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Freitag, 30 August 2019 11:12

Schweiz: Swiss Combi AG übernimmt 35 Prozent der SBB Cargo AG

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Die Swiss Combi AG – bestehend aus den Logistikdienstleistern Planzer, Camion Transport, Galliker sowie Bertschi – übernimmt 35 Prozent der SBB Cargo AG und wird Partnerin des führenden Gütertransportunternehmens der Schweiz. Die geplante Partnerschaft stärkt die Verlagerung von der Strasse auf die Schiene und erhöht die Auslastung im System-Wagenladungsverkehr und im Kombinierten Verkehr nachhaltig.

Damit soll die Wettbewerbsfähigkeit der Bahn in der Logistikkette der Kunden weiter steigen und die Verkehrsträger werden nach ihren Stärken eingesetzt. Die Übernahme bedarf der Zustimmung durch die Wettbewerbsbehörden.

Die SBB hat mit der Swiss Combi AG eine Partnerin für die SBB Cargo AG gefunden, die vom Geschäftsmodell der Güterbahn überzeugt ist und sich für die gemeinsame Entwicklung des Güterverkehrs in der Schweiz einsetzen wird.
Die Swiss Combi AG besteht aus den Logistikdienstleistern Planzer Holding AG (40%), Camion Transport AG (40%), Bertschi AG (10%) und Galliker Holding AG (10%). Die Swiss Combi AG wird 35 Prozent der Aktien von «Schweizerische Bundesbahnen SBB Cargo AG», nachfolgend SBB Cargo AG genannt, übernehmen. Mehrheitsaktionärin bleibt die SBB AG mit einem Anteil von 65 Prozent. Durch die Minderheitsbeteiligungen wird die SBB Cargo AG nachhaltig gestärkt. Die Güterbahn wird weiterhin Dienstleistungen in der Logistikkette aller bisheriger Kunden erbringen; sie will neue Kunden gewinnen und die Auslastung erhöhen. Zuverlässigkeit und Effizienz sollen weiter verbessert werden.

Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart. Voraussetzung für den Einstieg ist die Genehmigung der Beteiligung durch die Wettbewerbsbehörden. Der Entscheid wird im ersten Quartal 2020 erwartet. Auf diesen Zeitpunkt hin wird SBB Cargo International AG aus der SBB Cargo AG herausgelöst und direkt der SBB AG unterstellt. Das internationale Geschäft war nicht Teil des Angebotes.

Verlagerung auf die Schiene wird gestärkt

Die an der Swiss Combi AG beteiligten Unternehmen wollen künftig mehr Mengen auf der Schiene transportieren statt auf der Strasse. Die Transporte für die Kunden werden dadurch klimafreundlicher und die Auslastung im System-Wagenladungsverkehr und im Kombinierten Verkehr erhöht. Damit steigt die Wettbewerbsfähigkeit der Bahn in der Logistikkette der Kunden und die Verkehrsträger werden nach ihren Stärken eingesetzt: Die Bahn für lange Distanzen zwischen Wirtschaftsräumen, die Strasse für die Feinverteilung zum Endkunden. Das Wissen der Partnerin im Transport- und Lagerlogistikbereich trägt dazu bei, weitere Potenziale z.B. im Bereich der Ver- und Entsorgung in dicht besiedelten Gebieten oder neuen Tor-zu-Tor-Logistiklösungen für die Kunden zu realisieren.

Kein zusätzlicher Stellenabbau

Die Partnerschaft hat keinen zusätzlichen Stellenabbau zur Folge. Wie am 1. März 2018 informiert, ist die SBB Cargo AG daran, das Unternehmen schlank aufzustellen: Dank vereinfachter Abläufe wird die Güterbahn künftig mit weniger Mitarbeitenden im Zentralbereich auskommen. Bei den Rangiermitarbeitenden werden die in den nächsten Jahren anstehende Pensionierungen durch Automation kompensiert, gleichzeitig werden die Berufsbilder weiterentwickelt. Der per Mai 2019 in Kraft getretene Gesamtarbeitsvertrag für die Mitarbeitenden der SBB Cargo AG läuft unverändert weiter.

Nils Planzer und Josef Jäger vertreten Swiss Combi AG im Verwaltungsrat, Eric Grob wird externer Verwaltungsrat

Seit Anfang 2019 wird die Güterbahn als eigenständige SBB Konzerngesellschaft über den Verwaltungsrat des Teilkonzerns Cargo Schweiz geführt; dies ist Voraussetzung für den Eintritt der Partnerin. Nach erfolgreicher Prüfung durch die Wettbewerbskommission wird der Verwaltungsrat der SBB Cargo AG aus maximal sieben Mitgliedern bestehen. Davon stellt die SBB AG zwei Vertreter und hat die Möglichkeit, bis zu vier Mitglieder zu bestimmen. Bis zur Generalversammlung im zweiten Quartal 2020 sind es SBB CEO Andreas Meyer als Verwaltungsratspräsident sowie CFO Christoph Hammer. Die Swiss Combi AG wird ebenfalls zwei Verwaltungsräte stellen, nämlich Nils Planzer sowie Josef Jäger. Dazu kommt per viertes Quartal 2019 Eric Grob als unabhängiger Verwaltungsrat: Eric Grob besitzt Beratungserfahrung aus der Transport- und Logistikindustrie. Zwischen 2008 und 2016 hat er als Partner beim Beratungsunternehmen McKinsey SBB Cargo im Rahmen von mehreren Projekten beraten. Weiter hat er diverse Mandate für andere Bahn- und Logistikunternehmen im europäischen Ausland geleitet.

