb hin, welche durch verschiedene Faktoren in den letzten Jahren eher zu- als abgenommen haben.

Michael Kleinemeier, Vorsitzender der Ortsgruppe Kassel: "Züge bestanden bis vor etwa zehn bis zwanzig Jahren zumeist aus einer Lokomotive mit angehängten Wagen. Deren Geräuschentwicklung war in der Regel kaum zu ignorieren." Dies hat sich in der zurückliegenden Zeit grundlegend verändert, wie Patrick Rehn, Mitglied des Vorstand der Ortsgruppe Bebra erläutert: "Personenzüge werden heute meist mit leisen und in Beschleunigung und Bremsvermögen starken Triebwagen gefahren. Vor Güterzügen kommen moderne Lokomotiven zum Einsatz und durch neue Bremsbeläge, die ein Aufrauhen der Räder vermeiden, sind auch die Waggons selbst bei hoher Geschwindigkeit erheblich leiser."

Die Gefahren haben in den vergangenen Jahren hauptsächlich durch die Ablenkung von Fußgängern und anderen Verkehrsteilnehmern im Straßenverkehr jedoch zugenommen. Kleinemeier: "Während Züge und auch Straßenbahnen leiser geworden sind wurde die Abschirmung von Umwelt- und Außengeräuschen bei den meisten Autos und Lkw immer weiter verbessert. Hinzu kommt bei vielen Fußgängern die Ablenkung durch Mobiltelefon und teilweise sogar Kopfhörer, so dass vielen nur noch die optische Wahrnehmung bleibt. Doch die erfolgt meist nur selten bis gar nicht."

Besonders jetzt in der kalten Jahreszeit werden dicke und meist dunkle Jacken, Schals und und Mützen getragen. Rehn: "Allein dies reicht schon aus, um die Wahrnehmung von herannahenden Zügen und Bahnen erheblich zu reduzieren."

Das größte Problem sind dabei nicht in erster Linie die hochbelasteten Hauptstrecken, wo die Züge mit hoher Geschwindigkeit und Bahnübergänge entsprechend mit Lichtzeichen und Schrankenanlagen ausgestattet sind, sondern jene Strecken bei denen die Geschwindigkeit nicht so hoch ist. Kleinemeier: "Es sind die Nebenstrecken wie beispielsweise von Kassel nach Baunatal, von Gerstungen nach Heimboldshausen, von Fulda in die Rhön nach Gersfeld mit zahllosen unbeschrankten Bahnübergängen sowie die Straßen- und Stadtbahnen in den größeren Städten. Hier kommt es an Überwegen für Fußgänger und an Bahnübergängen immer wieder zu kritischen Situationen, die durch unsere Kolleginnen und Kollegenen in den Führerständen von Bahnen und Zügen durch Pfeifen, Klingeln und Gefahrenbremsungen meistens noch zu einem guten Ausgang gebracht werden können."

Dies gelingt jedoch nicht immer, so dass leider in den letzten Jahren immer wieder Meldungen von schweren Unfällen mit teilweise tödlichem Ausgang zu lesen ist. Rehn: "Der große Vorteil der Eisenbahn ist ihr geringer Rollwiderstand zwischen Rad und Schiene, wodurch allerdings auch die Bremswege immer länger sein werden als beispielsweise bei einem Auto. Während eine Straßenbahn dabei noch verhältnismäßig schnell zum Stehen kommen kann sieht das bei einem Güterzug wieder ganz anders aus."

In den größeren Städten und deren Umland ist die Wohnbebauung in den vergangenen Jahren zudem durch den steigenden Bedarf an Wohnraum immer dichter an die Bahnstrecken herangerückt. Teilweise wurden auch Lärmschutzwände aufgebaut und die sogenannten Sichtdreiecke vor einem Bahnübergang werden nur noch unzureichend gepflegt. Fahrer von Kraftfahrzeugen nähern sich Bahnübergängen zumeist ohne ihre gefahrene Geschwindigkeit nennenswert zu reduzieren. Kleinemeier: "Kommt es dann allerdings zur Kollision ist es egal ob man zu Fuß, mit dem Fahrrad, einem Geländewagen oder Lkw unterwegs ist: Die Straßenbahn, der Triebwagen oder die Lok werden dieses ungleiche Duell immer gewinnen."

Doch Sieger gibt es hierbei keine, wie Rehn erklärt: "Die Schäden für Leib und Leben sind da und beeinträchtigen möglicherweise ein ganzes Leben oder beenden dies auch. Auch unsere Kollegen tragen Schäden davon, wobei mancher teilweise nie mehr in den Führerstand zurückkehren kann und unverschuldet seinen Arbeitsplatz verliert. Viele von ihnen fragen sich dann, ob sie etwas dagegen tun konnten. Doch ein Zug kann nicht ausweichen und steht mitunter erst nach einigen hundert Metern."

Die GDLer sehen daher auch Eltern, Kindergärten und Schulen in der Pflicht. Kleinemeier: "Während früher jedes Kind als Traumberuf Lokomotivführer angab und die Eisenbahn in nahezu jedem Winkel des Landes unterwegs war ist sie heute aus vielen Regionen und damit auch teilweise aus den Köpfen der Menschen verschwunden - und damit auch die von ihr ausgehenden Gefahren. Ähnlich wie man mit einem Kind das Verhalten an einer Ampel oder Zebrastreifen übt sollten Eltern, Kindergärten und Schulen dies an einem Bahnübergang üben. Und mancher Erwachsener sollte sich die Bedeutung des Andreaskreuz an einem Bahnübergang in Erinnerung rufen, denn Züge pfeifen, hupen und klingeln nicht zum Spaß."

Pressemeldung GDL Kassel und Bebra

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