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Mittwoch, 12 Februar 2020 07:05

Frankreich: SUD Rail blockiert Branchentarifvertrag endgültig

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Fotos vom Rentenstreik am 06.02.2020: SUD Rail.

Die Gewerkschaft SUD-Rail hat am Dienstag (11.02.2020) angekündigt, dass sie sich ebenfalls gegen den Branchentarifvertrag (convention collective nationale, CCN) im Eisenbahnsektor ausspricht und damit zusammen mit CGT und FO die Anwendung dieses von den gemäßigten Gewerkschaften Unsa und der CFDT unterzeichneten Textes verhindert.

Die CGT und die FO hatten bereits ihr Recht auf Einspruch gegen diese Vereinbarung geltend gemacht, konnten sie jedoch nicht ohne die Unterstützung der SUD-Rail außer Kraft setzen, da eine Branchenvereinbarung nur dann blockiert werden kann, wenn repräsentative Gewerkschaften mit mehr als 50% der Vertretung dagegen sind.

"Die Mehrheit der Mitglieder der SUD-Rail und der lokalen Strukturen der SUD-Rail beschloss, diese Vereinbarung abzulehnen und das Recht des Verbandes SUD-Rail geltend zu machen, mit der Begründung, dass der Inhalt nicht die Werte des sozialen Fortschritts garantiere, die wir verteidigen", erklärte die Gewerkschaft in einer Erklärung.

Die SUD-Rail prangert einen Text an, der "nicht ausreichend vor Sozialdumping" zwischen konkurrierenden Unternehmen schützt, und fordert "die rasche Wiederaufnahme der Verhandlungen zur Schaffung eines sozialen Rahmens auf hohem Niveau".

Die Branchenvereinbarung über die Einstufung der Arbeitsplätze und die Entlohnung legt u.a. Mindestlöhne fest, die für alle Unternehmen der Eisenbahnindustrie gelten, einem Sektor, der sich demnächst dem Wettbewerb öffnet. Ergänzt werden muss er dann noch von den Betriebsvereinbarungen der einzelnen Bahngesellschaften.

Wie berichtet, haben die gemäßigten Gewerkschaften CFDT-Cheminots und UNSA-Ferroviaire - die zusammen 40% der Eisenbahner repäsentieren - dem Text zugestimmt. Diese Zustimmung ist aber nur gültig, wenn die restlichen Gewerkschaften dem Text nicht mit mehr als 50% widersprechen. Die beiden "aufmüpfigen" Gewerkschaften CGT und SUD tun dies nun mit zusammen 51,36%.

Der Personaldirektor der SNCF verteidigte den vom Arbeitgeberverband UTP (Union des Transports Publics et ferroviaires) vorgeschlagenen Text. François Nogué beschwor die "hohe Qualität" des Textes und sah ihn als "Sicherheitsnetz für die Beschäftigten" in einem "für den Wettbewerb offenen Sektor".

Anlässlich ihres 120-jährigen Jubiläums präsentierte die UTP ein Video über die Geschichte des öffentlichen Verkehrs, von der Erfindung der 5-Etagen-Wagen von Blaise Pascal bis zum letzten Weltrekord des TGV, einschließlich pferdegezogener Omnibusse und der Entstehung der Pariser Metro.

Unsa, die führende Gewerkschaft der RATP, hat im Rentenstreit wieder einen "Schwarzen Montag" in der Metro und im RER für den 17.02.2020 angekündigt. Während die Nationalversammlung mit der Prüfung der Reform begann, waren am 06.02.2020 wieder 121.000 Demonstranten in ganz Frankreich auf den Straßen zu sehen, "müde aber entschlossen", schreibt Le Monde.

WKZ, Quelle Challenges, Le Figaro, Le Monde

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Letzte Änderung am Mittwoch, 12 Februar 2020 08:50

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