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Dienstag, 29 Oktober 2019 12:56

Österreich: Dialog zur Beschäftigung von Frauen im Eisenbahnsektor

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Foto  ÖBB/Wegscheider.

Die Eisenbahn beschäftigt in der EU mehr als eine Million Menschen. Und auch auf den nationalen Arbeitsmärkten sind die Eisenbahngesellschaften Big Player und bieten auf lokaler Ebene eine Vielzahl von Arbeitsplätzen. Die Bahnen stellen sich modern auf, dies bedeutet mehr Diversität und mehr Frauen. Auch die EU sieht hier großes Potenzial, mehr Frauen für die Bahn zu begeistern.

Im Juli dieses Jahres haben sich die europäischen Sozialpartner zusammengeschlossen, um Verhandlungen zu führen, den Frauenanteil im Eisenbahnsektor aktiv zu förden und ihnen eine bessere Repräsentation und Integration in dieser männerdominierten Welt zu bieten. Ein Leuchturmprojekt mit Vorbildwirkung! Denn nach 14 Jahren schließt sich damit ein ganzer Sektor zusammen - Wirtschaft und Gewerkschaft wollen am selben Strang ziehen. Die Verhandlungen starten bereits im Dezember dieses Jahres und sollen Ende 2020 abgeschlossen sein. In dieser Zeit wird es um Themen wie Gleichstellungspolitik, Erhöhung des Frauenanteils (auch in Führungspositionen) und Lohngleichheit zwischen Männern und Frauen gleichermaßen gehen, wie um Gesundheit, Sicherheit und die Würde am Arbeitsplatz.

Im Vorfeld haben die ÖBB gemeinsam mit der Gewerkschaft vida daher gestern zu einem europäischen Bahndialog geladen. Dabei wurde auf europäischer Ebene die aktuelle Situation sowie Maßnahmen zur Förderung der Beschäftigung von Frauen im Bahnwesen zu diskutiert.

Der Wandel im Eisenbahnsektor

Mit dem Hintergrund des Klimawandels ist zu erwarten, dass der Eisenbahnsektor eine immer größere Rolle in den kommenden Jahren spielt und einen enormen Beitrag zur Dekarbonisierung des Verkehrs leistet. Untersuchungen zeigen, dass Unternehmen mit einer ausgewogenen Belegschaft und einer integrativen Kultur sechsmal innovativer sind (Juliet Bourke and Bernadette Dillon, «The diversity and inclusion revolution, eight powerful truths», Deloitte Review January 2018). Um dieses Ziel zu erreichen, ist eine Verpflichtung auf allen Ebenen eine grundlegende Voraussetzung. Hinzu kommt: Um am Markt erfolgreich zu sein, muss man die Beürfnisse der Reisenden kennen. Bei der Entwicklung von Dienstleistungen spielen diese Bedürfnisse eine große Rolle - die Mehrzahl der Bahnreisenden sind Frauen.

Unternehmen können erfolgreich sein und einen zukünftigen Arbeitskräftemangel vermeiden, wenn sie junge Talente und Frauen einstellen, sie für ihr Unternehmen gewinnen und langfristig halten. Dabei stellen insbesondere der demografische Wandel und die zunehmende Digitalisierung den Bahnsektor vor spannende Herausforderungen und sind von hoher Relevanz.

Eine bereichsübergreifende Zusammenarbeit ist dabei zwingend nötig. Die Europäische Union braucht eine solidarische, demokratische und engagierte Gesellschaft, um eine erfolgreiche Zukunft zu gestalten - mit dem Ziel eines ausgewogeneren Geschlechterverhältnises und eines integrativen Verkehrssektors.

"Tackling the Challenge" - Dialog: Frauen im Eisenbahnsektor

Auf Basis dieser Entwicklungen haben sich die SozialpartnerInnen des Sektoralen Sozialen Dialogs Eisenbahen- die Gemeinschaft der Europäischen Eisenbahn- und Infrastrukturunternehmen (ArbeitgeberInnenvertretung) und die Europäische Transportarbeiterföderation (ArbeitnehmerInnenvertretung) - im Juli 2019 auf detaillierte Verhandlungen zu dem Thema geeinigt. Der offizielle Verhandlungsauftrag erging von rund 80 CEOs (CER Verband) im September 2019 an die Verhandlungsdelegation der Arbeitgeberseite. Gegenstand der Verhandlungen werden die Förderung der Beschäftigung von Frauen und eine bessere Repräsentation und Inklusion von Frauen im Eisenbahnsektor sein. Um dieses Thema breitgefächert zu beleuchten, luden die ÖBB und die Gewerkschaft vida gestern zu der Veranstaltung "Tackling the Challenge" - Dialog zur Beschäftigung von Frauen im Eisenbahnsektor. Hochkarätige VertreterInnen der Bahnbranche diskutierten, um ein gemeinsames positives Zukunftsbild zu schaffen.

Agreement auf europäischer Ebene

Nach mehr als einem Jahrzehnt gemeinsamer Arbeit findet das erste Mal wieder eine Verhandlung mit bindendem Charakter statt. Der Sektorale Soziale Dialog Eisenbahn gilt als Leuchtturmprojekt und starkes Signal für die Zusammenarbeit von Arbeitgeber- und ArbeitnehmerInnen. Der SSD haben bereits in der Vergangenheit ihre Fähigkeit unter Beweis gestellt, ehrgeizige Ergebnisse zu erzielen.

Der Verhandlungsauftakt war am 16. Oktober 2019. Der inhaltliche Rahmen wurde bereits in sechsmonatiger Vorarbeit gesteckt, die Verhandlungsdauer mit neun Monaten fixiert - der Fahrplan steht. Acht Themenfelder werden verhandelt:

• Allgemeine Massnahmen zur Gleichstellungspolitik.
• Quantitative Ziele zur Erhöhung des Frauenanteils in Führungspositionen wie z.B. im Verwaltungsrat.
• Wie können Frauen für die Organisationen (Unternehmen und Gewerkschaften) gewonnen werden.
• Vereinbarkeit von Beruf und Familie (Work-Life-Balance).
• Förderung und berufliche Entwicklung von Frauen.
• Lohngleichheit und Beseitigung des geschlechtsspezifischen Lohngefälles.
• Gesundheit und Sicherheit am Arbeitsplatz.
• Würde am Arbeitsplatz: Vorbeugung von sexueller Belästigung und Sexismus
• Mit dem Ausgang der Verhandlungen ist Ende 2020 zu rechnen

Pressemeldung ÖBB

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