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Donnerstag, 11 April 2019 07:10

Großbritannien: Rentenaufsicht vertreibt Stagecoach und Virgin Trains aus Großbritannien

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Fotos Virgin.

"Ich habe heute Morgen die Nachricht erhalten, dass das Verkehrsministerium (DfT) beschlossen hat, unser Angebot für die West Coast Partnership zu disqualifizieren. Das bedeutet, dass Virgin Trains im November aus Großbritannien verschwinden könnte", beklagte der Bahn- und Flugzeug-Visionär Richard Branson am 10.04.19 in seinem Virgin-Blog.

Das Verkehrsministerium (DfT) hat Stagecoach, den Joint-Venture-Partner von Virgin, im Bieterverfahren um drei neue Bahn-Franchises disqualifiziert, nachdem die Rentenaufsicht (The Pensions Regulator, TPR) die fehlende Deckung zukünftiger Renten beanstandet hatte. Ohne die anhaltende staatliche Unterstützung für die langfristige Finanzierung von Eisenbahnrenten würden zusätzliche 5 bis 6 Mrd. GBP benötigt, um die Lücke bei den Betriebsrenten für Eisenbahnbetreiber zu schließen. Im Gegensatz dazu hätte die von der Bahnindustrie vorgeschlagene Lösung nur zusätzliche 500 bis 600 Mio. GBP in das System eingebracht, was laut Stagecoach aber zu mehr Stabilität und Sicherheit für die Mitglieder und zu einem viel besseren Wert für die Steuerzahler geführt hätte.

In einer beispiellosen Intervention von Verkehrsminister Chris Grayling wurde Stagecoach ohne Anhörung aus den Bieterverfahren East Midlands Train, South Eastern und sogar HS2 förmlich rausgeschmissen. Letzteres bedeutet im Endeffekt, dass Stagecoach auch den gemeinsamen Betrieb mit Virgin Trains im West Coach Franchise, dem lukrativsten Eisenbahndienst Großbritanniens, aufgeben muss.

Die Nachricht ließ die Stagecoach-Aktien um 8 Prozent fallen und löste eine wütende Reaktion des Unternehmens aus. Der Vorstandsvorsitzende von Stagecoach, Martin Griffiths, äußerte eine beispielslose Kritik am DfT, die bisher noch kein Bahnbetriebsleiter öffentlich geäußert hat. "Wir sind sehr besorgt über die Entscheidung des DfT und seinen Zeitplan", sagte Herr Griffiths. "Die Abteilung hat seit langem volle Kenntnis von diesen Angeboten und wir suchen eine dringende Sitzung, um unsere wesentlichen Bedenken zu besprechen."

Martin Griffiths weiter: "Dies ist ein weiterer Beweis dafür, dass das aktuelle Franchisemodell nicht zweckmäßig ist. Es schadet auch dem ohnehin schon fragilen Vertrauen der Investoren in den britischen Eisenbahnmarkt und untergräbt die Beteiligung von zwei (Stagecoach und Virgin) der letzten britischen Transportgruppen, die am Betrieb der britischen Eisenbahn beteiligt sind."

In die gleiche Richtung argumentiert Richard Branson: "Ich bin am Boden zerstört für die Teams, die unermüdlich daran gearbeitet haben, Virgin Trains zu einem der besten Eisenbahnunternehmen im Vereinigten Königreich, wenn nicht gar weltweit, zu machen. ... Wir sind verblüfft, warum uns das DfT nicht gesagt hat, dass wir disqualifiziert werden oder gar darüber mit uns diskutiert hat - sie wissen seit Monaten von unserer Bewerbung. ... Die Rentenaufsicht hat gewarnt, dass in Zukunft mehr Bargeld benötigt wird, aber niemand weiß, wie hoch diese Rechnung letztendlich sein könnte, und kein verantwortungsbewusstes Unternehmen könnte dieses Risiko eingehen. Dies ist ein branchenweites Thema, und die Verpflichtung der Eisenbahnunternehmen, diese Risiken einzugehen, könnte zum Scheitern weiterer Bahnvorhaben führen."

Andy McDonald, Labour-Sprecher für Verkehr, sagte: "Die Ausstoßung von Stagecoach aus der Bahnindustrie wegen fehlender Deckung zukünftiger Rentenzahlungen unterstreicht einmal mehr die Anfälligkeit des Systems. Das Bahnfranchising ist im Eimer."

Auch die Lokführer-Gewerkschaft RMT sieht sich bestätigt: Sie hat gefordert, dass unverzüglich Maßnahmen ergriffen werden, um die Franchiseunternehmen, an denen Stagecoach beteiligt ist, in den öffentlichen Besitz zu bringen. In einem Brief an den Transportsekretär Chris Grayling sagt RMT-Generalsekretär Mick Cash. "In Anbetracht der Entscheidung, Stagecoach daran zu hindern, für Franchises zu bieten, schreibe ich, um Sie jetzt zu bitten, das Franchising-Fiasko zu beenden. Das Netzwerk muss wieder in öffentliches Eigentum überführt werden."

Doch auch das Verkehrsministerium ist zu verstehen: Stagecoach und Virgin haben Verkehrsminister Grayling schon genug Probleme bereitet, als sie das letzte ECML-Franchise platzen liessen. Da musste der Betrieb dieser Strecke zum zweiten Mal nach der Privatisierung von British Rail verstaatlicht werden. Da sich Virgin Trains und Stagecoach laut DfT - im Gegensatz zu Abellio - nicht an die Ausschreibungsbedingungen gehalten haben, sind sie nun disqualifizirt worden - that's it.

WKZ, GK, RL, Quelle The Guardian, The Times, Virgin

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Letzte Änderung am Donnerstag, 11 April 2019 07:22

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