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Donnerstag, 26 September 2019 12:56

Österreich: ÖBB und ASFINAG schließen Forschungsprojekt mit Drohnen erfolgreich ab

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Foto ÖBB/Christopher Seif.

Nach zwei Jahren der Forschung steht nun fest: Drohnen könnten in Zukunft bei diversen Maßnahmen einen wesentlichen Beitrag leisten und bei unterschiedlichen Aufgaben eine große Unterstützung sein.

Im gemeinsamen Forschungsprojekt RISKMON haben das BMVIT, die ÖBB und ASFINAG gemeinsam mit namhaften Experten wie BLADESCAPE, der BOKU und IQSOFT die unterschiedlichen Einsatzmöglichkeiten von Drohnen untersucht. Das Ziel: Unterstützung von oben bei Inspektionen von Bauwerken, Naturgefahren, Bestandsstrecken und außergewöhnlicher Ereignisse mittels unbemannter Luftfahrzeugsysteme (UAS).

Dohnenunterstützung zur Sicherheit- und Effizienzsteigerung
Gleisanlagen, aber auch Energienetzte führen in Österreich oftmals durch schwieriges Gelände. Felsen, Geröll, Lawinen oder Muren werden mit Netzen, Gittern und anderen Sicherheitsanlagen von den Strecken ferngehalten. Auch Brücken, wie zum Beispiel die 190 Meter hohe Europabrücke auf der A 13 Brennerautobahn, oder die Viadukte auf der Semmering-Bergstrecke, stellen die Expertinnen und Experten von ASFINAG und ÖBB vor große Herausforderungen. Die Überprüfung von Anlagen und Bauwerken ist für die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen beider Infrastruktur-Unternehmen eine besondere Aufgabe. Drohnen könnten künftig standardisiert bei einem Teil der notwendigen Inspektionen unterstützen. Aber auch bei Akut-Einsätzen wie Ereignissen in Tunnels oder im Freilandbereich können Drohnen aufschlussreiche Informationen bringen, und damit rascher für Menschenrettung oder freie Strecken sorgen.

Anwendungsmöglichkeiten von Drohnen
Die Projektpartner ÖBB-Infrastruktur AG und ASFINAG haben im Rahmen ihres gemeinsamen Drohnen-Forschungsprojektes die derzeit vielversprechendsten Anwendungen evaluiert und konkrete Anwendungsfälle ausgearbeitet. Vier zentrale Anwendungsbereiche ergeben sich daraus:

• Bauwerksinpektion: Brücken, Schutzverbauungen, Stütz- und Ankerwände, Gebäude, etc.
• Naturgefahren: Erfassung von Geländebewegungen und Schneeprofil sowie Lawinensprengung
• Außergewöhnliche Ereignisse: Unterstützung des Krisenmanagements bei Ereignissen, Unfällen und Schäden
• Streckenkontrolle: Erfassung von Veränderungen im Streckenbereich von Schiene und Autobahn

Erste Einsatzergebnisse zeigen ein positives Bild. Allerdings steht - trotz der technischen Entwicklungen und Leistungsfähigkeit, die Drohnen versprechen - der Einsatz von unbemannten Luftfahrzeugsystemen im Verkehrsinfrastruktur-Sektor noch weitgehend am Anfang. So zeigen die Ergebnisse aus dem Forschungsprojekt RISKMON neben rein technischen Anforderungen an die Erfassung und Analyse der Daten, dass es noch einer schrittweisen Implementierung grundlegender strategischer Entscheidungen und Investitionen bedarf.

DI Dr. Johann Pluy, Vorstand ÖBB Infrastruktur AG: "Immer mehr Menschen fahren mit der Bahn. Das ist eine erfreuliche Entwicklung, die uns gleichzeitig antreibt, immer besser zu werden. In diesem Zusammenhang entwickeln und forschen wir an Projekten wie RISKMON, die uns dabei helfen, unsere Arbeitsprozesse schneller und ressourcenschonender zu gestalten. Wir wollen vorrausschauend agieren, anstatt reagieren zu müssen. So können uns Drohnen beispielsweise einen guten und schnellen Überblick über die Lage im Naturgefahrenmanagement liefern. Wir treffen die entsprechenden Vorkehrungen dann idealweise bevor es überhaupt zu Verzögerungen kommen kann. Die ÖBB-Infrastruktur AG hat sich zum Hightechunternehmen entwickelt. Unsere Forschungsprojekte im Bereich der Digitalisierung und Automatisierung stellen jedoch immer die gleichen Überlegungen in den Mittelpunkt, nämlich die Bahn noch pünktlicher, noch umweltfreundlicher und sicherer zu machen."

