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Donnerstag, 05 September 2019 08:54

Österreich: Neue eObusse für die Salzburg AG und Betriebsaufnahme der Linie 5 nach Grödig

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Nach der Einstellung der südlichen Lokalbahnstrecke nach St. Leonhard am 1. November 1953 kehrt nach rund 66 Jahren der emissionsfreie elektrische Nahverkehr in die Gemeinde Grödig zurück. Nicht zuletzt aufgrund der aktuell zunehmenden klimatischen Veränderungen und der chronischen Verkehrsüberlastung im Großraum Salzburg sind das zwei folgenreiche Ereignisse, welche damals wie heute den Weg vorgeben sollen.

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Stand in den 1950er Jahren bei der Einstellung der Lokalbahnstrecke der motorisierte Individualverkehr im Vordergrund, so geht der Trend längst wieder zurück zum Ausbau des öffentlichen Verkehrs und Elektromobilität ist national und international dauerhaft Gesprächsstoff.

Die Notwendigkeit zur Erneuerung der Obusflotte der Salzburg AG für Energie, Verkehr und Telekommunikation und der langjährige Wunsch der Gemeinde Grödig nach einer schnellen, umsteigefreien Verbindung über die Berchtesgadener Straße ins Zentrum der Landeshauptstadt Salzburg bot eine einmalige Chance zur Umsetzung eines internationalen Vorzeigeprojekts, welches bereits im Vorfeld der Umsetzung den VCÖ-Mobilitätspreis 2018 erhielt. Neu und innovativ ist der Betrieb der Obuslinie 5 mit Obussen mit Traktionsbatterie (bei der Salzburg AG als eObus bezeichnet) über das bisherige Linienende an der Weidenstraße hinaus bis zum Busterminal an der Untersbergbahn in St. Leonhard. Die Ladung der Traktionsbatterien erfolgt dabei komplett während der Fahrt im bestehenden Fahrleitungsnetz, welches zur Bereitstellung von ausreichend Energie um eine Gleichrichterstation nahe des Kommunalfriedhofs ergänzt wird. Mit dieser Technologie gelingt es der Salzburg AG Innovation und Digitalisierung voranzutreiben und einen weiteren Schritt in Richtung gänzlich dekarbonisierten öffentlichen Verkehr zu setzen. Gleichzeitig ergänzt die Marktgemeinde Grödig die Verlängerung der Obuslinie 5 mit dem Verkehrskonzept "Grödig 2020", das Verkehrsberuhigung und vergünstigte Jahreskarten für den Öffentlichen Verkehr vorsieht. Das Ortszentrum soll fußgänger- und radfahrfreundlich umgestaltet werden.

Die Linienführung der neuen eObuslinie 5 folgt der Berchtesgadener Straße, der Eichetstraße (vorbei am Wasserkraftwerk Eichetmühle am Almkanal, welches übrigens ab 1908 eines Teil des Stroms für die elektrische Lokalbahnstrecke lieferte) und der Grödiger Hauptstraße ins Zentrum der Gemeinde. Die bestehenden Haltestellen der heutigen Autobuslinie 35 werden unterwegs bei Bedarf bedient. Die Haltestellen Grödig Marktplatz und Grödig Gemeindeamt stellen zentrale Umsteigehaltestellen zu den Autobuslinien 25, 28 und 35 dar. Über die Gartenauer Straße erreichen die eObusse der Linie 5 nach rund 4,2 Kilometern den Busterminal an der Talstation der Untersbergbahn.

