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Mittwoch, 25 September 2024 20:08

ZFG Lokfahrdienst/EVG: Lokführer sind nicht das Freiwild der maroden Bahn!

Lokführer sind weiter stinksauer über diese kaputte Eisenbahn, auch auf ihrer Klausurtagung im oberfränkischen Fichtelberg. „Wenn jeder Lokführer seine Lok nach der vertraglich festgelegten Arbeitszeit verlassen würde, hätte das den Stillstand in Deutschland zur Folge!“, sagte der Sprecher der Zentralen Fachgruppe Lokfahrdienst der Gewerkschaft EVG, Karsten Ulrichs.

Lokführer sind nicht das Freiwild einer kaputten Bahn. Die Unzuverlässigkeit der Fahrpläne hat Gründe: marode Strecken, welche mit Baumaßnahmen wieder ertüchtigt werden, häufige Störungen von Signal- und Bahnübergangsanlagen, unzureichende Freischnitte der Vegetation neben den Gleisen und fehlendes Personal auch auf den Stellwerken. Dazu kommen immer häufiger nicht vorgesehene Halte, da sich unbefugte Personen oder Tiere auf Gleisen oder in Tunneln aufhalten. Auch die vielen Suizide sorgen für Unregelmäßigkeiten und sind eine große Belastung für jeden Lokführer, der das miterleben muss. Die Polizei- und Notarzteinsätze nehmen zu und das Verhalten der Reisenden endet immer häufiger in verbalen und tätlichen Übergriffen auf das Lok- und Zugpersonal. Zusätzlich erschweren Fahrzeugstörungen den Betriebsalltag.

So entstehen Verspätungen sowie Änderungen in den Fahrplänen und dem Streckenverlauf. Das alles führt zu Verlängerungen der Arbeitszeit auf der Lok. Das zwingt Lokführer oft in eine Entscheidung, an oder über die Grenzen des Arbeitszeitgesetzes zu arbeiten und somit mitverantlich zu werden, wenn etwas passiert. Kein Lokführer will seinen Zug im Nirgendwo abstellen. Letztendlich wird das aber nicht ausbleiben, wenn 12 oder 14 Stunden Arbeitszeit erreicht sind. Die Verantwortung zur Einhaltung der gesetzlichen Bestimmungen obliegt nicht nur den verantwortlichen Vorgesetzten, sondern auch dem Beschäftigten selbst.

Für die EVG-Lokführer bleibt es bei der dringlichen Forderung eines Neustarts der Eisenbahn in Deutschland. Wir müssen uns von der Spitze her neu aufstellen und neue Strukturen schaffen. Dabei ist eine Aufspaltung der Bahn, wie von einigen „Experten“ aus Politik und Wirtschaft als Allheilmittel gefordert, sicher der falsche Ansatz. Richtig wäre, in den DB- Transportbereichen Fern-, Nah- und Güterverkehr das Fahrpersonal wieder aus einer Hand zu führen. Wir fordern mehr Wertschätzung und ein Ende des Rumgeschiebes in der Einsatzplanung. Das kann man alles professioneller lösen als hier, „wo die linke Hand nicht weiß, was die rechte tut“.

Neustart heißt auch: Lokführer sind durchaus in der Lage, unternehmensübergreifend zu fahren. Warum darf z.B. ein Lokführer vom Fernverkehr keinen Güterzug fahren? Kann ein Lokführer der DB Cargo nicht eine Schicht auch im Regionalverkehr übernehmen? Diese Synergieeffekte muss man wieder nutzen.

Pressemeldung Zentralen Fachgruppe Lokfahrdienst 

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