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Dienstag, 06 August 2019 09:35

Großbritannien: Änderungen im Regelwerk führten zu gefährlicher Geschwindigkeitsüberschreitung

lner

Foto LNER-Überwachungskamera.

Am 19. Oktober 2018 um etwa 14:32 Uhr überquerte ein Personenzug der London North Eastern Railway in London einen Gleisabschnitt an der Anschlussstelle Sandy South Junction mit 195 km/h (121 mph), wo eine Geschwindigkeitsbeschränkung von 32 km/h (20 mph) bestand.

Die Notfallgeschwindigkeitsbeschränkung war dem Bericht der Rail Accident Investigation Branch (RAIB) zufolge am Vortag gegen 14:00 Uhr eingeführt worden, weil an einer Weiche der Gleisverzweigung ein Riss gefunden worden war.

Der Lokführer fühlte sich gesundheitlich nicht wohl und wollte bei sich verschlimmernden Symptomen Medikamente zu sich nehmen, die er in seiner Tasche aufbewahrte. Er griff nach dem Medikament, als sich der Zug der Warnsignalisierung näherte, die die Notfall-Geschwindigkeitsbeschränkung ankündigte. Als Folge des Unwohlseins und des Greifens nach seinen Medikamenten war er abgelenkt und reduzierte die Geschwindigkeit des Zuges nicht als Reaktion auf die akustischen und visuellen Warnungen, die er erhielt.

Dem Triebfahrzeugführer war vor Fahrtantritt nicht bekannt, dass es auf der Strecke eine Notfall-Geschwindigkeitsbeschränkung gab, obwohl Network Rail alle betroffenen Bahn- und Güterverkehrsunternehmen darüber informiert hatte. Die Kontrollzentrale der London North Eastern Railway gab diese Nachricht nicht an ihre Lokführer weiter, was damals der eingesetzten Regelung entsprach.

Seit Juni 2008 entfiel auf Antrag einer Güterbetriebsgesellschaft und einer Analyse durch das Rail Safety and Standards Board (RSSB) im Regelwerk der Eisenbahn die Verpflichtung, Lokführer von Güter- und Personenzügen über das Vorhandensein von Notfallsituationen zu informieren. Der zuständige Ausschuss kam damals zu dem Schluss, dass die streckenseitige Warneinrichtung eine ausreichende Benachrichtigung der Lokführer darstellt.

Die RAIB hat festgestellt, dass die Informationen, auf denen diese Schlussfolgerung beruht, nicht alle Faktoren abdeckten, die hätten berücksichtigt werden müssen, und dass die Art und Weise, wie die Eisenbahnindustrie mit der Änderung des Regelbuchs umgegangen ist, inkonsistent war.

Empfehlungen

Das RAIB hat fünf Empfehlungen ausgesprochen, von denen die erste an Bahn- und Güterverkehrsunternehmen gerichtet ist, um das Risiko zu minimieren, dass die Lokführer die Geschwindigkeitsbeschränkungen auf ihrer Strecke vor Fahrtantritt nicht kennen. Die zweite richtet sich an die Rail Delivery Group und Network Rail, um die verfügbaren Technologien zu prüfen, die den Lokführern zusätzliche Warnungen vor Geschwindigkeitsbeschränkungen geben. Die nächste, an Network Rail gerichtete Empfehlung ist die Prüfung der Konstruktion der Notfall-Geschwindigkeitsanzeige, um sicherzustellen, dass diese bei starker Sonneneinstrahlung und im Schatten so lange wie möglich auffällt. Der vierte richtet sich an die London North Eastern Railway, ihre Lokführer zu schulen, um deren Aufmerksamkeit auf die Dinge zu lenken, die vorübergehend etwas ihrer Aufmerksamkeit erfordern können. Die letzte Empfehlung ist an das RSSB gerichtet, um die Prozesse rund um die Streichung bestehender Regeln aus dem Regelwerk zu überprüfen und die Folgen solcher Änderungen zu überwachen.

WKZ, GK, Quelle RAIB

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