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Dienstag, 22 Oktober 2019 10:03

Frankreich: Gewerbeaufsichtsbehörden untersagen TER-Betrieb ohne Zugbegleiter

Am Montag (21.10.19) erhielt die SNCF zwei Schreiben der Gewerbeaufsichtsbehörden des Elsass und der Champagne-Ardenne, in denen diese die Aussetzung aller TER-Züge empfahlen, die nur mit Triebfahrzeugführer aber ohne Zugbegleiter an Bord in diesen beiden Regionen fahren. Die beiden Schreiben waren die Folge lokaler Warnungen von Sozial- und Wirtschaftsausschüssen nach dem Unfall vom vergangenen Mittwoch (16.10.19) bei Charleville-Mézières (Ardennes).

Ein TER hatte einen Straßenkonvoi getroffen, der auf dem Bahnübergang festsaß. Bei der Kollision wurden 12 Personen verletzt, darunter der Triebfahrzeugführer, der allein an Bord war. Daraufhin hatten viele Eisenbahner am Wochenende ihr "Rückzugsrecht" (droit de retrait) ausgeübt, was zum Ausfall von Hunderten von Zügen und zu einem Chaos in den Bahnhöfen mitten am ersten Wochenende der Schulferien zu Allerheiligen führte. Die Legitimität dieses Widerrufsrechts wurde von der Regierung und dem Management der SNCF in Frage gestellt, die einen "illegalen Streik ohne Vorankündigung" verurteilt haben.

Die beiden Briefe der Arbeitsaufsichtsbehörden des Elsass und der Champagne-Ardenne scheinen jedoch die Position Eisenbahner zu stärken. Die Inspektoren bitten die SNCF, alle Züge, die unter EAS (Equipement agent seul, nur ein Agent an Bord) fahren, auszusetzen, bis das Management die dazugehörigen Risikorichtlinen (documents uniques d'évaluation des risques professionnels, DUER) überprüft hat.

Die im Elsass und in der Champagne-Ardenne geltenden DUER sind unvollständig, da sie bestimmte Sicherheitsmaßnahmen nicht erwähnen, die für den Betrieb von Zügen mit einem einzigen Agenten an Bord erforderlich sind.

Die betroffenen TER-Züge sind mit Kameras ausgestattet, um das Ein- und Aussteigen der Passagiere zu überwachen. Die Züge sind mit verstärkten Kabinen ausgestattet, um die körperliche Integrität des Fahrers zu schützen. Entsprechende Triebfahrzeugführer unterlaufen wegen ihrer hohen Belastbarkeit einer spezifischen Schulung.

Die Geschäftsleitung der SNCF weigert sich aber, die Züge nicht aussetzen. "Die Risiken sind gedeckt. Es gibt also keinen Grund, die Zugfahrt durch einen einzigen Agenten auszusetzen." Die SNCF beruft sich darauf, dass die Arbeitsaufsichtsbehörden keine einstweiligen Verfügungen, sondern lediglich Empfehlungen ausgesprochen haben, bis die Dokumente überarbeitet sind.

WKZ, Franz A Roski, Quelle Dernières Nouvelles d'Alsace

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