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Dienstag, 10 September 2019 07:10

Schweden: Eisenbahnverkehrsunternehmen sehen Flüsterbremsen als "systematisches Risiko"

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Flüsterbremse mit Komposit-belag. Foto Bengt Dahlberg.

Tågoperatörerna, der Branchenverband der schwedischen Eisenbahnverkehrsunternehmen, bezeichnet in seinem wöchentlich erscheinenden Rundbrief Flüsterbremsen als ein "systemisches Risiko" für den Güterverkehr. Anlass zur Klage waren Stimmen auf einem Forum in Almedal, die finanzielle Herausforderungen durch zunehmende Qualitätsanforderungen im Güterverkehr fürchten.

Im Schienengüterverkehr sehen die Eisenbahnverkehrsunternehmen finanzielle Herausforderungen im harten Wettbewerb mit dem Straßenverkehr. Dies sind neben den Flüsterbremsen und bordeigenen ERTMS-Systemen auch noch steigende Trassenpreise, die im Gegensatz zu politischen Bekenntnissen zur CO2-Reduktion stehen: Auf der einen Seite gibt es Zuschüsse für Güterverkehr auf der Schiene nach dem Gießkannenprinzig, so dass Massenguttransporte für Holz und Erz profitieren, der Wagenladungsverkehr und der KV haben das Nachsehen, auf der anderen Seite werden die Zuschüsse dann gleich wieder durch die Trassenpreiserhöhung aufgefressen.

Insbesondere steigende Kosten für die Umstellung auf leisere Güterwagen durch die EU-Verordnungen ab 2025 sind Realität. Dass die Forderungen nach leisen Güterwagen bereits 2021 - entgegen der EU-Gesetzgebung - in Deutschland und der Schweiz durchgesetzt werden sollen, ist für die Bedingungen der schwedischen Unternehmen nicht hilfreich.

Eine beim Wissenschaftsverlag Elsevier im April 2019 durch die Autoren Yezhe Lyu, Ellen Bergseth, JensWahlström und Ulf Olofsson vom KTH Royal Institute of Technology in Stockholm veröffentlichte Untersuchung der Temperaturabhängigkeit der Rauheit von Gusseisen-, Sinter- und Verbundbremsbelägen hat ergeben, dass bei Verbundmaterialien eine Abnahme der Reibung bei abnehmender Temperatur zu beobachten ist, während gusseiserne Bremsbeläge eine stabile Bremsfähigkeit unter verschiedenen Umgebungsbedingungen aufweisen.

Gerade im kalten Schweden ergeben sich daraus Probleme, mit Flüsterbremsen im Winterbetrieb sicher zu bremsen. Da das Bremsvermögen abnimmt, dies aber nicht vorhersehbar ist, muss eine generelle Verminderung der Geschwindigkeit stattfinden. Dadurch verringert sich die Leistungsfähigkeit der Bahnstrecken erheblich. Zudem muss unter Umständen alle fünf Minuten hart gebremst werden, um die Räder und Bremsklötze warm zu halten.

Die daraus resultierende Situation hat das Potenzial, die Kapazität des schwedischen Eisenbahnsystems erheblich zu verringern, wenn niedrigere Geschwindigkeiten im Güterverkehr zur "Lösung" des Problems der Flüsterbremsen werden.

Bengt Dahlberg, Werner Glaeseker, WKZ, Quelle Tågoperatörerna, Elsevier

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Letzte Änderung am Montag, 09 September 2019 17:07

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