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Montag, 03 Februar 2020 07:05

Spanien: AVE-Strecke Tarragona in Betrieb - drei weitere AVE-Strecken folgen dieses Jahr

tarrogona

Camp de Tarragona. Foto JPVL at Ferropedia/CC-BY-SA-30.

Adif hat am 13.01.2020 die zweigleisig ausgelegte AVE-Strecke zwischen Vandellós und dem neuen Bahnhof Camp de Tarragona in Betrieb genommen, ein 64 km langes Stück, das 700 Mio. EUR gekostet hat und als "Schlüssel" im Mittelmeerkorridor gilt.

Die Strecke verbindet den Mittelmeerkorridor am Bahnhof Camp de Tarragona mit der AVE-Linie Madrid - Barcelona - französische Grenze  und reduziert die Fahrzeit mit dem Zug zwischen Barcelona und Valencia um eine halbe Stunde. Die Strecke ist zweigleisig in iberischer Spurweite gebaut, aber für die Anpassung an die europäische Spurweite vorbereitet.

Die Strecke wurde ohne jegliche Feierlichkeiten in Betrieb genommen, da am gleichen Tag die Minister der neuen Zentralregierung unter Pedro Sánchez ihr Amt antraten.

Die neue Eisenbahnlinie Vandellòs - Tarragona ist die erste von vier Hochgeschwindigkeitsstrecken, die voraussichtlich in diesem Jahr in Betrieb genommen werden, darunter die AVE-Linien nach Galizien und Murcia und der Tunnel-Verbindung zwischen den Madrider Bahnhöfen Chamartín und Atocha.

Mit der Strecke festigt das spanische Hochgeschwindigkeitszugnetz seine Position als zweitgrößtes Hochgeschwindigkeitsnetz der Welt nach den Chinesen und als längstes in Europa. Das Netz wird in diesem Jahr voraussichtlich mit den oben genannten Neueröffnungen um insgesamt 300 Kilometer erweitert, was mit dem Eintritt neuer Betreiber zusammenfällt, die ab Dezember 2020 mit der Renfe in Konkurrenz treten werden.

Kritik an fehlender Nahverkehrsanbindung

Doch es gibt auch Kritik: Die neue Infrastruktur behebt zwar einen historischen Engpass und verkürzt die Reisezeiten, beseitigt jedoch gleichzeitig urbane Zwischenstopps. Die Benutzer der städtischen Bahnhöfe von Tarragona, Cambrils, Salou und Terres de l'Ebre werden vom Bahnverkehr abgehängt.

Der neue zweigleisige Abschnitt auf iberischer Spurweite wird leicht landeinwärts verlaufen, und folglich wurde der Bahnhof Salou an der alten Strecke mit 44 täglichen Nahverkehrszügen geschlossen. Der einzig verbleibende Bahnhof wird der zum Endbahnhof umfunktionierte Bahnhof Port Aventura sein, der ebenfalls von einer Reduzierung der Züge von 34 auf 18 betroffen ist. Der alte Bahnhof von Cambrils in der Innenstadt wird durch einen neuen am Rande gelegenen Bahnhof mit 25 Zügen pro Tag ersetzt.

Die neue Infrastruktur ist auch nicht mit der Stadt Tarragona verbunden, sondern mit dem AVE-Bahnhof Camp de Tarragona, der sich mitten im Nirgendwo nördlich der Stadt befindet. Der Bahnhof Tarragona wird 16 von 28 Fernverkehrshalten verlieren, darunter vier Euromed-Züge der Linie Barcelona - Valencia. Stattdessen wird ab dem 3. Februar eine neue Hochgeschwindigkeitsverbindung zwischen Tortosa und Barcelona mit Haltestellen in Aldea, Hospitalet de l'Infant, Cambrils und Camp de Tarragona eingeführt. Sie wird eine Stunde schneller sein als der aktuelle Dienst.

Die Vereinigung zur Förderung des öffentlichen Verkehrs (Promoció del Transport Públic, PTP) bringt es auf den Punkt: "Eine Investition in Höhe von mehreren Millionen EUR wurde fast so getätigt wie vor fünfzehn Jahren." Auch die Plattform Trens Dignes hält die Änderungen für unzureichend und hatte eine Protestkundgebung durchgeführt.

WKZ, Hans-Jürgen Schulz, Quelle Europapress, El Mundo, Ara, La Vanguardia

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