english

Mittwoch, 12 Februar 2020 12:00

Frankreich: Maginot-Linie Werk Simserhof - militärische Feldbahn

P1120990P1130007

Um der militärischen Bedrohung der späteren Achsenmächte etwas entgegen zu setzten errichtet Frankreich im Vorfeld des 2. Weltkrieges eine befestigte Verteidigungslinie von Belgien bis zum Mittelmeer - die sogenannte Maginot-Linie. Das Verteidigungskonzept auf einem Konzept von gigantischen Festungsbauwerken, Panzergräben und selbständigen Kampfständen mit hoher Feuerkraft.

P1130162P1130166

In diesen Kozepten spielten auch Schmalspurbahnen auf 600 mm Spur für Nachschub und Mannschaftstransport eine wesentliche Rolle. Da diese Bahnen überwiegend in Stollensystem verkehren sollten wurden diese elektrifiziert. Eine große Festung entstand am Simserhof nahe der Stadt Bitche in Lothringen. Zwischen 1930 und 1935 entsteht für den heutigen Geldwert von Euro 850 Millionen in 5 jähriger Bauzeit ein technisches Ungetüm welches allen Angriffen trotzen sollte.

Allein die Festung Simserhof verfügt über 1,7km unterirdische, elektrische Schmalspurbahn. Die Fahrleitungsspannung beträgt 600 Volt Gleichspannung. Der Fahrpark besteht aus 3 elektrischen Lokomotiven und 57 Loren. Die Höchstgeschwindigkeit beträgt 6 km/h.

Neben dem Hauptzweck den Munitionsnachschub sicher zu stellen - das Depot umfasste 33.600 Artilleriegeschosse - gehörte auch die Essenversorgung und Kontrollfahrten zu den Aufgaben der "Metro" wie sie von den Soldaten genannt wird. Der Strom für die Versorgung der Festung inkl. Eisenbahn wird in einem eigenen unterirdischen Kraftwerk erzeugt - dieses besteht aus 4 Sulzer-Dieselmotoren(265 PS mit sechs Zylindern) mit Generator. Der Treibstoffverbrauch der Kraftzentrale beträgt 66 Liter/Stunde!

Zur Versorgung der Festung wurde eine 26 km lange Schmalspurbahn, ebenfalls mit 600 mm Spurweite aber mit Diesel-Lokomotiven betrieben, zum SNCF Bahnhof Saint Luis les Bitche gebaut und 1940 in Betrieb genommen.

Ab 3. September 1939 befand sich auch die Festung Simserhof in Alarmzustand. Das Werk war mit 876 Mann besetzt - eine unterirdische Stadt mit Mannschafts- und Offiziersräumen, Speiseräumen, einem Krankenhaus, einem Gefängnis und was so ein militärischer Betrieb sonst noch braucht. Ab 12. Mai 1940 erreicht der schreckliche Krieg auch die Festung Simserhof. Die Festungen der Maginot Linie werden im Juni 1940 von allen Seiten bedrängt - allein vom 21.-25. Juni 1940 verschießt die Festung 13.500 Granaten. Dann der Waffenstillstand und die Übergabe an die Deutsche Wehrmacht.

Ende 1944 wieder im Kampfgetümmel - jetzt als Position der Deutschen Wehrmacht gegen die vorrückenden US-Amerikaner. Nach 1945 werden die Schäden an der Festung beseitigt und ab 1951 ist das Festungswerk wieder einsatzfähig.

Erst 1964 - mit dem Aufstieg Frankreichs zur Atommacht wird die Maginot Linie als militärische Einrichtung aufgegeben.

Seit 2002 kann die Festung Simserhof als mahnendes Bauwerk gegen den Hass zwischen Nachbarvölkern besichtigt werden. Die Schmalspurbahn innerhalb der Festung ist bis heute betriebsfähig geblieben und dient heute Erhaltungsarbeiten. In anderen, touristisch genutzten Festungsbauwerken der Maginot Linie werden die Bahnen auch zur Beförderung der Besucher genutzt.

Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!, Fotos 16.07.2019

Zurück

Letzte Änderung am Sonntag, 09 Februar 2020 18:15

Nachrichten-Filter