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Montag, 23 September 2024 15:10

Verkehrsministerkonferenz/BSN/Pro Bahn/VDV: Einigung zu den Kosten des Deutschlandtickets auf 58 Euro

Der nordrhein-westfälische Verkehrsminister Oliver Krischer hat die Einigung der Sonder-Verkehrsministerkonferenz auf eine moderate Preiserhöhung beim Deutschlandticket begrüßt. "Das Deutschlandticket ist eine Revolution in der Geschichte des ÖPNV: Es entlastet Millionen von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, die tagtäglich zur Arbeit pendeln müssen. Es lichtet den undurchsichtigen Tarifdschungel, stößt Strukturdebatten an und leistet einen wichtigen Beitrag zur Verkehrswende und damit zum Klimaschutz. Schon nach gut anderthalb Jahren ist das Deutschlandticket ein Erfolgsmodell, das jetzt fortgeschrieben werden kann."

Nordrhein-Westfalen hat in diesem Jahr den Vorsitz der Verkehrsministerkonferenz. Die Verkehrsministerinnen und Verkehrsminister sowie -senatorinnen und -senatoren der Länder einigten sich auf einer digitalen Sonderministerkonferenz am Montag auf einen neuen Preis ab dem 1. Januar 2025 von monatlich 58 Euro.

Minister Krischer: "Auch das Deutschlandticket unterliegt wie alle anderen Tickets der Kostensteigerungen. Wir haben aber gesagt, dass wir in der Einführungsphase den Preis stabil halten wollten. Daher bin ich zufrieden, dass es uns gelungen ist, im Jahr 2024 den Preis stabil zu halten. Ab 2025 kommen wir aber um eine maßvolle Preiserhöhung nicht herum. Die Einigung auf 58 Euro zeigt, dass die Länder am Erfolgsmodell Deutschlandticket festhalten und weiterentwickeln wollen. Mit diesem Preis schaffen wir es, das Ticket weiter attraktiv zu halten und die Finanzierung auf solide Füße zu stellen."

Eine Preiserhöhung wäre angesichts der steigenden Kosten nur vermeidbar gewesen, wenn der Bund weitere Mittel in Aussicht stellen würde. Das ist derzeit aber nicht absehbar. Minister Krischer fordert deshalb von der aktuellen und künftigen Bundesregierung eine klare Aussage zur dauerhaften Fortsetzung des Tickets und einer finanziellen Beteiligung des Bundes auch nach 2025. "Nur so bekommen alle Beteiligten Planungssicherheit."

Bund und Länder entlasten mit dem Deutschlandticket die Pendlerinnen und Pendler mit rund 3 Milliarden Euro pro Jahr. "Ich erwarte von der aktuellen und der künftigen Bundesregierung, dass sie sich nicht nur an die finanziellen Zusagen halten, sondern auch weitere Mittel zur Verfügung stellen." Genug Spielräume gäbe es etwa beim Abbau von klimaschädlichen Subventionen.

BSN: Einigung beim Deutschland-Ticket-Preis begrüßt

Am heutigen Montag haben die Verkehrsminister von Bund und Ländern über den künftigen Preis für das Deutschlandticket beraten. Beschlossen wurde, den Preis für das Deutschland-Ticket von derzeit 49 Euro pro Monat auf 58 Euro pro Monat anzuheben. Der neue Preis soll ab dem 01.01.2025 gelten.

Der Bundesverband SchienenNahverkehr (BSN) als Vertreter der Leistungserbringer für den schienengebundenen Personennahverkehr (SPNV) sieht keine Alternative zur Erhöhung des Deutschland-Ticket-Preises.

„Das wichtigste Kriterium für den Erfolg des bundesweit einheitlichen ÖPNV-Tickets ist, neben einem guten Verkehrsangebot, die Verlässlichkeit. Verlässlichkeit für die Kunden, aber auch für die Leistungserbringer, also die Aufgabenträger und Verkehrsunternehmen“, erklärt Thomas Prechtl, Präsident des BSN.

Er ergänzt: „Mit der Erhöhung auf 58 Euro pro Monat bleibt der Nahverkehr für Reisende preislich noch attraktiv. Zugleich war eine Anhebung jedoch unausweichlich. Die Kosten, um Verkehrsleistungen zu erbringen, sind in den vergangenen Monaten enorm gestiegen. Gerade deshalb sind Bund und Länder gefordert, sich nicht nur durch die Erhöhung des Ticketpreises und den Ausgleichszahlungen finanziell zu beteiligen. Sie müssen auch die Verkehrsangebote finanzieren und ausbauen.“

„Wer die Verkehrswende ernst nehmen will, muss für Stabilität sorgen“

Eine einseitige Belastung der Kunden darf es deshalb nicht geben, fordert Prechtl. „Wer die Verkehrswende ernst nehmen will, muss für Stabilität beim Deutschland-Ticket sorgen. Und das geht nur, wenn Bund und Länder sich endlich zu einer langfristigen Finanzierung des Angebots bekennen. Das Deutschland-Ticket trägt sich finanziell nicht selbst. Deshalb wären ohne die jetzigen Tarifanpassungen noch höhere Zuschüsse als bislang nötig, um die Einnahmeseite der ÖPNV-Finanzierung zu stabilisieren.“ Ständige Tarifpreis-Diskussionen würden auf Kundenseite darüber hinaus für Verunsicherung sorgen. Diese gelte es unter allen Umständen zu verhindern, so der BSN-Präsident abschließend.

