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Mittwoch, 13 November 2019 07:05

Großbritannien: HS2 wird trotz steigender Kosten und sinkendem Nutzen den Norden ankurbeln

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High-Speed-Bahnen in Großbritannien. Fotos Rüdiger Lüders.

Die britische Zeitung The Times hat gestern (12.11.2019) Einblicke in den Bericht des ehemaligen HS2-Vorsitzenden Douglas Oakervee zur Überprüfung von HS2 veröffentlicht. Das Dokument empfiehlt der Regierung, sich auf das gesamte Hochgeschwindigkeitsbahnnetz - das größte Infrastrukturprojekt Europas - zu verpflichten, obwohl das Projekt innerhalb des 2015 festgelegten Budgets von 56 Mrd. GBP "nicht bezahlbar" und der Nutzen für den Steuerzahler geringer als erwartet ist.

Die Regierung hatte im August dieses Jahres Douglas Oakervee, den ehemaligen HS2-Vorsitzenden, beauftragt, Kosten und Nutzen des HS2-Projekts zu untersuchen, um dann bis Ende des Jahres einen "Go or No-Go"-Entscheid fällen zu können. Der Bericht wurde den Mitgliedern des Überprüfungsausschusses am Donnerstag (07.11.2019) vorgelegt, als eine Stillhaltefrist vor den Neuwahlen eintrat (period of purdah), welche die Regierung daran hindert, Berichtsergebnisse zu veröffentlichen, die politisch sensibel sein könnten.

Der Bericht von Douglas Oakervee, dem ehemaligen HS2-Vorsitzenden, hat festgestellt, dass die Beschaffungsstrategie für die erste Phase von HS2 gescheitert sei und die Preise deutlich gesteigert werden müssen. Die Staatsausgaben des 2015 festgelegten Budgets von 56 Mrd. GBP (65 Mrd. EUR) seien "nicht bezahlbar". Auch die neue Schätzung von 88 Mrd. GBP (103 Mrd. EUR) muss voraussichtlich wieder nach oben korrigiert werden, heißt es im Bericht.

Weiter heisst es, dass die eskalierenden Kosten dazu führen, dass der Nutzen für die Steuerzahler von 2,30 GBP für jedes ausgegebene Pfund (GBP) auf 1,30 bis 1,50 GBP fallen wird.

Die Überprüfung hat jedoch auch ergeben, dass HS2 den Städten im Norden und in den Midlands mehr zugute kommen könnte als London, da die Verbindungen auf Intercity-Linien verbessert werden. Die Reisezeit von Leeds nach Birmingham würde mehr als halbiert, von etwa 2 h auf 45 min, und die Reisezeit von Newcastle nach Birmingham um 1 h auf 1 h 57 min verkürzt werden.

Es heißt auch, dass es keine "anwendungsbereiten" Alternativen an Investitionen gibt, die in das bestehende Netz getätigt werden könnten, um die dringend benötigte zusätzliche Bahnkapazität zu schaffen.

Der Bericht wird den Druck auf Boris Johnson erhöhen, zu entscheiden, ob eine konservative Regierung das Projekt weiterführen wird. Der Premierminister hat versucht, eine Entscheidung auf die Zeit nach den Parlamentswahlen zu verschieben.

Gegner von HS2 haben den Bericht als "Reinwascherei" bezeichnet, und Lord Berkeley (Labour), der stellvertretender Vorsitzender des Überprüfungsausschusses war, bereitet sogar einen abweichenden Bericht für die Verwaltung des Premierministers vor, hat The Times erfahren. Das Verkehrsministerium weigerte sich, Stellung zu nehmen.

WKZ, Rüdiger Lüders, GK, Quelle The Times

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Letzte Änderung am Dienstag, 12 November 2019 20:15

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