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Donnerstag, 22 August 2019 07:05

Frankreich: EPSF-Bericht über verzögerte Wartungsarbeiten füllt das Sommerloch

Sechs Jahre nach der Entgleisung eines Zuges in Brétigny-sur-Orge (Essonne), bei dem sieben Menschen getötet und Dutzende verletzt wurden, und fünf Jahre nach der Kollision zwischen einem TER und einem TGV, bei dem etwa dreißig Menschen in Denguin (Pyrénées-Atlantiques) verletzt wurden, hat ein von der Zeitung Le Parisien veröffentlichter Bericht der Sicherheitsbehörde EPSF Frankreich in die Aufregung der Sommerpause versetzt und Wartungsdefizite von SNCF Réseau offenbart.

Zwischen dem 29. April und dem 23. Mai 2019 führten zehn Ermittler des Etablissement public de sécurité ferroviaire (EPSF) einen Monat lang neun Kontrollmaßnahmen in Regionen entlang des Atlantiks (Bretagne, Pays de la Loire, Centre-Val de Loire, Nouvelle-Aquitaine und Occitanie) durch. Das sind rund 14.000 km Eisenbahnstrecken, auf denen sie die Instandhaltung und die elektrische Signaltechnik überprüften.

Das Ergebnis ist ein 96-seitiger Bericht, den Le Parisien konsultieren konnte, in dem das EPSF feststellt, dass "eine große Lücke in der Kontrolle des Prozesses zur Instandhaltung der Infrastruktur besteht". So seien bei 413 von der SNCF identifizierten Signalanomalien 80 oder fast 20% außerhalb der gesetzlichen Fristen beseitigt worden. Das EPSF vermisst hierzu eine Risikoanalyse: "Es ist nicht möglich, die Garantie zu haben, dass die bei diesen Überwachungen festgestellten Anomalien tatsächlich behandelt wurden", schreiben die Autoren des Berichts.

Indem sie selbst Kontrollen entlang der Eisenbahn durchführten, entdeckten die Ermittler Dutzende von Anomalien, die in den Berichten der SNCF nicht erwähnt wurden und an Strecken, auf denen die offizielle Inspektionstour erst eine Woche zurück lag. Schienenverbindungen wurden mit losen oder fehlenden Schrauben entdeckt, die Empfehlung, Signalkästen vor Nagetierfraß zu schützen nicht befolgt. Dennoch stellt das EPSF im Vergleich zum Vorjahr "einige Anzeichen von Fortschritten" bei der Aufrechterhaltung der elektrischen Signaltechnik fest.

Die SNCF teilte auf Nachfrage mit, dass in den letzten vier Jahren bemerkenswerte Sicherheitsereignisse, d. h. solche, die die körperliche Unversehrtheit von Personen, die in der Nähe von Eisenbahnanlagen transportiert werden, gefährden, um 30% zurückgegangen sind. In drei Jahren haben sich die Schienenbrüche halbiert. Während der Hitzewelle hielt das französische Netz der Hitze besser stand als andere bekannte Netze wie das Schweizer Netz.

Die Ministerin für Verkehr und ökologischen Wandel, Èlisabeth Borne, musste darauf hin am Mittwoch, den 21. August, auf RTL den Inhalt des Berichts ins rechte Licht rücken. "Wenn es ein unmittelbares Sicherheitsproblem gab, könnte das EPSF die Strecke außer Betrieb nehmen, aber das tat es nicht", sagte sie und nannte "jahrzehntelange Unterinvestitionen in das Netzwerk" als Ursache. Die Investitionen in das Schienennetz werden deshalb in den kommenden Jahren auf 3,6 Mrd. Euro pro Jahr steigen, 50% mehr als in den letzten zehn Jahren.

Dieser Bericht zeige, "dass die SNCF sich reformieren muss, wobei der Erneuerung ihres Netzes besondere Aufmerksamkeit geschenkt wird", unterstützte wurde die Verkehrsministerin von der Regierungssprecherin Sibeth Ndiaye bei einer Pressekonferenz zur Ministerratssitzung am Mittwoch unterstützt, bei der Elisabeth Borne und Wirtschaftsminister Bruno Le Maire einen Gesetzentwurf zur Ratifizierung der Verordnung vom 3. Juni letzten Jahres über die Kapitalreorganisation der SNCF vorgelegt haben.

WKZ, Quelle Le Parisien, RTL

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Letzte Änderung am Donnerstag, 22 August 2019 07:14

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