english

Donnerstag, 13 Februar 2020 07:05

Grossbritannien: Was bedeutet die neue Hochgeschwindigkeitsstrecke HS2 für die Menschen in Nordengland?

NT 158843 Newcastle 2 19 09 12NT 321901 Wakefield=W14 19 09 08

Fotos vom Northern Powerhouse Rüdiger Lüders.

Nachdem der britische Premierminister Boris Johnson gestern den Bau der Hochgeschwindigkeitsstrecke HS2 betätigt hat, stellt sich für die Menschen in Nordengland die Frage nach dem persönlichen Nutzen, den sie aus diesem Projekt ziehen können. In einer kurzfristigen, nicht-repräsentativen Umfrage der BBC lehnt die überwältigende Mehrheit der Befragten das Projekt HS2 ab.

NT 321901 Wakefield=W14 19 09 08TPE 185124 Man=Piccadilly 4 19 09 05

Zu groß ist für die meisten Menschen in Nordengland die Ausrichtung von HS2 auf London. Wieder einmal werde ein Großprojekt für die Hauptstadt und ihre Bewohner gestartet, während die Menschen im Norden des Landes weiterhin auf eine Verbesserung der Verkehrsverbindungen in ihrer Region nur hoffen dürfen.

In der Tat haben Boris Johnson und Verkehrsminister Grant Shapps jetzt mit der Freigabe der Mittel für die erste Phase von HS2 eine Verschiebung der Phase 2b (Verlängerung der neuen Strecke von Birmingham nach Leeds - York) und eine mögliche Verknüpfung mit dem Projekt "Northern Powerhouse Rail" auf den Zeitraum 2035-2040 bekannt gegeben. Dies trifft die Menschen im Großraum Manchester und in West Yorkshire empfindlich, die täglich in überfüllten und häufig verpäteten Zügen zur Arbeit fahren müssen.

Einige Stimmen dazu aus der erwähnten Umfrage der BBC:

• Der pensionierte Ingenieur Ron Baldwin war gerade zwei Stunden von seinem Zuhause in Brough, Grafschaft Cumbria, mach Manchester gereist und sagte, dass "der Norden nun wieder einmal in den Hintergrund zu rücken scheint." Er ergänzte: "Ich bin sehr skeptisch, dass es jemals zu einer Verbesserung auf der Strecke Manchester - Leeds kommen wird - die Kosten scheinen einfach endlos zu sein. Die Politiker sollten besser Geld in normale Züge stecken - ich bezweifle, dass wir jemals einen Nutzen sehen werden, dort wo ich lebe."

• Die 56-jährige Angestellte Anne Butterworth zeigte sich ebenfalls besorgt über die örtlichen Dienstleistungen der Bahn. "Ich fahre regelmäßig mit langsamen Nahverkehrszügen. Dorthin muss das Geld fließen, nicht in das Projekt HS2", sagte sie. "Was mir jedoch wirklich Sorgen macht, sind die Auswirkungen auf die Umwelt. Die Natur wird unter dem Großprojekt leiden. Es werden bald Urwälder abgeholzt, um die neue Strecke zu errichten, und Feuchtgebiete werden dabei beschädigt. Ich dachte, wir sollten sie besser für zukünftige Generationen erhalten, ohne ihnen Schaden zuzufügen."

• Die in Southampton ansässige Projektmanagerin Jade Fuller, die regelmäßig beruflich zwischen London und Manchester pendelt, sagte, sie sei auch besorgt über die Umwelt- und Finanzierungskosten für einen derart geringen Nutzen. Es scheint eine riesige Menge Geld erforderlich zu sein, nur um 20 Minuten schneller nach London zu gelangen", sagte die 35-Jährige. "Dann sollten sie das Geld besser für die vorhandene Infrastruktur ausgeben - genau da ist es jetzt wirklich nötig."

• Der 35-jährige Anwalt Cameron Iqbal aus Manchester begrüßte die Ankündigung immerhin. "Grundsätzlich halte ich es für ein lohnendes Projekt, in neue Züge zu investieren, aber ich denke auch, dass sie mehr Geld in unsere bestehenden Züge stecken sollten", sagte er. "Auch die Nahverkehrszüge müssen verbessert werden."

• Der Vorsitzende des Stadtrates von Manchester, Sir Richard Leese, erklärte gegenüber der BBC, es sei "endlich an der Zeit", dass HS2 den Startschuss bekommt. "Praktisch überall in Europa wäre die Neubaustrecke inzwischen gebaut," und weiter: "Es ist die Verkehrskapazität, die wir für den Rest dieses Jahrhunderts und darüber hinaus benötigen werden, und die Tatsache, dass dies nun vor sich geht, ist eine sehr, sehr gute Nachricht für Manchester und in der Tat für den gesamten Norden Englands." Sir Richard führte dazu aus: "Alle unsere Nahverkehrsstrecken sind voll belegt, und im bestehenden Netz ist kein Platz für Güterzüge. Wenn wir die Fernzüge aus dem bestehenden Netz nehmen und in ein eigenes Netz einbinden, werden wir bald zuverlässigere Verbindungen zwischen Manchester, Birmingham und London haben, ebenso nach Liverpool, Bradford und Leeds."

• Der Oberbürgermeister von Manchester, Andy Burnham, ergänzte noch: "Wir müssen HS2 und das Northern Powerhouse Rail Projekt in vollem Umfang ausliefern. Wir werden jedoch keine vergoldete Hochgeschwindigkeitsstrecke zwischen London und Birmingham akzeptieren, wenn danach für den Norden nur Schrott übrig bleibt."

Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!, Quellen BBC, Northern Powerhouse Partnership, Transport for the North

Zurück

Nachrichten-Filter