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Mittwoch, 21 August 2019 13:40

Schweiz: SUST gibt zwei Sicherheitsempfehlungen für EW-IV-Wagen

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EW-IV-Wagen. Fotos SBB/Gian Vaitl, SUST.

Die Schweizerische Sicherheitsuntersuchungsstelle SUST hat heute (21.08.19) ihren Zwischenbericht zum tödlichen Zugunfall in Baden am 4. August veröffentlicht, als ein Zugbegleiter bei der Abfertigung in der Türe eingeklemmt und zu Tode geschleift worden war. Eine erste Untersuchung zeigt, dass beim SBB-Wagen zwei Fehlfunktionen bestehen. Nun muss das Bundesamt für Verkehr entscheiden, ob die betroffenen Einheitswagen IV weiterfahren können. Die SBB halten die Wagen für sicher.

Am Sonntag, 4. August 2019 gegen 00:10 Uhr wurde der Zugchef des Interregiozuges IR 1893 bei der Abfahrt aus dem Bahnhof Baden beim Türschliessvorgang in einer Türe eingeklemmt und mitgeschleift. Dabei zog er sich tödliche Verletzungen zu. Die Abfertigung des Zuges erfolgte auf Gleis 2 im Bahnhof Baden.

Nachdem der Fahrgastwechsel abgeschlossen war, erteilte der Zugchef per SMS den Abfahrbefehl an den Lokführer. Mit dem Vierkantschlüssel betätigte er an der Türe 4 des fünftletzten Wagens den UIC-Schliessbefehl für die Türen am Zug. Um den Schliessvorgang zu überwachen, bleibt die Türe, bei der der Befehl erfolgt, offen. Diese Türe muss durch Drücken eines separaten Tasters nachträglich vom Zugchef geschlossen werden. Der Zugchef wurde während des Türschliessungsprozesses durch die Türe 4 eingeklemmt.

Der Einheitswagen (EW) IV ist mit pneumatisch betätigten, einflügeligen Schwenkschiebetüren ausgestattet. Die Verriegelung erfolgt rein mechanisch über ein zweistufiges Verriegelungssystem. Bereits bei der Vorverriegelung wird die Grünschlaufe überbrückt und dadurch dem Lokführer die Türe als geschlossen anzeigt.

Beim Einklemmschutz wurden zwei Fehlfunktionen festgestellt. Die lose Verbindung beim Druckwellenschalter der Türe hatte zur Folge, dass die Schliesskraft der Türe nicht abgebaut wurde, wenn sie auf ein Hindernis traf. Der Einklemmschutz war somit nicht wirksam. Der Sensor «Türe zu 98 % geschlossen» soll systembedingt die Einklemmschutzfunktion kurz vor den Endschliessung der Türe deaktivieren. Da dieser Sensor nicht immer an der gleichen Position anspricht, kann der Einklemmschutz seine vorgesehene Funktion nicht sicherstellen. Daher ist es nicht auszuschliessen, dass der Einklemmschutz nicht kurz vor der Endschliessung der Türe deaktiviert wird, sondern schon früher.

Der Bericht stellt zwei Sicherheitsdefiziete mit Empfehlungen fest:

Sicherheitsdefizit 1: Das pneumatische Einklemmschutzsystem muss systembedingt kurz vor dem Abschlussvorgang ausgeschaltet werden. Der zuverlässige Schaltpunkt des Sensors «Türe zu 98 % geschlossen», der das pneumatische Einklemmschutzsystem deaktiviert, ist nicht gewährleistet. Daher kann die Einklemmschutzfunktion, entgegen seiner Vorgabe, vor der 98 % der Türschliessung nicht mehr garantiert werden.

Sicherheitsempfehlung Nr. 141: Die SUST empfiehlt dem BAV, den Fahrzeughalter aufzufordern, das heutige System für die Inaktivschaltung des Einklemmschutzes auf dem EW IV durch ein zuverlässiges System zu ersetzen.

Sicherheitsdefizit 2: In die Türen eingeklemmte Personen oder Gegenstände müssen mit hoher Sicherheit festgestellt werden. Das heutige System der EW IV mit der Parallelschaltung von zwei Türendschaltern erfüllt diese Anforderung nicht. Die Tür kann dem Lokführer als geschlossen gemeldet werden, obwohl diese nicht ganz verschlossen ist. Dies führt zu Unsicherheit beim Lokpersonal und kann zu Unfällen führen.

Sicherheitsempfehlung Nr. 142: Die SUST empfiehlt dem BAV, den Fahrzeughalter aufzufordern, das Türendschaltersystem der EW IV so anpassen zu lassen, dass die rote Kontrolllampe dem Lokführer den korrekten Zustand der Türen anzeigt.

WKZ, Quelle SUST

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Letzte Änderung am Mittwoch, 21 August 2019 13:50

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