Dr. Josef Fiala, Vorstandsdirektor ASFINAG: "Die ASFINAG bekennt sich ganz klar zum Einsatz von Innovationen. Dass das gelingt, stellen bereits viele umgesetzte derartige Maßnahmen unter Beweis. Für uns zählt immer der nachhaltig sinnvolle Einsatz neuer Technologien. Als rein nutzerfinanziertes Unternehmen sehen wir uns in der Verantwortung gegenüber unseren Kundinnen und Kunden. Jede Investition dahingehend ist daher mit einer profunden Basis zu belegen. RISKMON hat uns für den Einsatz von Drohnen eine sehr gute Basis geliefert. Mit den Ergebnissen aus diesem Forschungsprojekt wissen wir sehr genau, was wir ausschreiben müssen, um dieses innovative Arbeitswerkzeug in Zukunft sinnvoll einsetzen zu können."

Ohne den Menschen geht es auch in Zukunft nicht

Drohnen sind Hilfswerkzeuge. Sie können und sollen auch in Zukunft den Menschen nicht ersetzen. Wie beispielsweise Brückeninspektionsgeräte sollen sie vielmehr die Arbeit und den bisherigen Prozess der Bauwerks- und Anlagenprüfung durch die Expertinnen und Experten sowie die Erfassung von Naturgefahren unterstützen. Bevor beispielsweise ein Brückenmeister durch direkten Augenschein, Abklopfen und Begreifen den Zustand einer Brücke beurteilt, bietet ihm die Drohne vorab wichtige Erkenntnisse. Das menschliche "Ohr am Bauwerk", mit dem durch Abklopfen von Brückenbauwerken der genaue Zustand einer Brücke überprüft wird, kann allerdings nicht durch Drohnen ersetzt werden. Die Beurteilung des tatsächlichen Zustandes eines Bauwerkes kann daher in naher Zukunft nicht von unbemannten Luftfahrzeugen übernommen werden. Hier braucht es die Expertise der Fachfrauen und -männer.

Drohnen "sehen" was dem menschlichen Auge verborgen bleibt

Anders verhält es sich hingegen bei Drohneneinsätzen bei Ereignissen wie Unfällen, Bränden oder auch Naturereignissen. Beispielsweise können durch den Einsatz von fliegenden Wärmebildkameras bei Tunnelereignissen sehr rasch und unkompliziert Personen ausgemacht werden sowie das Ausmaß von Murenabgängen oder Verkehrsbehinderungen erfasst werden. Mit dem Einspielen solcher Informationen in die entsprechenden Überwachungszentralen eröffnen sich Chancen zur rascheren Menschenrettung und zur schnelleren Wiederherstellung der Streckenverfügbarkeit.

Kurzum stellt der Einsatz von unbemannten Luftfahrzeugen im Bereich der Verkehrsinfrastruktur ein vielversprechendes neues Arbeits-Tool dar. Der Weg dahin muss allerdings durch umfangreiche gesetzliche Regelungen und auch innerunternehmerische Strukturen in den kommenden Jahren noch ausgebaut werden. Das unternehmensinterne Management der Daten und deren Strukturen ist langfristig erfolgsentscheidend. Wesentliche Voraussetzungen für den operativen Erfolg ist eine einfache Benutzerführung und Standardisierung, welche die täglichen Arbeitsabläufe ohne Mehraufwand verbessert.

Diesen Weg in eine erfolgsträchtige "Drohnenzukunft" gehen sowohl die ASFINAG als auch die ÖBB - mit der Erkenntnis aus dem gemeinsamen Forschungsprojekt RISKMON.

Pressemeldung ÖBB

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