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Mittwoch, 31 Juli 2019 07:10

Norwegen: Eisenbahndirektion startet Diskussion über eine Nordnorwegische Eisenbahn

Nach einem Auftrag des Ministeriums für Verkehr und Kommunikation legte die norwegische Eisenbahndirektion (Jernbanedirektoratet) Anfang Juli eine aktualisierte Kostenschätzung und sozioökonomische Analyse für eine Eisenbahn von Fauske nach Tromsø (Nordnorwegische Eisenbahn, Nord-Norgebanen) zur Beratung vor. Bei Kosten von mehr als 120 Mrd. NOK (12 Mrd. Euro) gibt die Eisenbahndirektion keine Empfehlung, facht aber die politische Diskussion an.

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Grafik Jernbanedirektoratet.

Der Bau solch einer Bahn würde der Produktion von Fischerzeugnissen und dem Tourismus zugute kommen, was dem Wunsch nach einer neuen Bewertung hervor rief. Der Ort Harstad ist für die Fischereiindustrie von zentraler Bedeutung, weshalb auch ein Seitenarm von Bjerkvik nach Harstad untersucht wurde.

Die Nordnorwegische Eisenbahn wurde bereits mehrfach einer Untersuchung unterzogen, zuletzt wurden im Jahr 2011 Bewertungen vorgenommen. Die Strecke hatte damals einen Tunnelanteil von 58 Prozent. Da die Kosten für den Bau eines Tunnels durch neue Anforderungen, unter anderem für Fluchtwege, gestiegen sind, wurde der Tunnelanteil nun auf 45 Prozent reduziert, um zu untersuchen, wie sich weniger Tunnel auf das Kostenbild auswirken. Es wurde auch eine mögliche schrittweise Entwicklung erwogen und die Alternativen waren, nur Fauske - Narvik oder nur Narvik - Tromsø (Tromsbanen) zu entwickeln.

Eine Strecke von Fauske nach Tromsø ist etwa 375 km lang und ein Nebengleis Bjerkvik - Harstad etwa 80 km. Die Analysen zeigen, dass eine vollständige Entwicklung 113 Mrd. NOK und die Kosten für die Nebenbahn nach Harstad rund 20 Mrd. NOK kosten werden.

Eine nordnorwegische Eisenbahn wird sich positiv auf die Gesellschaft auswirken, indem sie Transport- und Logistikkosten für Waren einspart und den Personenverkehr aus Privatwagen verlagert. Weitere positive Effekte für die Gesellschaft sind die Reduzierung der CO2-Emissionen und die Verringerung von Verkehrsunfällen.

Ein solcher Weg wird jedoch nicht wirtschaftlich sein. Die Berechnungen zeigen einen Nettoverlust für die Gesellschaft zwischen 46 und 109 Milliarden NOK.

Die Eisenbahndirektion spricht deshalb keine Empfehlung für die Frage der Schienenentwicklung im Norden aus. Der Bericht steht bis zum 1. Oktober zur Konsultation offen. Danach wird der Beitrag der Konsultation überprüft und dem Verkehrsministerium Ende November ein Abschlussbericht übermittelt.

Die Aussprache über den Bericht der Direktion in diesem Sommer hat allerdings sowohl die Bedürfnisse als auch das Verständnis und die Ungeduld für mehr Eisenbahn im Norden geweckt. Für diejenigen, die politisch daran gearbeitet haben, ist die Untersuchung ein erster Schritt und sie hoffen, dass es nicht der letzte ist.

So die sozialliberale Partei Venstre (V). Unter dem Titel "Bringen Sie Nordnorwegen auf die Schiene" spricht sie sich für die Bahn aus. "Norwegen braucht einen neuen schnellen, effizienten, sicheren und emissionsfreien Verkehr zwischen Nord und Süd. Die Eisenbahn im Norden ist die Antwort und die Tromsbanen (Ofotbanen-Erweiterung nach Tromsø) ist der einfachste Teil davon", sagt Irene Dahl, 2. Kandidatin der Troms og Finnmark Venstre.

Der Bürgermeisterkandidat der Arbeiterpartei (Ap) in Tromsø, Gunnar Wilhelmsen, argumentierte Ende Juli energisch über die Notwendigkeit des Baus einer Eisenbahn im Norden. In einer viel gelesenen Chronik schreibt Wilhelmsen, dass die Region ein neues, gemeinsames Projekt braucht, "das für die kommenden Jahre die Region aufbauen und unsere Exporte und unsere Werte besser zugänglich machen kann".

Wie Wilhelmsen schreibt, werden sich die Exporte der Meeresfrüchteindustrie in den kommenden Jahren voraussichtlich vervielfachen. Dazu käme natürlich der Personenverkehr und der Tourismus - als umwelt- und erlebnisfreundliche Alternative zum Flugverkehr. Andere Lösungen, wie die Modernisierung und Verbesserung von Hafenanlagen und kleinen Flughäfen, können ebenfalls sowohl den Verkehrsbedarf der Region als auch die Umweltanforderungen der EU decken.

WKZ, GK, Quelle Jernbanedirektoratet, VG, Venstre

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