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Donnerstag, 06 Dezember 2018 19:47

KolejDEPL: Außer dem Nachtzug nicht viel Neues im Verkehr Deutschland-Polen

Am 9. Dezember 2018 tritt der neue Bahnfahrplan in Kraft. Die einzige wesentliche Verbesserung im deutsch-polnischen Schienenpersonenverkehr wird die Einführung eines Nachtzugs aus Wien über Wroclaw nach Berlin sein, der auch Kurswagen ins ostpolnische Przemysl mit sich führt. „Dies ist eine sehr gute Entwicklung, die wir vor allem der Initiative der Österreichischen Bundesbahnen verdanken“, urteilt Anja Schmotz, Sprecherin der Initiative deutsch-polnischer Schienenpersonen-verkehr (KolejDEPL).

Weniger erfreulich: Zum Fahrplanwechsel wird die Direktverbindung Dresden – Wroclaw gebrochen, allerdings wird der grenzüberschreitende Verkehr nicht eingestellt, wie zuletzt im März 2015. Aufgrund der voranschreitenden Elektrifizierung auf der polnischen Seite bis Zgorzelec, die 2019 abgeschlossen werden soll, werden nur noch direkte Fahrten von Dresden bis Wegliniec (Kohlfurt) angeboten. Dort erfolgt ein Umstieg in die schnelleren Elektrotriebzüge, die bis Wroclaw verkehren.

„Diese Situation darf nur eine Übergangslösung sein, die nicht länger als 1-2 Jahre in dieser Form angeboten wird. Mit 3,5 Stunden Fahrtzeit ist die Bahnverbindung mit dem Straßenverkehr nicht konkurrenzfähig und der zusätzliche Umstieg verbessert die Attraktivität nicht gerade.“, so Schmotz. Positiv ist zu bewerten, dass sich die Fahrtzeit etwas verkürzt und auf der polnischen Seite modernere Fahrzeuge eingesetzt werden. Das durchgehende Ticketangebot wird weiter bestehen. Entscheidend ist nun, dass die Umsteigeverbindung im Alltag gut funktioniert. Die Reisenden müssen sich darauf ver-lassen können, dass die Anschlusszüge in Wegliniec auch bei Verspätungen auf sie warten. Die polnische Seite hat dies bereits zugesichert. „KolejDEPL wird ein Auge darauf haben. Wir rufen alle Reisen-den dazu auf, uns zu berichten, falls diese Anschlussgarantie in der Realität nicht funktioniert.“, erklärt Schmotz.

Dass es überhaupt zur Einstellung der Direktverbindung kommen konnte, ist auf das Desinteresse der deutschen Politik zurückzuführen. In Deutschland wurde die Elektrifizierung zwar zugesagt, aber immer auf die lange Bank geschoben. „Während man hier noch überlegt hat, ob der Bund das Vorhaben finanziert, wurde in Polen bereits ein Teilstück nach dem anderen elektrifiziert. Der Bund hat dieser europäischen Kernstrecke nicht die angemessene Priorität eingeräumt“, beklagt KolejDEPL-Sprecherin Schmotz.

In dieser Woche wurde zudem die Fertigstellung der Gütertrasse Knappenrode – Horka gefeiert. Für den Personenverkehr wird sie aber zunächst nicht genutzt. Grund ist das Fehlen geeigneter Fahrzeuge bei DB Fernverkehr und der unterlassene Ausbau der Zubringerstrecke Cottbus – Horka. Auch dies geht auf mangelndes Engagement des Bundes für den grenzüberschreitenden Personenverkehr zurück.

Pressemeldung Initiative deutsch-polnischer Schienenpersonenverkehr (KolejDEPL)

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