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Freitag, 01 März 2019 12:50

EVG: Anforderungen an Sprachkenntnisse der Lokführer/innen dürfen nicht abgesenkt werden

Eine reibungslose Verständigung im grenzüberschreitenden Verkehr ist elementar wichtig für die Sicherheit des Bahnbetriebs. Die EU-Kommission will die Anforderungen an Sprachkenntnisse für Lokführer/innen absenken. Die EVG lehnt das entschieden ab! Wir sehen darin eine Gefahr für die Sicherheit des Bahnbetriebs. Die EVG fordert das EU-Parlament auf, das Vorhaben zu stoppen.

Worum geht es? Die Sprachkenntnisse für Lokführer/innen sind in der Richtlinie 2007/59/EG geregelt. Dort wird mindestens das Niveau B1 aus dem „gemeinsamen europäischen Referenzrahmen“ vorgeschrieben. B1 bedeutet u.a., dass die/der Sprecher/in in einer fremdsprachigen Unterhaltung „die Hauptpunkte verstehen kann, wenn klare Standardsprache verwendet wird und wenn es um vertraute Dinge aus Arbeit, Schule, Freizeit usw. geht.“

Was will die EU-Kommission? Sie will „Versuchsstrecken“ einführen, auf denen das Niveau abgesenkt werden soll. Auf denen soll erprobt werden, ob es „alternative Mittel“ gibt, mit denen die Sicherheit des Bahnverkehrs garantiert werden kann. Welche das sein sollen, wird in dem Entwurf nicht definiert.Wie steht die EVG dazu? Ganz klar ablehnend. Wir gehen davon aus, dass damit mittelfristig die Anforderungen an das Sprachniveau der Beschäftigten dauerhaft abgesenkt werden und dass mehr technische Hilfsmittel zum Einsatz kommen sollen. Davor können wir nur warnen. Mit ihnen wären vielleicht einfache Betriebssituationen beherrschbar. Aber im Eisenbahnbetrieb gibt es nicht nur einfache Situationen. Bei schwerwiegenden Störungen muss sich ein/e Lokführer/in mit Fahrgästen, anderen Betriebsbediensteten, ggf. mit Rettungskräften verständigen können. Alles andere würde einen massiven Verlust an Sicherheit bedeuten.

Warum ist das Thema noch wichtig? Sicherheit ist das A und O des Bahnbetriebs, hier darf es keine Abstriche geben. Es geht uns aber auch um das Berufsbild Lokführer. Hintergrund des Vorhabens der EU-Kommission ist vermutlich der Fachkräftemangel in der Bahnbranche. Ihm versucht man durch eine verkürzte Ausbildung und durch Absenkung der Standards zu begegnen. Aber das ist der falsche Weg. Den Lokführer/innen-Mangel wird man nur beheben, indem man den Beruf attraktiver macht: durch gute Ausbildung und gute Arbeitsbedingungen.

Was tut die EVG? Unter anderem haben wir Kontakt mit EU Parlamentariern aufgenommen wie Ismail Ertug, dem Koordinator der sozialdemokratischen Fraktion im Verkehrsausschuss des EU-Parlaments (TRAN). Über ihn fordern wir die Unterstützung der Parlamentarier ein, sich diesem Vorhaben entgegenzustellen. Und am 27. März werden wir mit vielen Kolleginnen und Kollegen in Brüssel an einer Demo für gute Arbeitsbedingungen in der Transport- und Verkehrsbranche teilnehmen.

Pressemeldung EVG

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