Zitate

• Andreas Meyer, CEO SBB AG: «Nachdem Cargo die schwarzen Zahlen erreicht hatte, entstand vor fünf Jahren die Idee einer Partnerschaft nach dem Vorbild von SBB Cargo International. Mit dieser Kooperation sind nun wichtige Weichen für die nächste Etappe der Weiterentwicklung des Geschäfts von SBB Cargo Schweiz gestellt.»
• Nils Planzer, VRP Swiss Combi AG: «Wir sind sehr stolz, gemeinsam mit der SBB und unseren Partnern die Erfolgsgeschichte der Schweizer Güterbahn weiterzuführen und gemeinsam am Ziel der Wirtschaftlichkeit zu arbeiten. Dabei liegt uns auch die Förderung des Modal Splits (Anteil Transporte Strasse/Schiene) zugunsten der Schiene sehr am Herzen».
• Nicolas Perrin, CEO SBB Cargo AG: «Die geballte Logistikkompetenz der Partner wird den Schienengüterverkehr stärken und einen Beitrag zur Verlagerung von Gütern von der Strasse auf die Schiene leisten. Damit bleiben wir langfristig das stabile Rückgrat der Schweizer Wirtschaft mit innovativen, umweltfreundlichen und bezahlbaren Lösungen für unsere Kunden.»

SBB Cargo AG: Partnerstrategie

Der Eintritt der neuen Partnerin ist Abschluss eines von langer Hand geplanten Prozesses: Bereits 1999 war SBB Cargo in eine privatrechtliche Aktiengesellschaft umgewandelt worden mit dem Ziel, Joint Ventures mit Dritten eingehen zu können. Nach dem Scheitern der Partnerschaft mit Trenitalia entschied sich SBB Cargo 2003 für den Markteintritt in Deutschland und Italien im Alleingang. Sowohl die Expansionen auf der Nord-Süd-Achse als auch im Binnenverkehr führten aber zu Verlusten. In der Folge wurde der Binnenverkehr konsequent saniert. Das Transitgeschäft lagerte SBB Cargo im Jahr 2010 aus und gründete zusammen mit der Hupac (25%) im Jahr 2011 die SBB Cargo International AG. Damit wurde eine starke Schweizer Kooperation geschaffen, die sich auch über schwierige Phasen (Wirtschaftseinbruch, Frankenstärke) bewährte.

Die SBB Cargo AG schrieb 2013 erstmals seit 40 Jahren wieder schwarze Zahlen. Das Unternehmen weist heute einen klaren Track Record der Fokussierung und Stabilisierung aus und konnte 2018 mit positivem Ergebnis abschliessen. Staatliche Abgeltungen wurden von über 25 Mio. CHF im Jahr 2011 auf null per Anfang 2019 abgebaut. Trotzdem konnte SBB Cargo im ersten Halbjahr 2019 im Schweizer und im internationalen Geschäft ein ausgeglichenes Ergebnis erreichen. Die finanzielle Situation bleibt anspruchsvoll. Der Trend zu massgeschneiderten Logistikmodellen setzt sich fort, hier kann SBB Cargo insbesondere bei Projektlösungen wie dem Transport von Bauaushuben wachsen (Ganzzug: + 2% Umsatzwachstum vgl. Vorjahr). Gleichzeitig hat SBB Cargo im ersten Halbjahr sowohl im System- als auch im Einzel-Wagenladungsverkehr Mengen verloren (Umsatz -7% bzw. -5% vgl. Vorjahr). Denn die Nachfrage in den Branchen Stahl, Holz und Chemie ist tiefer ausgefallen, als ursprünglich mit den Kunden geplant.

Im Rahmen der Totalrevision des Gütertransportgesetzes (GüTG) 2015 regte die SBB an, SBB Cargo eigenständiger zu positionieren. Bundesrat und Parlament stimmten 2017 der Öffnung des Aktionariats für eine Minderheitsbeteiligung zu, die nun mit Eintritt der Partnerin umgesetzt wird. Ziel ist, die Wettbewerbsfähigkeit im Markt weiter zu erhöhen und sich auf das weitere Wachstum zu konzentrieren: Laut Bundesamt für Raumentwicklung ARE wird der Güterverkehr auf der Schiene gemessen an Tonnenkilometer in der Schweiz von 2010 bis 2040 um 44,7% wachsen. Das entspricht einer jährlichen Zunahme von 1,2%.

Pressemeldung SBB

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