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Mittwoch, 30 Oktober 2019 12:17

Frankreich: Zwei unangemeldete Streiks in einer Woche - das soziale Unwohlsein der SNCF

Bei der SNCF stimmt etwas nicht, stellt die Zeitung Le Parisien fest. Innerhalb einer Woche erlebte die Bahngesellschaft zwei soziale Bewegungen in beispielloser Form: die Anwendung des "Rückzugsrechts" (droit de retrait) nach einem Bü-Unfall und und einen unangekündigten Streik im Technikzentrum Châtillon (Hauts-de-Seine). Ohne Vorwarnung hörten die Eisenbahner auf zu arbeiten.

2004 wurde ein Rechtsrahmen geschaffen, der den sozialen Dialog zur Regel macht und den Streik als Ausnahme sieht. Außerhalb des rechtlichen Rahmens haben am 21. Oktober etwa 200 von 700 Eisenbahnern im Technikzentrum Châtillon ihre Arbeit eingestellt. Sie protestierten gegen die Kündigung einer mehrjährigen lokalen Vereinbarung, die ihnen 12 zusätzliche Ruhetage einräumte. Es folgten Forderungen und Gegenforderungen gegenüber dem Management, bis die Züge wegen mangelnder Wartung in den Werkstätten blockiert waren.

Wie ist es dazu gekommen? In den letzten Jahren wurden auf Kosten der 150.000 Eisenbahner große Reformen durchlaufen, so eine Reorganisation der Arbeit im Jahr 2016 oder die Bahnreform im Jahr 2018, die die SNCF am 1. Januar 2020 in eine Aktiengesellschaft umwandelt. Einige Tätigkeiten werden eliminiert, andere werden ausgelagert oder verändert, alles auf der Suche nach erhöhter Produktivität.

"Immer mehr Eisenbahner stellen die Nützlichkeit der Einhaltung des rechtlichen Rahmens einer sozialen Bewegung in Frage. Denn der Streik im vergangenen Jahr, mit mehr als 30 kumulierten Tagen, dem längsten in der Geschichte der SNCF, hat seine Spuren hinterlassen, er war nutzlos und es wurde nichts erreicht", sagt Laurent Brun, Generalsekretär der CGT-Cheminot.

Bei der SNCF befürchtet man, dass sich diese sozialen Bewegungen außerhalb eines rechtlichen Rahmens entwickeln werden. "Wenn wir anfangen, mit den Konfliktregeln zu spielen, werden alle verlieren", warnt ein Führungsmitglied der Direktion.

Auf RTL warnte der Präsident der Republik, Emmanuel Macron, am Montag: "Ich möchte diese Reform abschließen [....] Ich werde alles in meiner Macht Stehende tun, um einen nicht gestörten Betrieb sicherzustellen, aber ich werde keine Form von Schwäche zeigen."

Die Gewerkschaften stehen vor einem Dilemma, ob sie weiterkämpfen sollen mit der Gefahr des Auflaufens oder im anderen Fall unzufriedene Mitarbeiter zu verlieren. Auf jeden Fall hoffen alle, dass die Ankunft von Jean-Pierre Farandou am 1. November an der Spitze der SNCF nach mehr als elf Jahren Guillaume de Pepy die Menschen ein wenig beruhigen wird.

WKZ, Quelle Le Parisien

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Letzte Änderung am Mittwoch, 30 Oktober 2019 12:21

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