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Freitag, 02 August 2019 11:54

Österreich: Millimetergenauer Kraftakt für 2.000 t schwere ÖBB-Brücke

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Die Brücke vor und nach dem Einschub. Fotos ÖBB/Martin Kapferer.

Als Höhepunkt des Neubaus der Eisenbahnbrücke über den Vomperbach im Tiroler Unterinntal glitt das Tragwerk heute scheinbar mühelos an seinen Bestimmungsort. Der Einschub ist geglückt, die neue Brücke geht am 16. August in Betrieb.

Monatelang wurde im wahrsten Sinn des Wortes auf diesen Moment hingearbeitet – und hingefiebert. Der Einschub einer ganzen Eisenbahnbrücke ist jedes Mal wieder ein Erlebnis und eine Herausforderung für die beteiligten Ingenieure und Techniker. Die alte Vomperbachbrücke auf der oberirischen Bahnstrecke durch das Unterinntal hat nach rund 150 Jahren das Ende ihrer technischen Lebensdauer erreicht. Der Ersatz durch ein modernes Stahlbetonverbundtragwerk war unumgänglich. Seit September des Vorjahres laufen unmittelbar neben der Haltestelle Pill-Vomperbach die Arbeiten. Die neue Brücke mit einer Länge von rund 40 Metern und einer Breite von 16 Metern wurde direkt neben der Bahnstrecke aufgebaut. In ein Trogtragwerk aus Stahl wurde eine Fahrbahnplatte aus Beton gegossen. Allein dafür waren rund 2.000 m³ oder umgerechnet mehr als 330 Mischwagenladungen Beton notwendig. Die fertige Brücke hat ein Gesamtgewicht von 2.000 Tonnen, das entspricht dem Gewicht von 23 Taurus-Lokomotiven (86 Tonnen).

2.000 Tonnen gleiten über Teflonbahnen

Als Höhepunkt der Bauarbeiten wurde die neue Brücke am Donnerstag, 1. August 2019 in einem wahren Kraftakt erfolgreich in ihre endgültige Position gebracht. Davor mussten mit Beginn der Gesamtsperre der Strecke seit 27. Juli Gleise und Oberbau der alten Brücke abgebaut, das bestehende Tragwerk abgebrochen und die neuen Widerlager errichtet werden. Beim Einschub der Brücke wird diese mit Hilfe von hydraulischen Pressen und Stahlseilen bewegt (eigentlich gezogen). Das Tragwerk gleitet dabei über Teflonbahnen und legt bei jedem Hub ca. 26 Zentimeter zurück. Die ganze Aktion am Donnerstag dauerte 2,5 Stunden und verlief sehr zur Freude aller Beteiligten sogar rascher als geplant.

Streckensperre dauert bis 16. August

Mit dem Brückeneinschub ist wohl der spannendste Teil der Baustelle gut über die Bühne gegangen, das Ende der Arbeiten bedeutet er aber noch nicht. In der Zeit bis zum geplanten Ende der Streckensperre am 16. August müssen die Arbeiter noch Gleisbett, Schienen, Sicherungsanlage und Oberleitung wiederherstellen. Vor der endgültigen Freigabe muss die Brücke mit der Belastungsprobe durch mehrere Lokomotiven noch ihre Feuertaufe bestehen. In den Neubau der Vomperbachbrücke werden rund 8,5 Mio. Euro investiert. Die ÖBB haben für die Dauer der Sperre für die S-Bahnen einen Schienenersatzverkehr mit Bussen zwischen den Bahnhöfen Jenbach und Fritzens-Wattens eingerichtet. REX-Züge werden über die unterirdische Neubaustrecke umgeleitet und können daher die Halte in Schwaz und Fritzens-Wattens nicht bedienen. Die ÖBB haben dafür zusätzliche Zubringer- bzw. Abholerbusse nach Jenbach bzw. Hall in Tirol eingerichtet.

Pressemeldung ÖBB

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