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Sonntag, 06 August 2017 18:40

GDL Bebra: Kumpanei zwischen Auto-Industrie und Politik zulasten der Schiene

2017 08 04

Zug des kombinierten Ladungsverkehr für Sattelauflieger, Wechselbrücken und Container im Bahnhof Hünfeld, der in den letzten Jahren zahlreiche Gleise verlor und nur noch über vier Gleise verfügt. Der teilausgelastete Zug verdeutlicht dabei die Misere im Wettbewerb zwischen Schiene und Straße, welche aufgrund abgesenkter Maut und niedriger Dieselpreise meist "das Rennen" macht. Foto Patrick Rehn.

Der Vorstand der Ortsgruppe Bebra zeigt sich zutiefst verärgert über die deutsche Politik, welche sich mit dem aktuellen Diesel-Skandal bis auf die Knochen blamiert hat. Thomas Mühlhausen, der Vorsitzende der Ortsgruppe hierzu: "Sprichwörtlich wie der Bulle am Nasenring haben sich die Ministerien von den Konzern durch die Manege führen lassen. Und damit eindrucksvoll bewiesen, wer hier in diesem Land eigentlich das Sagen hat. Das die Ministerpräsidenten der in der Automobil-Industrie führenden Bundesländer Bayern, Niedersachsen und Baden-Württemberg diesen nun beispringen wundert da nicht mehr. Besonders ärgerlich finden wir dabei, dass man auch zulasten der Millionen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer agiert hat, welche mittel- oder unmittelbar für die Auto-Industrie tätig sind."

Die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer sowie zahlreiche weitere Interessenverbände haben in den vergangenen Jahren immer wieder eine Kehrtwende in der Verkehrspolitik, weg von fossilen Brennstoffen und hin zu modernen leistungsfähigen Verkehrskonzepten gefordert. Dabei spielt die Schiene eine wichtige Rolle, welche seit dem 19. Jahrhundert bereits über elektrische Antriebe im Personen- und Güterverkehr verfügt - etwas, was auf der Straße noch in den Kinderschuhen steckt und in einem Versuchsbetrieb mit Oberleitungen für Lkw etwas abkupfert, was es bereits längst gibt. Von der Leistungsfähigkeit ganz zu schweigen, kann ein einzelner Zug doch über 40 Lkw-Sattelauflieger, einige tausend Tonnen Kohle oder Stahl oder über 1000 Fahrgäste sicher, schnell, effizient und pünktlich an ihr Ziel befördern. Und das alles, mit einer Zugmaschine und einer Frau oder einem Mann an der Spitze.

Mühlhausen weiter: "Wir wollen nicht verschweigen, dass es auch bei der Eisenbahn nicht-elektrifizierte Strecken gibt, auf welchen Diesel-Lokomotiven unterwegs sind deren selektiv betrachteter Schadstoffausstoss jenseits von Gut und Böse liegt. Auch im Bereich von Rangierfahrten und bei Baustellen ist man auf den Dieselantrieb angewiesen. Betrachtet man allerdings die Transportkapazitäten, was die Personenbeförderung und bewegten Fracht-Tonnen angeht sieht es bereits wieder anders aus."

Die Politik hat in der Vergangenheit, meist auf Initiative der deutschen Autoindustrie - nicht nur in Deutschland, sondern auch in Europa - Richtlinien erlassen, welche weniger die Umwelt, sondern stets den Profit der Autobauer und Konzerne in den Vordergrund gestellt haben. Neue Technologien und Konzepte wurden dabei nur halbherzig gefördert und entpuppten sich genauso wie die Forderung "Mehr Güter auf die Schiene" als Sonntagsreden. Mühlhausen: "Seit über 15 Jahren gibt es beispielsweise für den Stadtverkehr mit Linienbussen alternative Antriebe. Und von einer ernsthaften Verkehrsverlagerung auf die Schiene sind wir mittlerweile weit entfernt."

Schuld daran hat nicht zuletzt die Bahn-Reform, welche die ehemalige Bundes- und Reichsbahn aus West und Ost zur Deutschen Bahn AG vereinte, welche in den über 20 Jahren ihres Bestehens mehr Strecken, Gleise und Anschlüsse stillgelegt, abgebaut oder unnutzbar gemacht hat als in der gleichen Zeit davor beide Staatsbahnen zusammen. Zudem werden wichtige Verkehrsprojekte bei der Schiene immer weiter verschleppt oder unnötig lang hinausgezögert. Mühlhausen hierzu: "Die Schweiz hat im vergangenen Jahr den Gotthard-Basistunnel in Betrieb genommen, welcher den Verkehr zwischen Nord- und Südeuropa in eine neue Ära katapulieren könnte. Man eröffnete den Tunnel pünktlich und sogar unterhalb der geschätzten Baukosten. Auf deutscher Seite ist man von einem leistungsfähigen und fertigen Ausbau der Strecke zwischen der holländischen und der Schweizer Grenze noch weit entfernt, auch weil man teilweise neu planen musste da nicht alle Interessen berücksichtigt wurden. Beim Brenner-Basistunnel ist es nicht anders, der Ausbau der Strecke Hamburg - Kopenhagen sowie die Elektrifizierung anderer wichtiger Strecken in Deutschland kommen ebenfalls nicht voran. Ein Trauerspiel."

Die Forderung der GDLer aus Bebra ist daher klar: "Die Bundesregierung, und mit ihr alle Ministerien, sind aufgefordert endlich im Sinne von Umwelt und Verkehrsentlastung zu handeln. Hierzu bedarf es ein schnellen und weitsichtigen Ausbau, welchem ein Zielkonzept voransteht, welches man eines Tages erreicht haben möchte. Dieses wurde bereits mit dem Deutschland-Takt klar formuliert. Weitere wichtige Bestandteile sind Innovation und Forschung, welche koordiniert in Absprache mit anderen Ländern erfolgen müssen um nicht mit Insellösungen alleine da zu stehen. Zudem gibt bereits heute zahlreiche und bewährte Konzepte, welche auch im Güterverkehr helfen würden die Straßen zu entlasten und für mehr Sicherheit zu sorgen. Verletzte und Tote durch Unfälle oder die Umweltschäden werden im ganzen Land als Begleiterscheinung quasi mit Achselzucken hingenommen. Soll Deutschland mittel- bis langfristig nicht im Verkehrsinfarkt ersticken ist es Zeit zu Handeln."

Pressemeldung Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) Ortsgruppe Bebra

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Letzte Änderung am Sonntag, 06 August 2017 21:05