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Mittwoch, 28 August 2019 11:41

Schweiz: Die Bahnkunden leiden und trotzdem gilt bei der Digitalisierung „the show must go on»

Die SBB sehen sich als digitalen Mobilitätsgott und Mobilitätslöserin der Nation. Neue Mobilitätsdienstleistungen werden laufend ins Leben gerufen, selbst dann noch, wenn der eigentliche Bahnbetrieb kriselt. Der tragische Tod des Zugbegleiters hat zu Tage geführt, wie es um die Sicherheit für Reisende und das Personal beim Zugseinstieg steht.

Das BAV hat am letzten Freitagnachmittag den SBB Massnahmen angeordnet, um Mängel an SBB-Zugstüren zu beheben und die Erkennung von Fehlern zu verbessern. Im Anschluss an die Medieninformation des BAV hat auch die SBB eine Medieninformation abgehalten. Um 15.45 Uhr hat die SBB dazu ihre Medienmitteilung verschickt.

Und just nur 15 Minuten später verschickte die SBB eine Medieneinladung, in der CEO Andreas Meyer die Medien für diese Woche einlädt, um über die neue digitale Mobilitätsplattform zu informieren, die die SBB zusammen mit dem Partnerunternehmen Axon Vibe entwickeln will, die verschiedene Verkehrsmittel miteinander kombinieren soll, egal ob Zug, Velo oder Auto. Die beiden Partner wollen eine intermodale, personalisierte und vor allem einfache Lösung für den Zugang einer umfassenden Mobilität anbieten. „The show must go on!“.

Uns beschäftigt:

1. Ist die SBB aktuell fit genug für die in den nächsten Jahren anstehenden grossen Herausforderungen beim Unterhalt, den Infrastrukturausbauten, dem damit einhergehenden Angebotsausbau und des Passagierwachstums?
2. Setzt die SBB angesichts der flächendeckenden Probleme die richtigen Prioritäten?
3. Entzieht dieses Projekt der SBB nicht an anderer Stelle dringend benötigte finanzielle Mittel, Manpower und Fachkompetenz?
4. Ist ein solches Projekt wirklich Aufgabe der SBB?

Natürlich braucht es ein solches Projekt. Aber dieser Alleingang der SBB ist aus unserer Sicht unsäglich. Hier muss unseres Erachtens der Bund in die Pflicht genommen werden. Das ist ein nationales Projekt.

Und noch zu guter Letzt. Der Kommunikationszeitpunkt war äusserst ungeschickt gewählt. Gerade noch vor wenigen Minuten ging es um die Sicherheit der Reisenden und des Personals und dem vorausgegangenen tragischen Todesfall eines SBB-Mitarbeiters.
Sollte dieses Projekt von den aktuellen Sicherheitsproblemen und Diskussionen über die nachlassende Qualität und Zuverlässigkeit der SBB ablenken? Oder wurde man schlicht einfach schlecht beraten?

Pro Bahn fordert die Verantwortlichen der SBB auf, sich vorerst auf ihre Kernaufgaben zu beschränken und sämtliche Projekte, die nicht unmittelbar für einen stabilen zuverlässigen Bahnbetrieb nötig sind, zu stoppen. Dadurch freiwerdende personelle und finanzielle Ressourcen sollen für den Bahnbetrieb eingesetzt werden. Auch das BAV nehmen wir in die Pflicht.

Pressemeldung Pro Bahn Schweiz

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