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Freitag, 09 August 2019 07:05

Polen: EU-Kommission leitet eingehende Untersuchung zur geplanten Übernahme von Lotos durch PKN Orlen ein

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Fotos PKN Orlen, Lotus.

Die Europäische Kommission wird die von PKN Orlen geplante Übernahme von Lotos einer eingehenden Prüfung nach der EU‑Fusionskontrollverordnung unterziehen. Die Kommission hat Bedenken, dass die Fusion zu weniger Wettbewerb auf dem Brennstoffmarkt und verwandten Märkten in Polen und einigen Nachbarländern führen könnte.

EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager erklärte hierzu: „Die geplante Übernahme von Lotos durch PKN Orlen würde mehrere strategisch wichtige Energiemärkte beeinträchtigen. Die Kommission wird untersuchen, ob dieses Vorhaben zu weniger Wettbewerb, weniger Auswahl und höheren Preisen für Brennstoffe und verwandte Produkte für Geschäftskunden und Endverbraucher in Polen und anderen Mitgliedstaaten führen würde.“

Bei PKN Orlen und Grupa Lotos („Lotos“) handelt es sich um zwei große integrierte polnische Öl- und Gasunternehmen. Beide Unternehmen sind vor allem in Polen, wo sie Eigentümer der beiden einzigen bestehenden Raffinerien sind, aber auch in mehreren mittel- und osteuropäischen Ländern sowie im Baltikum tätig.

• PKN Orlen ist ein integriertes polnisches Öl- und Gasunternehmen. Es besitzt eine der beiden Raffinerien in Polen sowie weitere Raffinerien in Litauen und der Tschechischen Republik. PKN Orlen ist auf den Groß- und Einzelhandelsmärkten für raffinierte Erdölprodukte in Polen, Österreich, der Tschechischen Republik, Estland, Lettland, Litauen, Deutschland und der Slowakei vertreten. Weitere Geschäftsbereiche sind die vorgelagerte Exploration, Erschließung und Förderung von Rohöl und Erdgas. Darüber hinaus ist PKN Orlen auf dem Markt für petrochemische Erzeugnisse tätig.

• Lotos ist ebenfalls ein integriertes polnisches Öl- und Gasunternehmen und Eigentümer der zweiten polnischen Raffinerie. Lotos ist auf den Groß- und Einzelhandelsmärkten für raffinierte Erdölprodukte vor allem in Polen, aber auch in der Tschechischen Republik, Estland, Lettland, Litauen und der Slowakei vertreten. Weitere Geschäftsbereiche sind wie im Falle von PKN Orlen die vorgelagerte Exploration, Erschließung und Förderung von Rohöl und Erdgas. Darüber hinaus ist Lotos auf dem Markt für petrochemische Erzeugnisse tätig.

Beide Unternehmen verfügen über eine breite Produktpalette und stehen auf allen Ebenen der Lieferkette in Konkurrenz zueinander. Gegenwärtig hat die Kommission Bedenken, dass der geplante Zusammenschluss den Wettbewerb auf mehreren Märkten, auf denen das entstehende Unternehmen tätig wäre, beeinträchtigen würde. In diesem Verfahrensstadium hat die Kommission Bedenken, dass das angemeldete Vorhaben weniger Auswahl und höheren Preisen für andere Unternehmen und die Verbraucher auf einer Reihe von Märkten, darunter der Tankstellen-Markt und der Kerosinmarkt, führen würde.

Wenn es zu einer Fusion kommt, werden am Ende vermutlich auch Lotos Kolej und Orlen KolTrans vereinigt werden.

Lotos Kolej So. z o.o. ist eine Tochtergesellschaft von Grupa LOTOS S.A., einer Holding mit Sitz in Danzig.

Orlen KolTrans Sp. z o.o. ist in gleicher Weise eine Tochter von PKN ORLEN S.A., der 1999 privatisierten CPN und Petrochemia Płock.

Da der Fusionsprozess (einschl. einem "Due Diligence- Verfahren usw.) bereits seit über einem Jahr läuft und die Zustimmung zur Fusion bereits im November 2018 bei der EU beantragt worden isr, scheint es jetzt zu einem Abschkuss zu kommen, wie die Pressemitteilung bestätigt.

Wenn es dann dazu kommt, werden am Ende vermutlich auch Lotos Kolej und Orlen KolTrans vereinigt werden.

Die Kommission wird die Auswirkungen des Vorhabens nun eingehend prüfen, um festzustellen, ob sich die wettbewerbsrechtlichen Bedenken bestätigen.

Das Vorhaben wurde am 3. Juli 2019 bei der Kommission zur Genehmigung angemeldet. Die Kommission muss nun innerhalb von 90 Arbeitstagen, also spätestens am 13. Dezember 2019, einen Beschluss erlassen. Das eingehende Prüfverfahren wird ergebnisoffen geführt.

Rüdiger Lüders, WKZ, Quelle EU-Kommission

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