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Dienstag, 17 Oktober 2017 07:30

Frankreich: Jean-Cyril Spinetta offiziel beauftragt, das Eisenbahnsystem neu zu formulieren

Entsprechend der Ankündigung des Premierministers bei der Eröffnung der Nationalen Mobilitätskonferenzen am 19. September beauftragte die Regierung den ehemaligen Air-France-Manager Jean-Cyril Spinetta am 12.10.17 offiziell mit der Aufgabe, ein neues Modell für den Eisenbahnverkehr zu entwickeln. Während der Schienenverkehr eine zentrale Rolle im Reiseverkehr, in der Wirtschaft und in der Raumplanung spielt, gibt es inzwischen die Notwendigkeit nach großen Veränderungen im Modell.

"Die Regierung hat große Ambitionen für die Eisenbahn und will eine umfassende Strategie für den Sektor beschließen, um ihm seinen vollen Platz in der neuen Mobilitätspolitik zu geben", sagte Verkehrsministerin Elisabeth Borne. Dieser Konsultationsprozess mit allen Akteuren des Sektors soll es daher ermöglichen, eine umfassende Strategie für den Staat vorzubereiten, um das Eisenbahnverkehrsmodell im Rahmen eines dem Wettbewerb geöffneten Marktes wieder aufzubauen und gleichzeitig die Aufgaben eines effizienten öffentlichen Dienstes zu bewahren.

Die Mission wird an drei Hauptprojekten arbeiten:

• Festlegung einer Strategie für den Eisenbahnverkehr bis 2030: Welche Rolle soll der Schienenverkehr in der Mobilitätspolitik spielen, während gleichzeitig neue Herausforderungen entstanden sind (Macron-Busse, Fahrgemeinschaften, Staus in den Städten durch den Straßenverkehr,  Low-Cost-TGV)?

• Überdenken des Wirtschafts- und Finanzmodells des Eisenbahnsystems: Wie kann das Wirtschafts- und Finanzmodell der Eisenbahnen wiederaufgebaut werden, wenn 70 % der TGV-Linien defizitär sind und SNCF Réseau derzeit mit 45 Mrd. Euro verschuldet ist, was bis 2025 auf 65 Mrd. Euro ansteigen wird?

• Vorbereitung auf eine erfolgreiche Umsetzung der Öffnung für den Wettbewerb: Der europäische Fahrplan sieht vor, dass der TGV bis 2020 und die TER- und TET-Züge bis spätestens 2023 für den Wettbewerb geöffnet werden.

Diese Aufgaben werden in Absprache mit allen Interessengruppen des Eisenbahnsektors und insbesondere mit folgenden Akteuren durchgeführt: Vertreter von Fahrgästen und Unternehmen, Verkehrsbehörden, Gewerkschaften und Arbeitgeberverbänden des Sektors, Betreiber, Regulierungsbehörde Arafer, Parlamentarier.

Die Schlussfolgerungen und Vorschläge sind bis spätestens Januar 2018 vorzulegen. Diese Aufgabe ergänzt den laufenden Prozess der Nationalen Mobilitätskonferenzen (Assises nationales de la mobilité), der den Aufbau einer neuen Mobilitätspolitik und die Vorbereitung der zugehörigen Gesetze beinhalten wird und dessen Ergebnis Elisabeth Borne im ersten Halbjahr 2018 vorstellen will.

Arafer bietet Expertise an

Auch Bernard Roman, Präsident der Regulierungsbehörde Arafer, hat die Expertise der Arafer für die Nationalen Mobilitätskonferenzen und die Spinetta-Mission angeboten. Experten der Arafer nehmen an den Arbeitsgruppen "Mehr vernetzte Mobilität" und "Nachhaltigere Mobilität" teil. In den kommenden Wochen wird die Arafer zudem eine umfangreiche thematische Studie über die Öffnung des Schienenpersonenverkehrs für den Wettbewerb veröffentlichen.

Zur Person Jean-Cyril Spinetta

Wieso wurde gerade Jean-Cyril Spinetta ausgewählt, die Weichen für die Zukunft des französischen Eisenbahnsystems zu stellen? Der Name erstaunte die Welt der Eisenbahnen. Jean-Cyril Spinetta, der kürzlich an der Spitze des Aufsichtsrates des Kerntechnikunternehmens Areva stand und früher in der Luftfahrt bekannt war (Air France, Air France-KLM), hat sich seit dreißig Jahren nicht mehr mit den Problemen der Eisenbahnen oder der SNCF vertraut gemacht. Er selbst gibt es zu: Seine letzte Verantwortung in diesem Bereich geht auf die späten 80er Jahre zurück, als er das Kabinett von Michel Delebarre leitete, damals Verkehrsminister. Seitdem hat sich auf der Schiene und auch im Verkehrssektor aber insgesamt alles verändert.

Jean-Cyril Spinetta wurde von Verkehrsministerin Elisabeth Borne persönlich ausgewählt. "Sie war diejenige, die an mich dachte", sagte er am Montag (16.10.17) auf der Pressekonferenz mit der Ministerin. 

Jean-Cyril Spinetta hat nun drei Monate Zeitt, gemeinsam mit den Akteuren der Mobilitätskonferenzen eine Strategie und ein nachhaltiges Wirtschaftssystem zu entwickeln, das sich mit einem effizienten öffentlichen Dienst schrittweise für den Wettbewerb öffnet. Man kann nur hoffen, dass das Vertrauen der Ministerin in ihn gerechtfertigt ist.

WKZ, Quelle Regierung, Arafer, Figaro

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Letzte Änderung am Dienstag, 17 Oktober 2017 10:49

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