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Mittwoch, 05 Oktober 2016 11:00

Frankreich: TGV-Bestellungen und Diversifizierung für Belfort

Der Staatssekretär für Industrie, Christophe Sirugue, wird heute (04.09.16) mit dem Alstom-Management und den Gewerkschaften zusammentreffen, um den Plan zur Rettung der Produktion am Alstom-Standort Belfort bekannt zu geben.

• Der Plan sieht französischen Medien zufolge den Kauf von 15 zusätzlichen TGV-Zügen Euroduplex für 500 Mio. Euro durch den Staat vor, die vorerst für den Betrieb im Intercités-Verkehr vorgesehen sind und nicht für die Hochgeschwindigkeitsstrecken. Sie sollen auf den konventionellen Strecken Bordeaux - Marseille, Bordeaux - Toulouse und Montpellier - Perpignan ("corridor sud") eingesetzt werden und den Ausbau dieser Strecken für den Hochgeschwindigkeitsverkehr begleiten. Zu einem späteren Zeitpunkt sollen die Züge an die SNCF oder einen anderen Betreiber übergeben werden.

• Gleichzeitig sieht das Abkommen die Bestellung von 20 Hilfszuglokomotiven durch die SNCF vor.

• Schon angekündigt war die Bestellung von sechs TGV für die Verbindung Paris - Turin - Mailand.

• Alstom wird seinerseits 40 Mio. Euro in drei Etappen bis 2020 in Belfort investieren und das Werk in ein mitteleuropäisches Wartungszentrum umbauen. Von diesem Geld sollen 30 Mio. Euro bis 2018 in die Entwicklung einer neuen Diesel- oder Hybridlokomotive gesteckt werden. Der Staat überlegt, diese Entwicklung zusätzlich zu finanzieren. Ferner sind 5 Mio. Euro bis 2020 für den Ausbau der Wartung mit 150 Angestellten und deren Effizienzsteigerung vorgesehen und 5 Mio. Euro für die Diversifizierung der Produktion auf weitere Lokomotivtypen oder elektrische Busse (Bus der Zukunft).

• Weitere Bestellungen könnten ab 2021 für den "TGV der Zukunft" erfolgen, dessen Entwicklung von Alstom und dem Staat über die Agentur für Umwelt und Energie (ADEME) mit 30 Mio. Euro über zwei Jahre gefördert wird.
Noch nicht offiziell verkündet, wird der Plan schon kritisiert. Benoît Hamon, erster Kandidat der Präsidentschaftsvorwahlen der Linken, spricht von einem "industriellen Pfusch", der nur im Vorfeld der Präsidentschaftswahlen Bestand haben wird. François Fillon, erster Kandidat der Präsidentschaftsvorwahlen der Rechten, fragt, ob die SNCF diese Züge wirklich brauche. "Man gräbt ein Loch, um ein anderes zu schließen."

Gérard Larcher (LR), Präsident des Senats, nennt den Plan ein "Flickwerk" vor der Präsidentschaftswahl, der das eigentliche Problem verhindere, wettbewerbsfähige Produktionsanlagen zu schaffen. Emmanuel Macron, ehemaliger Wirtschaftsminister und Kandidat der Bewegung "En marche!" verlangt eine "Diagnose des Zustandes von Frankreich."

"Das funktioniert für eine Übergangszeit, löst aber die Probleme nicht", heisst es von Seiten der Gewerkschaft CFE-CGC. "Wir wollen nicht von den Happen des Staates leben."

WKZ, Franz A Roski, Quelle Le Monde, Figaro, Le Point

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