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Dienstag, 23 Juli 2019 07:05

Italien: Verkehrsministerium feuert einzigen kritischen Berater der Kosten-Nutzenanalyse für die TAV Lyon - Turin

Der einzige Techniker, der die Kosten-Nutzen-Analyse für die Hochgeschwindigkeitsstrecke TAV Lyon - Turin nicht unterschrieben hatte, wurde am 15.07.19 entlassen. Nach Angaben des Infrastrukturministeriums hätte er unbefugte Interviews geführt und ein Konter-Dossier "mit aus der Luft gegriffenen Zahlen" in Umlauf gebracht.

Das Ministerium für Infrastruktur und Verkehr hat den einzigen Experten, der sich von der negativen Bewertung der die Kosten-Nutzen-Analyse erstellenden Kommission, der er angehörte, distanziert hatte, entlassen. Nach Angaben des Corriere della Sera wurde Pierluigi Coppola ohne vorherige Kontaktaufnahme von Minister Danilo Toninelli per E-Mail über seine Entlassung informiert. Ihm wird vorgeworfen, durch unbefugte Interviews die Vertraulichkeit verletzt zu haben und ein Gegendossier mit veralteten Zahlen, das ihm in der Presse zugeschrieben wurde, veröffentlicht zu haben, was er aber bestritt.

Coppola war das einzige der unter der Leitung von Marco Ponti tagenden sechs Mitglieder in der Arbeitsgruppei für die Kosten-Nutzen-Analyse der TAV Lyon - Turin, das das Dokument nicht unterzeichnet hatte. Er ist seit 2010 außerordentlicher Professor für Verkehrstechnik an der Universität Tor Vergata in Rom und besaß einen Vertrag für Technische Aufgaben unter dem Mandat der Regierung.

Gegenüber dem Corriere della Sera nannte er als Grund für seine Ablehung, dass er die angewandte Methodik nicht teile. Die von Ponti angewandte Methode, so Coppola, unterscheide sich sehr von den Leitlinien, die von allen Ländern der Europäischen Union für Kosten-Nutzen-Analysen vorgenommen werden. "Es ist kein Geheimnis, dass die Einbeziehung der Kosten für die Nichterhebung der Verbrauchsteuern auf Kraftstoffe ein neues Verfahren ist, das in keiner europäischen oder italienischen Richtlinie vorgesehen ist."

GK, WKZ, Quelle AGI, Corriere della Sera

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