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Dienstag, 11 Februar 2020 13:23

Italien: Unfallermittlung gegen Rfi und Weichenarbeiter

In der Untersuchung zur Unfallursache der Entgleisung der Frecciarossa AV9595 Milano - Salerno am Donnerstag, den 6. Februar in Ospedaletto Lodigiano ist nun auch der italienische Netzverwalter Rete ferroviaria italiana (Rfi) von der Staatsanwaltschaft auf der Grundlage des Gesetzes 231 von 2001, das die Haftung von Unternehmen für von Mitarbeitern begangene Straftaten regelt, in das Verdächtigenregister eingetragen worden.

In dem Verfahren wegen Totschlags, Mehrfachverletzungen und einer Eisenbahnkatastrophe wird außerdem die Beteiligung von fünf Wartungstechnikern von Rfi untersucht: vier Arbeiter und ein Vorarbeiter. Es handelt sich um das Personal, das in der Nacht vor dem Unfall an der Weiche "05" gearbeitet hatte, die die Ermittler als "geöffnet zu einem toten Gleis" befunden hatten und die die Entgleisung des mit 290 km/h fahrenden Zuges ausgelöst hätte.

Seit den ersten Stunden haben die Ermittler ihre Aufmerksamkeit auf den Austausch dieser Weiche konzentriert, wobei sie davon ausgingen, dass die Arbeiter am Ende der Arbeit den Austausch möglicherweise in einer falschen Position beendet haben. Für die Durchführung der Untersuchungen über den Mechanismus des Austauschs hat die Staatsanwaltschaft die Ingenieure Roberto Lucani und Fabrizio D'Errico beauftragt, die schon zum Unfall von Pioltello als Berater ernannt wurden.

Während einer mehr als zwölfstündigen Befragung erklärten die Arbeiter, dass nur zwei von ihnen tatsächlich in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag beim Austausch "05" gearbeitet haben. Aber sie wiederholten, dass sie die Weiche in der richtigen Position verriegelt hatten. Aus diesem Grund verlangten die Verteidiger eine Kontrolle der in dieser Nacht eingebauten Ersatzteile, die von einem auf den Eisenbahnsektor spezialisierten Unternehmen, nicht aber von Rfi geliefert wurden.

Die Gutachten werden auch zu klären haben, ob das Sicherheitssensorsystem, das die Position der Weiche in Echtzeit an das Hochgeschwindigkeitszentrum Bologna übermitteln sollte, isoliert wurde. Die Arbeiter sagten den Richtern, dass sie nur den Weichenmotor abgekoppelt, aber nicht das Kontrollsystem isoliert hätten. 45 Minuten vor der Entgleisung hätte sich die Weiche in der "normalen" Stellung befunden. Von Bologna aus wäre dann das OK für die Durchfahrt des Zuges gegeben worden, ohne den Zustand der Weiche mitgeteilt zu bekommen. Man hätte sich auf ein "manuelles" Verfahren verlassen, das für den Fall von Anomalien im computerisierten System vorgesehen ist.

WKZ, GK, Quelle Corriere della Sera, Ansa

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