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Sonntag, 03 November 2019 12:00

Norwegen: Technisches Kleinod Thamshavnbahn

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Nur ca.70 km südlich der norwegischen Stadt Trondheim findet sich wohl eine der interessantesten, aber wohl unbekanntesten elektrischen Schmalspurbahnen Nordeuropas. Die sogenannte Thamshavnbahn verdankt ihre Entstehung dem Abbau von Schwefelkies in Lökken und der Notwendigkeit, dieses, auch für die Rüstung bedeutsame Produkt, zur Verschiffung nach Thamshavn zu bringen.

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1908 wurde die 25 km lange, mit 40%o Steigung sehr aufwendig trassierte Meterspurbahn eröffnet. Man wählte für diese Gebirgsbahn das damals bereits die elektrische Traktion, und das ist für das Eröffnungsjahr doch sehr bemerkenswert - die Wechselspannung von 6600 Volt bei 25 Hz. Erinnert sei dabei, dass in Mitteleuropa erste Versuche mit Wechselspannung erst ab 1903 bekannt sind, die Tiroler Stubaitalbahn 1904 mit 2500 Volt bei 50 Hz elektrifiziert wurde und 1905 die Versuchsbetriebe Seebach - Wettingen und Murnau - Oberammergau folgten.

Die Pionierleistung der Thamshavnbahn ist umso bemerkenswerter, als hier mit britischer Technik ein nachhaltiger Betrieb geschaffen wurde, welcher 110 Jahre (!!) problemlos seine Betriebstauglichkeit beweisen konnte. Immerhin ist die erste Fahrzeuggeneration auch nach mehr als 110 Jahren noch betriebsfähig.

Auf der 25 km langen Strecke überwindet die Bahn einen Höhenunterschied von 160 m und passiert drei Kreuzungsbahnhöfe. Geprägt war der Betrieb immer vom Güterverkehr, aber auch der Personenverkehr spielte von 1908 bis 1963 eine nicht unmaßgebliche Rolle.

Bekannt wurde die Thamshavnbahn unter den eher traurigen Umständen des 2. Weltkrieges als Bahn und Grube zu den umkämpftesten Einrichtungen ihrer Art in Nordeuropa zählten. Der gestiegene Verkehr durch die Bedürfnisse der Rüstungsproduktion führte auch zum Einsatz der beiden 1E1 Einheitslokomotiven der DRB 99 221 und 223, auf dieser Privatbahn. Die beiden mächtigen Lokomotiven verblieben nach Kriegsende bis 1953 noch im Dienst dieser Privatbahn.

1974 wurde der Abbau und Transport von Schwefelkies in Lökken aufgegeben, doch die Bahn blieb dank umfassender, lokaler Initiativen erhalten. Zwischen 1983 und 2006 konnte der größte Teil der Gesamtstrecke (von Lökken Verk bis Bardshaug - ca. 22 km) wieder in Betrieb genommen werden.

Die Bahn dient heute ausschließlich dem touristischen Verkehr und kann in den Sommermonaten genutzt werden. Im Endbahnhof Lökken Verk befinden sich nicht nur Remise und Werkstätten, sondern ein äußerst informatives Museum (Orkla Industrimuseum) zur Geschichte von Bergbau und Bahn. Diese höchst interessante Schmalspurbahn - heute die älteste, im Originalzustand erhaltene, elektrische Wechselstrombahn der Welt - ist problemlos von Trondheim per Linienbus erreichbar. Ein Besuch muss allen Freunden historischer E-Traktion schwerstens ans Herz gelegt werden.

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Letzte Änderung am Samstag, 02 November 2019 18:05

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