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Mittwoch, 18 Oktober 2017 07:30

Kroatien: "Große Koalition" für die Revitalisierung der Sottla-Bahn

Auf Initiative des Bürgermeisters von Dubravica, Marin Štritof, fand kürzlich ein erstes Treffen aller sieben lokalen Gebietskörperschaften entlang der Strecke Savski Marof – Kumrovec, welche über die slowenische Grenze weiter nach Imeno führt, statt. Ziel des Treffens war es, gemeinsam die Revitalisierung für die seit siebzehn Jahren für den Verkehr gesperrte Strecke im Sottlatal zu initiieren. Diese verläuft weitgehend entlang der Grenze nahe des Flusses Sutla (Sottla) und überquert die Staatsgrenze zwischen Kroatien und Slowenien an mehreren Stellen. Gegenwärtig ist sie auf der kroatischen Seite nur bis Harmica in Betrieb.

Es gab bereits mehrere Versuche, die 38 Kilometer lange Strecke wiederzubeleben. Zuletzt wurde das Thema gemeinsam von dem bis Anfang 2016 amtierenden kroatischen Verkehrsminister Siniša Hajdaš Dončić und dem slowenischen Minister für wirtschaftliche Entwicklung Zdravko Počivalšek erörtert. Dabei zeigte sich, dass ihre Wiederbelebung ein gemeinsames Interesse der beiden Nachbarstaaten ist, jedoch aufgrund der ungelösten Grenzfragen und der Tatsache, dass die Strecke an mehreren Stellen durch Slowenien führt, bisher scheiterte und die Wiederbelebung erst nach dem Beitritt Kroatiens zu Schengen möglich ist. Obwohl es vor einigen Jahren hieß, dass Kroatien 2018 in den Schengen-Raum eintreten wird, ist es heute sicher, dass dies nicht der Fall sein wird. Die jetzige Initiative baut aber darauf auf, dass Kroatien irgendwann Teil des Schengen-Gebiets wird, und tritt der Meinung von Einzelpersonen entgegen, dass es sich nicht lohne, in die Bahnstrecke zu investieren (es gab sogar schon die Idee, sie in einen Radweg umzuwandeln).

Die Gemeindechefs von Dubravica und Kraljevec na Sutli konnten in Verhandlungen mit den Kroatischen Eisenbahnen (Hrvatske željeznice; HŽ) bereits erreichen, zumindest einen Teil der verkrauteten Strecke wieder vom Bewuchs zu befreien. Im Bereich der Gemeinde Dubravica ist die Arbeit bereits getan, sie wird jetzt im Bereich von Kraljevec na Sutli fortgesetzt.

Für die Gemeinden ist dies ein wichtiges Projekt für die gesamte Region, was durch die Tatsache belegt wird, dass diese gemeinsame Initiative über parteipolitische Unterschiede der Mandatsträger dieser Städte und Gemeinden hinweg betrieben wird.
Dass die Strecke heute dreizehn Mal die Grenze nach Slowenien überquert, ergibt sich aus der Geschichte des hiesigen Bahnbaus, denn dieser begann relativ spät und erfolgte ab 1956 durch die Jugoslawische Volksarmee im Rahmen von regelmäßigen militärischen Übungen (bis Stranje). Es sollte damit eine Direktverbindung als kürzeste Strecke zwischen Zagreb und Maribor geschaffen werden. Der hier mäandernde Fluss Sutla/Sottla bildete aber schon früher eine Grenze, er war der Grenzfluss zwischen der Steiermark und Kroatien. Wäre die Strecke wie viele andere bereits in der Hochphase des europäischen Bahnbaus im 19. Jh. gebaut worden, wäre eine andere Trasse und damit nicht die heutige komplizierte Situation entstanden.

Hans-Joachim Schulz

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