
Der Tren de Soller ist eine 27 Kilometer lange Bahnstrecke die die Inselhauptstadt Palma de Mallorca mit dem Ort Soller an der Westküste verbindet. Die spektakuläre Strecke kreuzt das Tramuntana Gebirge mittels 13 Tunnelbauwerken und einem Viadukt. Der Scheiteltunnel ist 2876 Meter lang. In Soller schließt sich an die Strecke noch die Straßenbahn zum Hafen von Soller an. Beide Bahnen haben eine Spurweite von 914 mm und werden elektrisch betrieben.
Die Bahn ist eine der touristischen Hauptattraktionen von Mallorca und eine wahre Goldgrube. So gibt es im Bahnhof Soller eine Ausstellung mit Werken der Künstler Joan Miro und Pablo Picasso die zum Umfeld der Bahn gehört. Die 200 Aktionäre der Bahn stammen so weit bekannt aus Soller und Umgebung.
Wie verschiedene mallorquinische Medien heute berichten, will nun eine spanisch-mallorquinische Investorengruppe den insgesamt rund 200 Anteilseignern 147 EURO pro Aktie zahlen. Das ist das Dreifache des derzeitigen Wertes. Insgesamt 25 Millionen EURO.
Die Investorengruppe will verschiedene Investitionen tätigen, so sollen dann künftig Online-Buchungen möglich sein. Weiter will man das Zugangebot ausbauen. Auch will man wieder Mallorquiner in die Züge holen.
Ich kenne die Bahn schon viele Jahre. Der Preis von von 25 Millionen EURO wäre für die Investoren sicherlich ein Schnäppchen, zumal die Konzession 2011 um 50 Jahre verlängert wurde. Die heutigen Bahnbetreiber haben sich nie für die Fahrgäste ihrer Bahn interessiert. Ziel war und ist immer der möglichst reibungslose Transport nach einem Fahrplan aus den 1970er Jahren.
Obwohl die Besucher aus Deutschland die Bahn ab den 1960er Jahren geretttet haben und den Hauptteil der Kundschaft darstellen, gibt es noch nicht einmal mehrsprachige Seiten in den sozialen Medien. Themenfahrten, Fotozüge oder Besichtigungen des Bahnbetriebswerkes sind völlig unbekannt. Dafür gibt es aber Kunstausstellungen mit den gekauften Werken.
Leider haben Vertreter aus dem Umfeld der Bahn es geschickt verstanden auf die örtliche Politik einzuwirken, dass andere touristische Bahnprojekte auf Mallorca keine Mittel aus öffentlichen Töpfen bekommen haben und nicht an den Start gehen konnten. Das wäre ja Konkurrenz gewesen. Eine aus dem Baskenland stammenden Krokodil-Elektrolok wurde deswegen auch verschrottet.
Wie die Investoren die Frequenz der Bahn steigern wollen ist mir unklar, da die Strecke kaum weitere Kapazität hat und auch die Zahl der 1927 gebauten Triebwagen begrenzt ist.
Meine Meinung sollte für den Schnäppchenpreis von 25 Millionen EURO die Regierung der Balearen die Bahn aus Mitteln der Tourismussteuer kaufen. Dann wäre auch eine sinnvolle Integration der Strecke in den öffentlichen Schienenpersonennahverkehr auf Mallorca möglich.
Text und Foto: Joerg Seidel