Die Inbetriebnahme der Verlängerung erfolgt in zwei Stufen:
- ab 09.09.2019 Vorlaufbetrieb mit einem eObus, welcher täglich gemäß veröffentlichtem Fahrplan im 90'-Takt zwischen Hauptbahnhof (Fanny-von-Lehnert-Straße) und St. Leonhard Untersbergbahn pendelt;
- ab 14.10.2019 Vorlaufbetrieb zwei eObussen, welche täglich gemäß veröffentlichtem Fahrplan im 45'-Takt zwischen Hauptbahnhof (Fanny-von-Lehnert-Straße) und St. Leonhard Untersbergbahn pendeln;

Im Vorlaufbetrieb bis 14.12.2019 bleiben die bestehenden Fahrpläne der Linien 5 und 35 unberührt, die Fahrten nach Grödig finden zusätzlich statt. Ab internationalem Fahrplanwechsel am 15.12.2019 werden die Fahrten nach Grödig in den Fahrplan der Linie 5 integriert, damit verkehrt im Vollbetrieb an Werktagen jede zweite Fahrt weiter nach Grödig (damit 20'- bzw. 30'-Takt) und an Sonn- und Feiertagen jede Fahrt nach Grödig (damit 20'-Takt). Zusätzlich pendelt die Autobuslinie 35 auf direktem Weg zwischen Fürstenbrunn und Grödig (bzw. Rif), die Stichfahrten zur Birkensiedlung entfallen.

Zum Einsatz kommen werksneue Fahrzeuge des Typs BGT-N1D vom schweizer Hersteller Carrosserie HESS AG, welche nach einem EU-weiten Vergabeverfahren Ende 2018 bestellt wurden. Die Firma Hess besitzt langjährige Erfahrung im Fahrzeugbau und ist Vorreiter bei der Entwicklung und Produktion von Obussen. Beide Unternehmen verbinden die Interessen in Bezug auf Digitalisierung, Innovation und Dekarbonisierung des öffentlichen Verkehrs und beide Unternehmen stehen für hohe Qualität und Zuverlässigkeit.
Die neuen eObusse werden dank der gemäß Kraftfahrgesetz maximal möglichen Länge von 18,75 m und dem maximal höchstzulässigem Gesamtgewicht von 29.000 kg ("Elektromobilitätstonne" ermöglicht eine Überschreitung des bislang auf 28.000 kg begrenzten hzG) über 38 Sitz- und 117 Stehplätze verfügen. An Tür 2 werden zwei, nach neuesten Gesichtspunkten gestaltete Rollstuhlplätze zur Verfügung stehen und an Tür 3 erleichtert ein zusätzlicher Auffangraum den Fahrgastwechsel. Die von bestehenden Fahrzeugen gewohnte Heckplattform an Tür 4 bleibt erhalten. Für die optische Außeninformation sorgen künftig wieder eine größere Frontanzeige und erstmals allseitig RGB-färbige Liniensignets. Im Innenraum werden zwei TFT-Monitore Informationen zur Fahrt (Liniennummer, Linienziel, Folgehaltestellen inkl. Umsteigemöglichkeiten) und anlassbezogen Servicemeldungen zeigen.

Herzstück der Fahrzeuge ist aber das selbstlernende Energiemanagementsystem, welches den Fahrleitungsbetrieb gleichermaßen ermöglicht, wie den Betrieb mit der Traktionsbatterie. Die Hauptaufgabe des Energiemanagementsystems ist es, eine ideale Ladestrategie für die Traktionsbatterie zu definieren. Die gemessenen, bzw. geschätzten Daten werden in einer virtuellen "Streckenkarte" positionsbasiert abgespeichert. Bei allen Fahrten stehen die gesammelten Informationen für die Optimierung u.a. in Bezug auf die vorausschauende Nachladung, eine priorisierbare Glättung von Spitzenlasten im Netz, eine optimierte Steuerung von Heizung, Lüftung bzw. Klimatisierung und die Maximierung der Batterielebensdauer zur Verfügung. Die von der Berner Fachhochschule entwickelten Lebensdauer-Modelle für die Traktionsbatterien werden in der Optimierung genutzt um einen möglichst batterieentlastenden Betrieb zu gewährleisten.

Der erste eObus traf am 27.08.2019 in Salzburg ein. Bis zum 09.09.2019 finden Mess- und Schulungsfahrten statt.

Pressemeldung Salzburg AG

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