PRO BAHN: Preiserhöhung nicht akzeptabel

Der Fahrgastverband PRO BAHN kritisiert die geplante Preiserhöhung des Deutschlandtickets auf 58 Euro. Dies verschreckt Fahrgäste. Argumente der Länder, dass das Geld für Angebot und Infrastruktur gebraucht würde, hält der Verband für unglaubwürdig.

Die Landesverkehrsminister haben heute angekündigt, den Preis des Deutschlandtickets auf 58 Euro zu erhöhen. Der Fahrgastverband PRO BAHN erachtet dies als nicht zumutbar. "Eine Erhöhung um fast zwanzig Prozent ist für viele Fahrgäste ein Schlag in die Magengrube und treibt viele neu gewonnenen Fahrgäste zurück ins Auto", kritisiert Detlef Neuß, Bundesvorsitzender des Fahrgastverbands PRO BAHN.

Die Länder argumentieren aktuell gerne, dass durch die Erhöhung Mittel für die Bestellung zusätzlicher Verkehre oder den Ausbau der Infrastruktur geschaffen würden, doch ein Blick in die Vergangenheit zeigt, dass vor dem Deutschlandticket nichts davon geschehen ist. "Es ensteht der Eindruck, dass viele Länder gerne in den bequemen Modus vor dem Deutschlandticket zurückmöchten, als man weniger tun musste, weil kaum Züge überfüllt waren und das Angebot weniger gut angenommen da die Ticketpreise deutlich höher waren", kritisiert Professor Lukas Iffländer, stellvertetender Bundesvorsitzender des Fahrgastverbands PRO BAHN. Der Verband hat daher auch wenig Hoffnung, dass nun auf die Preiserhöhung eine Angebotsoffensive folgt.

Zudem ist zu erwarten, dass die Fianzierung durch die Preiserhöhung nicht nachhaltig gelöst wird: Wenn weniger Kunden ein Deutschlandticket besitzen, steigen die Gesamteinnahmen nicht in gleichem Maße wie die Preiserhöhung an.

Ein besonders fader Beigeschmack entsteht beim Blick auf Forderungen einer Abwrackprämie von 6000 Euro pro Auto. "Für Autos sind manche Politiker bereit zehn Jahre Deutschlandticket zum bisherigen Preis locker zu machen. Die Verkehrswende scheitert also nicht am Können, sondern am Wollen.", bilanziert Neuß.

VDV: Ein kluger, mutiger und notwendiger Schritt

Branchenverband wertet die Entscheidung der Landesverkehrsminister als insgesamt positives Ergebnis für Kunden und Branche.

VDV-Präsident Ingo Wortmann: „Der heutige Beschluss der Verkehrsministerinnen und Verkehrsminister der Länder ist aus unserer Sicht ein kluger, mutiger und notwendiger Schritt. Die Erhöhung des Preises des Deutschland-Tickets um neun Euro zum 01. Januar 2025 ist aus wirtschaftlicher Sicht für Verkehrsunternehmen, Verbünde und Kommunen zwingend. Für das nächste Jahr ist das Deutschland-Ticket damit finanziell gesichert. Das Ticket bleibt für die Kundinnen und Kunden auch mit dem neuen Preis hochattraktiv und ermöglicht es uns, dies weiter erfolgreich am Markt zu etablieren. Jetzt muss der Bund die notwendigen gesetzlichen Voraussetzungen schaffen, um das Deutschland-Ticket dauerhaft zu sichern. Dazu muss er das Regionalisierungsgesetz schnell anpassen und so seine Mitfinanzierung in Höhe von 1,5 Milliarden Euro jährlich und dynamisiert sowie die Überjährigkeit der Mittel gewährleisten. Vor allem aber bleibt die dauerhafte Finanzierung eines hochwertigen ÖPNV-Angebots die von Bund, Ländern, Kommunen und Branche gemeinsam zu lösende Aufgabe. “

Pressemeldungen Ministerium für Umwelt, Naturschutz und Verkehr des Landes Nordrhein-Westfalen, Bundesverband SchienenNahverkehr e. V., Verband Deutscher Verkehrsunternehmen e. V. (VDV)

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