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Montag, 15 April 2019 09:30

Griechenland: Aktuelle Situation - Elektrifizierung, ETCS, Güterverkehr, Goldair, Kreisverkehre gegen Streckenerhalt

Am 12.4.2019 war der offizielle Festakt zum 150jährigen Jubiläum der Eisenbahn in Griechenland mit hohem politischen Teilnehmenrn, u.a. der griechische Staatspräsident Pavlopoulos und die zuständige EU-Kommissarin Bulc. Neben Ehrungen stand auch die hoffentlich bessere Zukunft der griechischen Bahn auf der Tagesordnung.

Nach offiziellen Ankündigungen soll innerhalb der nächsten 20 Tage der durchgehende elektrische Betrieb zwischen Athen und Thessaloniki aufgenommen werden, was wegen des dann entfallenden zweimaligen Lokwechsels zu deutlich kürzeren Fahrzeiten führt. Dafür plant das EVU TrainOSE einen Fahrplanwechsel, ob die schnelleren Züge dann mit griechischem Zugmaterial oder den italienischen ehemaligen Cisalpino-Zügen geführt werden bleibt offen. Wegen Oberleitungsdiebstahls verzögerte sich die Fertigstellung.

Der 71 km lange Abschnitt Kiato - Eghio der neuen Peloponnesbahn ist inzwischen so weit fertiggestellt, dass Tests aufgenommen werden können. Man rechnet mit einer Betriebsaufnahme im Sommer 2019. Auch hier gab es immer wieder Verzögerung, zuletzt zerstörten Überflutungen die Sicherungsanlagen, die wegen der vielen Tunnel zwingend betriebsfähig sein müssen. Der elektrische Betrieb wird erst in zwei Jahren aufgenommen, über die Art der Betriebsführung besteht Unklarheit.

Die am stärksten befahrene griechischne Eisenbahnstrecke SKA - Flughafen im Großraum Athen wird in Kürze mit ERTMS (European Rail Trafic Management System) ausgerüstet sein, weitere Strecken werden folgen. Die Installation von ETCS (European Train Control System) ist dafür eine Voraussetzung.

Das griechische Infrastrukturministerium hat errechnet, dass die "sea2sea" bzw. TKABVR-Strecken (Verbindung griechische Ägäishäfen mit bulgarischen Schwarmeer- und Donauhäfen) dann profitabel sein werden, wenn sie die 7% der durch die Dardanellen fahrende Tonnage übernehmen, das ist die Fracht von 5 bis 10 Schiffen täglich. Ganz wesentlich sind dabei Container- und Öltransporte. Letztere sind wegen der sensiblen Umwelt am Bosporus und den Dardanellen höchst problematisch, es haben sich schon einige schwere Unfälle mit massiven Umweltschäden in den vergangenen Jahren ereignet.

Das EVU RailCargo Goldair Logistics hat gegen die Schienenfahrzeugwartungsgesellschaft ROSCO bei der Regulierungsbehörde RAS Beschwerde erhoben. ROSCO wurde vor Kurzem vom EVU TrainOSE übernommen, muss aber alle EVU in Griechenland vertragsgemäss gleich bedienen. RailCargo Goldair Logistics beklagt sich wesentlich höhere Gebühren zahlen zu müssen als TrainOSE.

Merkwürdiges hört man aus der thessalischen Hafenstadt Volos. Der dortige Bürgermeister hat sich offensichtlich vorgenommen, möglichst viele Kreisverkehre zu bauen. Das jüngste Vorhaben unterbricht die nicht stillgelegte, sondern in Betriebsruhe befindliche Stadt- bzw. Talstrecke der Pileonbahn, die auch unter Denkmalschutz steht. Zudem wird der Anschluss zum Hafen Volos, einer der größten in Griechenland, abgeschnitten.

Das Infrstrukturministerium hat OSE als Streckeneigentümer und die Denkmalschutzbehörde zur Intervention aufgefordert. Der Bürgermeister drohte daraufhin der Regierung mit einem "Volksaufstand". Regierungsnahe Medien bezeichneten den Bürgermeister daraufhin als arroganten Populisten.

Griechische Innenpolitik ... Die betroffene Strecke würde sich übrigens ideal für den Nahverkehr in Volos eignen, eine Stadt, die im Straßenverkehr erstickt. In Agria, dem nächsten Ort der Talstrecke, wird der nächste Kreisverkehr gebaut. Dieser unterbricht auch die Bahnlinie.

Prof. Dr. Johannes Schenkel, Quellen u.a.: ose.gr, metaforespress.gr. ypodomes.com, ert-volos.ge

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