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Sonntag, 13 Oktober 2019 12:00

Norwegen: (Über-)Lebenskünstler Grakallbahn Trondheim

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Selten werden Bahnen in ihrer Geschichte so gebeutelt und selten gelingt es den Menschen rund um diese Bahnen immer wieder den sicheren Untergang zu verhindern. Ein leuchtendes Beispiel, dass das Überleben einer wichtigen Infrastruktureinrichtung gelingen kann ist die Grakallbahn(GB) im norwegischen Trondheim.

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Doch jetzt von Anfang an. 1901 erhielt die geschichtsträchtige Stadt Trondheim (heute ca. 196.000 EinwohnerInnen) ihre erste elektrische, meterspurige Straßenbahnlinie. Bald entstanden auch Ideen das Umland mit elektrischen Lokalbahnen zu erschließen - als erste und einzige wurde lediglich die Grakallbahn realisiert.

Bereits der Baubeginn bereitete Probleme und so dauerte es von 1917 bis 1924 ehe die erste Teilstrecke von Trondheim St.Olavsgate bis Ugla über den Betriebsmittelpunkt Munkvoll eröffnet wurde.Die eleganten, vierachsigen Überlandzüge nutzten zwischen Skansen und innerstädtischer Endstation die Gleisanlagen der städtischen Straßenbahn mit.

1933 wurde die Grakallbahn bis Lian verlängert und erreichte damit ihre heutige Ausdehnung. Sinn und Zweck der Bahn war und ist einerseits die Erschließung von hochwertigen Siedlungsgebieten und andererseits die Anbindung von Naherholungsgebieten an die Stadt. 1958 erreichte das meterspurige Straßen- und Lokalbahnnetz in Trondheim mit 24 km seine größte Ausdehnung. Es verkehrten 3 Straßenbahnlinien und die Grakallbahn.

Der Niedergang des stadtverträglichen Schienenverkehrs begann rund 10 Jahre später - 1968 wurde die erste Tram Linie auf Dieselbusbetrieb umgestellt. 1974 wurden stätische Straßenbahn und Grakallbahn fusioniert und die Strecke nach Lian als Teil der Straßenbahnlinie 1 betrieben. 1988 wurde die letzte Straßenbahnlinie (inkl. Grakallbahn) eingestellt - nicht jedoch ohne zuvor 1984/85 neue moderne Gelenktriebwagen zu beschaffen und 1984 in Munkvoll eine neue,moderne Remise zu errichten.

Nach der Einstellung versuchten Anrainer und Straßenbahnfreunde, zumindest die Grakallbahn als Museumsbahn - oder besser noch als Planbetrieb zu erhalten. Die moderne, neue Remise sollte geräumt werden, die erst 3 Jahre jungen Gelenktriebwagen dem Schrotthändler übergeben werden und der Bahnkörper war teilweise zur Busstraße umfunktioniert worden.

Mit enormen persönlichen Einsatz gelang es eine neue Gesellschaft "AS Grakallbanen" zu errichten und 1990 den Betrieb auf der Strecke zwischen Trondheim St. Olavsgate und Lian wieder aufzunehmen. Heute befindet sich die Bahn im Besitz des Infrastruktur-Konzerns Boreal Norge AS (Boreal Bane) und verkehrt täglich auf ihrer 8,8 km langen, landschaftlich attraktiven Strecke im 15 Minuten Takt als Linie 9 im Trondheimer Verkehrsverbund.

Es fehlt nicht an Versuchen die Grakalbahn von ihrer peripheren Endstation am Rande der Innenstadt ins historische Zentrum und/oder zum Hauptbahnhof und zum Hafen zu verlängern - bisher vergebens. Die Stadt setzt auf den 3 ehemaligen Straßenbahnlinien auf Doppelgelenk-Dieselbusse -aber mit der Grakallbahn ist für künftige Generationen eine Keimzelle für einen neuen Straßenbahnbetrieb vorhanden.

Erwähnenswert ist, dass sich die Grakallbahn mit ihren historischen Fahrten (ca. 300/Jahr) zu einem touristischen Magneten entwickelt hat. Die Fahrt ist insbesondere für die Gäste der Kreuzfahrtschiffe attraktiv und umfasst auch den Besuch des Straßenbahnmuseums in Munkvoll. Aktuell erfolgen umfangreiche Investitionen und Erhaltungsmaßnahmen bei der Infrastruktur, so dass am Weiterbestand der "Überlebenskünstlerin" Grakallbahn keine Zweifel bestehen.

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