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Dienstag, 25 Juni 2019 07:10

Griechenland: Infrastrukturkonferenz zu Wahlkampfzeiten

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Fotos TrainOSE.

In der vergangenen Woche wurde in Athen der "3. Kongress für Infrastruktur und Verkehr" veranstaltet, wesentliche Neuigkeiten gab es nicht. Einvernehmen herrschte darüber, dass die Eisenbahn in Griechenland lange Zeit vernachlässigt wurde, entsprechend ist der Anteil am "modal split" im Güterverkehr nur 1,2%, EU-weit ist dieser bei 15%.

Nach Auflösung des Parlaments bleibt jetzt alles liegen, allein für Investitionen in die Eisenbahninfrastruktur stehen aktuell Entscheidungen über 4,5 Milliarden EUR an. Was nach der Wahl passiert ist völlig unklar, bei einem möglichen Regierungswechsel dürften viele Vorhaben wieder aufgeschnürt werden. Die Vertreter der größten Oppositionspartei, der konservativen Nea Dimokratia, räumten zwar die Wichtigkeit des von der aktuellen Regierung aufgelegten Generalverkehrsplan ein, dürften diesen aber bei einer Regierungsübernahme in wesentlichen Punkten ändern. Man erkennt zwar die Bedeutung der Schienenanbindung wesentlicher Häfen an, wenn das mit überschaubarem Aufwand machbar ist, setzt aber mehr auf die Straße.

Ansonsten wird der Wahlkampf recht schmutzig geführt, das betrifft auch Behauptungen bzw. Gerüchte über den Eisenbahnverkehr, mit dem man dem politischen Gegner schaden will (z.B. zum Güterverkehr über Nordmazedonien nach Zentraleuropa).

Inzwischen wurde der saisonale internationale Personenverkehr wieder aufgenommen, allerdings ohne wesentliche Beteiligung der griechischen Bahn: Der Hellas Express verkehrt vom sehr ungünstig gelegenen Bahnhof Topcider in Belgrad bis Gevgelija an der griechisch/nordmazedonischen Grenze, danach Bus.

Da die Strecke von Budapest nach Belgrad wegen Bauarbeiten unterbrochen ist, fallen die bisherigen Kurswagen aus Prag, Bratislava und Budapest auch weg. Von Sofia nach Thessaloniki gibt es ein Tageszugpaar, auch hier fährt über die Grenze nur ein Bus, was diese Verbindung mit zweimaligem Umsteigen und langen Wartezeiten völlig unattraktiv macht.

Lediglich der einmal wöchentlich verkehrende Zug Bukarest - Sofia - Thessaloniki wird durchgehend als Zug geführt. Grund für die Einschränkungen sind massiver Personalmangel beim EVU TrainOSE sowie Baustellen in Griechenland.

Prof. Dr. Johannes Schenkel

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Letzte Änderung am Montag, 24 Juni 2019 15:43

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