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Mittwoch, 07 August 2019 09:00

Italien: Güterverkehrsterminal in Südtirol rechnet sich nicht

Kürzlich wurde von Seiten des Landeshauptmanns die mögliche Einrichtung eines Güterverkehrsterminals in Branzoll angedacht. Das WIFO – Institut für Wirtschaftsforschung hat bereits im Jahr 2017 das Güterverkehrsaufkommen in Südtirol untersucht und festgestellt, dass das Potenzial für einen Güterverkehrsterminal im Land nicht gegeben ist.

Der WIFO - Bericht liefert einen Überblick über den Warenverkehr in Südtirol mit dem Fokus auf den Quell- und Zielverkehr zwischen Südtirol und anderen Gebieten Europas. Zudem wurden die Südtiroler Speditionsunternehmen zu ihren Einschätzungen zu einem Güterterminal befragt.

„Das Potenzial für einen eigenen Güterverkehrsterminal ist unter den derzeitigen Rahmenbedingungen in Südtirol nicht gegeben. Angesichts der zunehmenden Einschränkungen für den Warenverkehr auf der Straße ist es allerdings notwendig darüber zu diskutieren, wie der Warenaustausch für die Südtiroler Wirtschaft auch in Zukunft gewährleistet werden kann“, so Michl Ebner, Präsident der Handelskammer Bozen.

Der Quell- bzw. Zielverkehr von und nach Südtirol beträgt jeweils etwa 2.400 LKW-Fahrten pro Arbeitstag, wobei der Warenverkehr mit den italienischen Regionen etwa 60 Prozent und jener mit Regionen nördlich der Alpen etwa 40 Prozent beträgt. Rund 70 Prozent des Warenaustausches erfolgt mit Gebieten, die innerhalb eines Radius von 300 km Entfernung liegen. Einige der wenigen Ausnahmen für entferntere Gebiete mit einem erhöhten Warenaustausch mit Südtirol sind die Landkreise bzw. Kreisstädte Köln, Arnsberg und Hannover im Norden Deutschlands.

„Generell liegt das Potenzial für einen Güterterminal vor, wenn in Bezug auf den Gütertransport genügend Punkt-zu-Punkt Verbindungen mit einem ausreichenden Warenaufkommen in beide Richtungen vorhanden sind“, informiert Alfred Aberer, Generalsekretär der Handelskammer Bozen: „Der kombinierte Warentransport mit der Bahn gilt dabei ab einer Distanz von 300 km als wirtschaftlich sinnvoll und durchführbar. Zusätzlich benötigt ein solches Projekt die Akzeptanz der im Güterverkehr tätigen Unternehmen.“

Die Ergebnisse der Befragung unter Südtirols Speditionsunternehmen zeigen, dass über ein Viertel der Unternehmen die Bahn für den Gütertransport nutzen. Bei den Speditionsunternehmen mit 50 und mehr Beschäftigten sind es sogar zwei Drittel. Das Interesse an einem eigenen Güterterminal in Südtirol fällt jedoch verhalten aus: Nur ein Fünftel der Speditionsunternehmen würde die Leistungen eines Südtiroler Güterterminals in Anspruch nehmen. Bei Betrieben mit 50 und mehr Beschäftigten würde dies gar nur eines von zehn Unternehmen tun. Als möglichen Standort sprechen sich etwa zwei Drittel der Befürworter für den Raum Bozen oder südlicher aus, während ein Drittel der Befürworter eine nördlichere Variante im Wipptal oder Raum Brixen bevorzugen würden.

Aus den Ergebnissen lassen sich folgende Schlussfolgerungen ableiten:

In Südtirol erfolgt der Großteil des Warenaustausches mit umliegenden Regionen und nur ein relativ kleiner Teil mit Gebieten, die mehr als 300 km von Südtirol entfernt sind. Ein ausreichendes Warenaufkommen mit weiter entfernten Destinationen scheint in Südtirol demnach nicht gegeben zu sein. Zusätzlich sehen die Speditionsunternehmen des Landes einen Güterverkehrsterminal kritisch. Hinzu kommen unklare Präferenzen für einen möglichen Standort des Terminals.

Aufgrund dieser Überlegungen ist das Potenzial für einen eigenen Güterverkehrsterminal unter den derzeitigen Rahmenbedingungen in Südtirol nicht gegeben. Angesichts der zunehmenden Einschränkungen für den Warenverkehr auf der Straße ist es allerdings notwendig darüber zu diskutieren, wie der Warenaustausch für die Südtiroler Wirtschaft auch in Zukunft gewährleistet werden kann.

Pressemeldung Handels- Industrie- Handwerks und Landwirtschaftskammer Bozen

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