english

Donnerstag, 05 September 2019 09:00

Frankreich: Die Nachfolgefrage für Guillaume Pepy drängt die Regierung

Nachdem Guillaume Pepy letzte Woche noch einmal bestätigte, dass er am 1. Januar 2020 nicht mehr im Amt sein werde, könnte die Ernennung des zukünftigen Chefs der SNCF etwa Mitte September erfolgen. Mehrere Kandidatenmöglichkeiten sind politisch im Gespräch, die Eisenbahnvertreter und Gewerkschaften fordern eine Entscheidung und sind in wartender Aufregung.

Am Ende des Sommers und im Vorfeld der endgültigen Entscheidung zählten die Zeitung Le Monde und die vertrauliche Fachzeitschrift La Lettre A zwei Optionen auf, die eines Einzelkandidaten und die einer "makronischen Aufteilung".

Die erste Option ist die Kandidatur von Patrick Jeantet, dem PDF von SNCF Réseau, der sich im Juli schon offiziell erklärte. Es wurde durch die von der Regierung ernannte Personalvermittlungsfirma, dem renommierten amerikanischen Headhunter Heidrick & Struggles, validiert. Als Industrieller, der sowohl für öffentliche als auch für private Gruppen gearbeitet hat und als Bahnexperte scheint Jeantet dem auch von den Gewerkschaften geforderten "Industrieprofil" recht gut zu entsprechen.

Die zweite Option, nämlich ein Tandem, das den Vorsitz der Gruppe von ihrer Generaldirektion trennt, erschien lange Zeit die Präferenz von Alexis Kohler, dem Generalsekretär des Elysée, zu sein. Dieses Duo, das von La Lettre A vorgestellt wurde, besteht aus Jean Castex, dem derzeitigen interministeriellen Delegierten für große Sportereignisse, als Präsidenten der SNCF und Rachel Picard als Generaldirektorin, derzeitig verantwortlich für den TGV und Fernverkehr, die nach Informationen von Le Monde auch kürzlich mit Herrn Kohler zusammentraf.

Diese Kombination konnte sich aber laut einer Meldung von La Lettre A von gestern (04.09.19) nicht durchsetzen, da sie mit der Gegnerschaft der Gewerkschaften UNSA und CGT Cheminots zu tun gehabt hätte. UNSA-Rail forderte die Regierung vor einer Woche auf, einen Kandidaten aus dem Eisenbahner-Kreis mit einem industriellen Profil zu bevorzugen.

Als neue zweite Option bringt La Lettre A deshalb eine neue Kandidatur ins Spiel: Jean-Pierre Farandou, den Vorsitzenden der Geschäftsführung von Keolis, der eine lange Eisenbahnkarriere hinter sich hat. Farandou entspricht deshalb auch den Vorstellungen der Arbeitnehmervertretungen für das Profil des zukünftigen Chefs.

Ab nächster Woche beginnen sowohl auf der Ebene der SNCF als auch auf der Ebene der Eisenbahnbranche die entscheidenden Verhandlungen über den sozialen Abschluss der Reform. "Die Situation der Nicht-Nominierung ist dabei ein Problem", sagt Laurent Brun, Generalsekretär der CGT-Cheminots, da es "keinen Piloten im Flugzeug gibt". Das Elysée und die Regierung wollen dem Ministerrat in der nächsten Woche ihre Lösung für die Nachfolge von Guillaume Pepy als Vorsitzender der SNCF offiziell mitteilen.

WKZ, Quelle Le Monde, La Lettre A

Zurück

Letzte Änderung am Donnerstag, 05 September 2019 09:03

Nachrichten-Filter