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Montag, 02 Dezember 2019 07:05

Frankreich: Die Eisenbahner an vorderster Front im Rentenstreik ab 5. Dezember

greve sud

Streikaufforderung von SUD Rail.

Ganz Paris blickt gespannt auf den 5. Dezember 2019, wenn zum Streik gegen die Rentenreform aufgerufen wird. Insbesondere die Eisenbahner der SNCF und RATP werden gegen den Wegfall spezieller Rentensysteme demonstrieren. Das sind 210.000 Angestellte, die täglich 11.400 Züge betreiben und 3,7 Millionen Passagiere pro Tag befördern. Ihre Fähigkeit, das Land zu blockieren, ist unübertroffen.

Mehrere Millionen öffentliche und private Mitarbeiter werden von den Gewerkschaften aufgefordert, die Arbeit am 5. Dezember einzustellen, um die Rentenreform anzuprangern. Viele Tätigkeitsbereiche werden einbezogen: Metro, Züge, Busse, Schulen, Müllabfuhr, etc.

Was steckt hinter der Reform? Sie ist ein Wahlversprechen von Emmanuel Macron: Umwandlung des Rentensystems, das sich derzeit auf 42 betriebliche Systeme erstreckt, zu einem universellen Punktesystem für alle. Jeder Euro Beitrag soll für alle die gleiche Rente geben. Das heißt, dass die Regeln für die Berechnung der Rente für alle gleich sind, mehr Einfachheit; mehr Verständlichkeit. Das gesetzliche Renteneintrittsalter wurde aber von 60 auf 62 Jahre verschoben, und die Beitragszeit für den Erhalt einer vollen Rente wurde verlängert.

Eisenbahner und RATP-Angestellte haben durch dier Rentenreform besondere Verluste zu erwarten. Das Pensionssystem der RATP wird einerseits großzügig vom Staat unterstützt, andererseits kann der Übertritt in den Ruhestand zu voller Pension bereits mit 50 Jahren (Fahr- und Stationspersonal) oder 55 Jahren (Werkstattpersonal) nach 25 Dienstjahren erfolgen. Die Rentenhöhe orientiert sich zudem am Gehalt der letzten sechs Arbeitsmonate und nicht der letzten 25 Arbeitsjahre wie im Privatsektor.

Die RATP-Gewerkschaften versprechen daher eine Mobilisierung "so stark" wie am 13. September, die Paris fast zum Stillstand gebracht hatte. Aber diesmal fordern sie einen "unbegrenzten" Streik. Der stellvertretende UNSA-RATP-Generalsekretär Laurent Djebali sagte gegenüber der Zeitung Le Parisien, er sei "bereit, bei Bedarf bis Weihnachten auszuharren". 

Die SNCF hat vorsorglich die Reservierungen für die Hauptstrecken zum 5., 6., 7. und 8. Dezember eingefroren, es wurden bereits mehr als 100 TGV storniert und Güterzüge in diesem Zeitraum abgesagt, was darauf hindeutet, dass mit einer starken Mobilisierung auf den Schaltzentralen zu rechnen ist. Die genaue Anzahl der Streikenden wird am Nachmittag des Dienstag, den 3. Dezember, bekannt gegeben.

Bei der Gewerkschaft SUD Rail heisst es: "Wir werden uns nicht damit zufrieden geben, die Abschaffung des Status um einige Monate zu verschieben oder die Sonderrente für einige von uns beizubehalten. Die Regierung greift alle Renten an, und es ist in der Tat eine Mobilisierung aller, die notwendig ist! Im Streik vom 5. Dezember und in den Generalversammlungen der Streikenden entscheiden wir über unsere Zukunft!"

Darüber hinaus fordern die Gewerkschaften CGT, FO und Solidaires einen unbefristeten Streik ab dem 5. Dezember im Nahverkehr von Personen und Gütern sowie für Geldtransporte. Ein Aufruf, der auch Krankenwagenfahrer, Umzugsunternehmen oder Taxis betrifft.

Doch nicht nur die einfachen Eisenbahner werden streiken, auch die Führungskräfte. Zwar hat die SNCF ihre Führungskräfte aufgefordert, während des Streiks als Schaffner tätig zu werden, aber nach Informationen der Zeitung Le Monde erwartet die SNCF, dass die Streikrate auch unter den Kadern groß sein wird. "Lokale Vorgesetzte und Führungskräfte befinden sich in einem latenten Konflikt mit ihren Vorgesetzten, insbesondere in Gehaltsfragen", heisst es.

An der Spitze der SNCF ist Jean-Pierre Farandou, seit etwa einem Monat neuer Präsident der SNCF-Gruppe, offenbar auf das Ausmaß des Unbehagens aufmerksam geworden. "Es gibt viel zu reorganisieren. Es geht schnell, vielleicht zu schnell", sagte er am Freitag, den 29. November, in einem Video, das sich an die Eisenbahner richtet. "Meine Entscheidung ist es, in der ersten Hälfte des nächsten Jahres eine Pause einzulegen, um den Wert von Reorganisationen und deren sozialen Auswirkungen zu bewerten."

WKZ, Quelle Le Monde, Le Parisien, Capital, NZZ

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Letzte Änderung am Montag, 02 Dezember 2019 07:17

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