english

Dienstag, 13 August 2019 07:05

Frankreich: Wird der Bahnübergangs-Unfall von Millas zum Justizskandal?

Am 14. Dezember 2017 wurden sechs Schüler bei einer Kollision zwischen einem TER und einem Schulbus auf einem Bahnübergang in Millas (Pyrénées-Orientales) getötet. Vierzehn weitere wurden verletzt. Seitdem streiten sich die Anwälte der Opfer und Busfahrerin um die Beeinflussung letzterer durch das Schlafmittel Zopiclon und die Untersuchungsstelle BEA-TT hat Empfehlungen zur Überprpfung der Absicherung von Bahnübergängen herausgebracht.

Am letzten Freitag (09.08.19) wurden die neuesten forensischen Berichte über den Unfall enthüllt: Die Schlaftablette, die die Busfahrerin einnahm, war nach den von RTL zitierten medizinischen Berichten nicht für den Unfall verantwortlich.

Der Anwalt der Fahrerin, Maître Jean Codognès, zeigte sich vom Ergebnis der Expertise erleichtert. "Sie hat es von Anfang an erklärt, und im Laufe der Untersuchung wurde klar, dass diese Frau ihre Angaben nicht erfunden hat. Es hat lange gedauert, aber ihre Aussagen wurden bestätigt."

Im Gegensatz sagte die Anwältin der Opfer der Kollision, Me Jehanne Collard, dass "diese Untersuchung zu einem Justizskandal wird". "Auf der einen Seite haben wir eine Busfahrerin, der seit sieben Jahren regelmäßig eine starke Schlaftablette, Zopiclon, einnimmt. Ein Labor, das vor einem längeren Gebrauch seines Medikaments warnt und sagt, dass Zopiclone mit dem Fahren unvereinbar ist. Auf der anderen Seite, Experten, die behaupten, dass das Medikament keinen Einfluss auf das Verhalten des Fahrers hat! Wie können die Familien der Opfer ihnen glauben? Wie können sie noch immer dem Ernst und der Strenge der Gerechtigkeit vertrauen?"

Auf der Infrastrukturseite erklärte das Bureau d'enquêtes sur les accidents de transport terrestre (BEA-TT) im Mai, dass das "wahrscheinlichste Szenario" für den tödlichen Unfall in Millas in den Pyrénées-Orientales darin besteht, dass die Busfahrerin nicht wahrgenommen hat, dass der Bahnübergang, der sich unmittelbar nach einer Kreuzung befindet, schließt. Aber dass die Barriere, verformt und mit Spuren von Stößen versehen, die mit dem Absinken der Schranke auf den Bus vereinbar sind, gut geschlossen und funktionsfähig war.

Die Analyse des BEA-TT ergab zwei Empfehlungen zu Nutzungsregeln und technischen Anforderungen zur Verbesserung der Wahrnehmung an Bahnübergängen:

Die Empfehlung R1 richtet sich an die Generaldirektion Infrastruktur, Verkehr und See (DGITM): In Abstimmung mit SNCF Reseau und der Delegation à la sécurité routiere (DSR) einen technischen Referenzrahmen zur Festlegung von Leistungsnormen und ein Verfahren zur Konformitätsbewertung von Bahnübergangsanlagen gemäß den Straßenverkehrsvorschriften über die Qualifikation von Straßenausrüstungen sowie Regeln für die Inbetriebnahme und Installation gemäß ihren Merkmalen und Umweltbedingungen festzulegen.

Die Empfehlung R2 richtet sich an SNCF Reseau: Studien zur Bereitstellung eines kontinuierlichen akustischen Warnsignals, von der Absenkung bis zur Anhebung der Barrieren, für alle Benutzer, die die Bahnübergänge benutzen. Als Teil der Entwicklungen autonomer Fahrzeuge, eine Studie über die Machbarkeit eines Warnhinweises vor der Schließung eines Bahnüberganges innerhalb der Fahrzeuge in Verbindung mit dem GPS-System und der On-Board-Kartierung.

WKZ, Franz A. Roski, Quelle BEA-TT, Denieres Nouvelles d_Alsace, Le Dauphine

Zurück

Nachrichten-Filter