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Dienstag, 06 August 2019 07:10

Großbritannien: Rollmaterialverleihfirmen verteilen hohe Gewinne über Steueroasen an Aktionäre

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Govia Thames Link class 700 und GWR class 802. Fotos Rüdiger Lüders.

Die in der Öffentlich wenig bekannten Leasingfirmen für Rollmaterial (ROSCOs) haben über Verbindungen zu Steueroasen in Luxemburg den Aktionären erstaunliche 1,2 Mrd. GBP (1,3 Mrd. Euro) ausgezahlt, wie eine Untersuchung der Gewerkschaft Rail, Maritime and Transport (RMT) ergeben hat.

Das britische Boulevardblatt Mirror fragt deshalb, woher diese riesigen Zahlungen kommen, da Millionen von Fahrgästen unter Verspätungen, Überbelegung und steigenden Bahntarifen leiden.

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Einnahmen der drei großen ROSCOs. Grafik RMT.

Untersuchungen der Gewerkschaft Rail, Maritime and Transport (RMT) unter dem Titel "The ROSCO racket: Why it's time to take control of UK rolling stock" haben ergeben, dass drei Unternehmen massive Dividenden an ihre Aktionäre zahlen und dazu Unternehmen mit Sitz im Steueroasenstaat Luxemburg nutzen. Zu den untersuchten Rolling-Stock-Companies (ROSCOs) und deren Finanzierungsgesellschaften gehören Porterbrook/Porterbrook Rail Finance, Angel Trains/Willow Rolling Stock und Eversholt/Eversholt Investment Security.

Die Unternehmen besitzen 87% des Rollmaterials der britischen Eisenbahnen und übernahmen nach der Privatisierung von British Rail im Jahr 1993 den Bestand von 11.250 Fahrzeugen, d. h. Vermögenswerte, die durch öffentliche Investitionen finanziert worden waren. Die RMT fordert, dass das rollende Material - zusammen mit dem übrigen Schienennetz - wieder in öffentliches Eigentum überführt wird und behauptet, dass über die ausgeschütteten Dividenden 700 neue Züge hätten finanziert werden können.

Zu den Bahngesellschaften, die von den großen ROSCOs in letzter Zeit und in größerem Umfang neue Züge bekommen bzw. angemietet haben, gehören (Aufstellung nicht vollständig):

Abellio Scotrail
70 EMU class 385 von Hitachi, finanziert durch Caledonian Rail Leasing;
Arriva Northern
58 Tz. class 195 von CAF, finanziert durch Eversholt und 43 EMU Class 331 von CAF, finanziert durch Eversholt;
Crossrail
70 x 9-car EMU class 345 von Bombardier, eigenfinanziert;
c2c
6 x 10-car EMU class 711 von Bombardier, Finanziert über Porterbrook;
Govia Thameslink
25 x 6-car EMU class 717 von Siemens, finanziert durch Rock Rail;
Greater Anglia
111 EMU class 710 von Bombardier, finanziert durch Angel Trains und 20 EMU class 745 + 38 BMU (bi-mode) class 755 von Stadler, finanziert durch Rock Rail;
Great Western Railway
14 x 9-car BMU class 802/1 von Hitachi, finanziert durch Eversholt;
LNER
23 BMU (bi-mode) class 800 + 42 EMU class 801 von Hitachi;
Trans Pennine Express
12 x 5-car EMU class 397 von CAT, finanziert durch Eversholt und 19 x 5-car BMU class 802/2 von Hitachi, finanziert durch Angel Trains;
Hull Trains
5 x 5-car BMU class 802/3 von Hitachi, finanziert durch Angel Trains;
South Western Railway
60 x 10-car + 30 x 5-car EMU von Bombardier, finanziert durch Rock Rail;

Eine detaillierte Studie über die ROSCO-Konten zeigt, dass die Unternehmen zwischen 2012 und 2018 1,2 Mrd. GPB an Dividenden an ihre Aktionäre gezahlt haben. Der Umsatz der ROSCO ist seit 2012 kontinuierlich gestiegen, von rund 800 Mio. GBP im Jahr 2012 auf rund 1,2 Mrd. GBP im Jahr 2017.

Mick Cash, RMT-Generalsekretär, sagte: "Diese Zahlen sollten ein Weckruf für den neuen Verkehrsminister Grant Shapps sein. ... Seit Jahren wissen wir, dass die Rolling-Stock-Companies es versäumt haben, neue Investitionen in Fahrzeuge für eine moderne Eisenbahn zu tätigen, so dass die Fahrgäste, die die höchsten Tarife in Europa zahlen, in ausgebuchten, überfüllten Zügen fahren können."

Ein Sprecher von Porterbrook entgegnete: "Porterbrook ist stolz darauf, in Großbritannien ansässig zu sein und britische Arbeiter zu unterstützen. Seit 1996 haben wir 3 Mrd. GBP in neue Züge investiert, die fast alle in Derby gebaut wurden. Wir geben auch jährlich mehr als 100 Mio. GBP für Lieferkettenunternehmen in ganz Großbritannien aus, einschließlich KMU, um unsere bestehenden Flotten zu warten und zu modernisieren."

Ein Sprecher der Rail Delivery Group, die die Bahnbetreiber und Network Rail vertritt, sagte: "Rekordinvestitionen des Privatsektors bedeuten, dass bis 2021 die Hälfte der nationalen Zugflotte durch neue ersetzt sein wird, wodurch die Überbelegung reduziert wird und Tausende von zusätzlichen Zügen pro Woche fahren können."

Rüdiger Lüders, WKZ, Quelle RMT, Mirror

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Letzte Änderung am Dienstag, 06 August 2019 07:34

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