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Montag, 13 Mai 2019 07:10

Frankreich: 300.000 Euro zur Rettung des letzten Gemüsetransports per Bahn in die Pariser Markthallen

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Fotos MIN Rungis.

Ein Damoklesschwert hängt über der Güterverbindung, die seit 2007 Obst und Gemüse von Perpignan Saint-Charles in die Pariser Markthallen Rungis MIN befördert. Der Vertrag zwischen dem Güterbetreiber Fret SNCF und den Transportgesellschaften Transports Roca SA (Réseau Primever, Groupe Satar) und Philippe Rey SA (Groupe Logifel) mit Sitz in Perpignan soll zum 30.06.19 enden. Das würde die Verlagerung von der umweltfreundlichen Bahn auf etwa 25.000 LKW pro Jahr bedeuten.

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Die Bahn transportiert jährlich mehr als 400.000 t Obst und Gemüse nach Rungis. Im Mittelpunkt steht der Primeur-Zug, der Perpignan (Pyrénées-Orientales) mit Rungis verbindet und seit 2007 täglich den Großmarkt MIN (marché d'intérêt national) beliefert. Das Problem des Zuges: Das Obst und Gemüse wird in Paris aufgegessen, so dass die Züge leer zurückfahren.

Es geht ferner um die Überalterung von 82 Kühlwagen, die nach vierzig Jahren Betrieb demnächst ausgetauscht werden müssen. Die Carrier Roca und Rey sehen es als Kunden von Fret SNCF als zu teuer an, neue Wagen mieten zu müssen. Der aktuelle Vertrag, der am 30. Juni ausläuft, könnte durchaus der letzte sein. "Wir wollen weitermachen", heisst es bei Fret-SNCF. "Wir haben die Lokomotiven, das Personal und neue Wagen zu mieten. Aber wir können keinen Vertrag mit Verlusten abschließen!"

Fast 21 Mio. Euro wurden 2010 in die Modernisierung des Bahnhofs Rungis investiert, den derzeit nur noch ein Zug anfährt. Die Investition hat sich noch nicht rentiert, denn ein weiterer Zug wurde schon 2016 eingestellt.

Doch es gibt Widerstand ob der zu erwartenden "ökologische Katastrophe". Die gewählten Vertreter der Region Okzitanien initiierte Anfang Mai in Saint-Charles ein Treffen mit Verladern und ein Lenkungsausschuss wurde eingesetzt. Am Freitag (10.05.19) kündigte Verkehrsministerin Élisabeth Borne gegenüber dem Infokanal LCI an, dass sie diese Woche die "betroffenen Akteure" zusammenbringen werde, um "eine Lösung zu finden".

Stéphane Layani, CEO von Semmaris, das den Markt Rungis (MIN) verwaltet, hat beschlossen, den ersten Schritt zu tun. "Wir werden den Zug nicht von Rungis entfernen", sagt er und kündigt eine Investition von 300.000 Euro für die Carrier Roca und Rey an. Der Betrag würde es ihnen ermöglichen, SNCF-Züge auf "temporärer" Basis für ein bis zwei Jahre zu mieten. "Dieser Zug ist ein Symbol, ein Gut von allgemeinem Interesse", ergänzt er.

Langfristig arbeitet der MIN jedoch an einer "modernen" Kombi-Lösung, d.h. an LKW-Containern, die in Zügen platziert werden. Dazu gehört eine eigene "Autoroute ferroviaire" zwischen Barcelona und Rungis, die auch Waren in umgekehrter Richtung transportieren kann. Die Europäische Union hat 13 Mio. Euro investiert, aber 20 Mio. Euro fehlen noch", sagt Stéphane Layani.

Die tägliche Trasse Perpignan - Rungis wird seitens des Netzbetreibers SNCF Reseau vorerst bis Ende 2019 vorgehalten. Die SNCF bestätigt, dass für Januar 2020 noch keine Trassen gebucht wurden. Sie wartet nun darauf, dass ein Bahnbetreiber - der nicht Fret SNCF heißen muss - die Verhandlungen wieder aufnimmt.

WKZ, Franz A. Roski, Quelle L'Independant, Le Parisien

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Letzte Änderung am Montag, 13 Mai 2019 11:38

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