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Donnerstag, 17 Oktober 2019 07:15

Großbritannien: Industrieverbände fordern, dass HS2 in ganzer Länge gebaut werden muss

Führende Vertreter der betroffenen sechs regionalen Industrieverbände England (CBI = Confederation of British Industry) haben nochmals ihre Unterstützung für die neue Hochgeschwindigkeitsstrecke HS2 (High Speed 2) bekräftigt und fordern, dass dieses Projektvollständig realisiert wird, d.h. dass die Strecke von London nach Mittel- und Nordengland in voller Länge gebaut wird.

hs2 phases map

Die Mitteilung der CBI kommt jetzt zu einer Zeit, während der die Entscheidung der Regierung erwartet wird, ob das Hochgeschwindigkeitsprojekt wegen der stark gestiegenen Kosten von ursprünglich 62 Mrd. GBP auf bereits über 88 Mrd. GBP (nach letzter Schätzung) teilweise oder ganz eingestellt werden soll.

Phase 1 von HS2 ist für Züge zwischen London und Birmingham geplant. Aktuelle Planungen beinhalten eine zweite Y-förmige Phase, die in zwei Abschnitte (siehe Karte) geteilt ist: Phase 2a von den West Midlands nach Crewe, gefolgt von Phase 2b von Crewe nach Manchester sowie von Birmingham durch die East Midlands nach Leeds.

Die Vertreter der Regionen Grossraum London, East Midlands, West Midlands, North East England, North West England sowie Yorkshire & Humber betonten, dass der Nutzen der neuen Strecke die Kosten um ein mehrfaches übersteigen würde.

Ein reduzierter Umfang des umstrittenen Projekts könne nicht die verbesserte Konnektivität im ganzen Land liefern, nach der die Unternehmen verlangen. "HS2 wird den lokalen und regionalen Körperschaften Vorteile bringen, die weit über die Kosten hinausgehen. Es wird eine halbe Million Arbeitsplätze schaffen, den Wohnungsbau entlang der Strecke fördern und dringend benötigte Investitionen in den Midlands, im Norden und darüber hinaus unterstützen."

Die führenden Politiker des Nordens haben auch einen Bericht veröffentlicht, in dem empfohlen wird, dass die Nordregionen und die Midlands die Kontrolle über die Pläne für ein Hochgeschwindigkeitsbahnnetz in ihren Gebieten übernehmen sollten.

Der unabhängige Bericht des sog. "Northern Powerhouse" fordert die Einrichtung eines Gremiums namens "HS2 North", das zu marktüblichen Bedingungen von der Regierung eingesetzt und von der Regionalbehörde "Transport for the North" beaufsichtigt werden sollte, um sicherzustellen, dass HS2 und Northern Powerhouse Rail effizient kombiniert werden.

Chris Oglesby, Hauptgeschäftsführer der in Manchester ansässigen Immobilienfirma Bruntwood und Mitglied des Gremiums, welches die Überprüfung beaufsichtigte, sagte: "Unser Überprüfungsgremium schlägt vor, dass die Nordregion und die Midlands die Kontrolle über das Hochgeschwindigkeitsnetz des Landes übernehmen müssen. HS2 und Northern Powerhouse Rail - eine der Prioritäten von Boris Johnson und seiner Regierung - sind vollständig miteinander verbunden; für beide und die Modernisierung bestehender Strecken ist ein gemeinsamer Ansatz erforderlich. Nur durch die Bereitstellung eines integrierten Hochgeschwindigkeitsnetzes im gesamten Norden kann eine Vision des Northern Powerhouse wirklich umgesetzt werden. Weitere Verzögerungen und Unsicherheiten schaden dem Norden und dem Land insgesamt enorm."

Eine Überprüfung, ob HS2 eingestellt bzw. nicht gebaut werden soll, wurde von Premierminister Boris Johnson im August eingeleitet und soll in Kürze abgeschlossen sein. Sie wird von Douglas Oakervee, einem ehemaligen Vorsitzenden der HS2 Ltd - der von Steuerzahlern finanzierten Firma, die die Eisenbahn baut - gemeinsam mit Lord Berkeley als seinem Stellvertreter geleitet. Jüngste von HS2 Ltd. zusammengestellte Zahlen zeigen, dass sich der Bau der Hochgeschwindigkeitsstrecke um bis zu sieben Jahre verzögern könnte und dann 26 Mrd. GBP über dem bisherigen Budget liegt, was somit Gesamtkosten von mindestens 88 Mrd. GBP ergeben könnte.

Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!, Quellen: BBC, ITV News, u.a.m.

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