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Montag, 24 Februar 2020 07:10

Frankreich: Absichtserklärungen zu den Nebenbahnen in den Regionen Grand Est und Centre Val de Loire

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Fotos Jean-Baptiste Djebarri.

In einer Zeit der wachsenden Ungleichheit der ländlichen Gebiete kündigte der französische Staatssekretär für Verkehr Jean-Baptiste Djebarri am 21.02.2020 Absichtserklärungen mit den Regionen Grand Est und Centre Val de Loire zur Zukunft der "kleinen Eisenbahnlinien" an. Diese als "lignes de desserte fine du territoire" bezeichneten Strecken machen immer noch 9.137 km oder fast ein Drittel des französischen Netzes aus, und viele Bürger befürchten ihre Einstellung.

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"Zeit zum Handeln", twitterte der Staatssekretär. "Allzu lange vernachlässigt, sind kleine Eisenbahnlinien dennoch für das Leben unserer Gebiete unerlässlich. Ich hoffe, dass sich andere Regionen uns bei der Gestaltung der Zukunft der kleinen Eisenbahnlinien anschließen werden."

Die kleinen Linien sind zu 85% nicht elektrifiziert und zu 78% einspurig, so der Präfekt François Philizot, der 2019 von der Regierung mit der Erstellung eines Berichts zu diesem Thema beauftragt wurde. Laut Philizot sind "gut 60% des Netzes bedroht" und ihre Wiederherstellung erfordert eine Investition "in der Größenordnung von 7 Mrd. EUR über zehn Jahre (...) unter den derzeitigen technischen und finanziellen Bedingungen".

Einteilung in drei Kategorien

Auf der Grundlage dieser Arbeit schlägt Jean-Baptiste Djebarri vor, diese Linien je nach ihrer Bedeutung auf drei verschiedene Kategorien zu verteilen. Die wichtigsten werden dem "strukturbildenden Netz" (réseau structurant) zugeteilt, das zu 100% von SNCF Réseau finanziert wird, während bisher im Wesentlichen Staat und Region die Finanzierung übernahmen. Die zusätzlichen Kosten werden in dem Leistungsvertrag berücksichtigt, der derzeit mit der öffentlichen Gruppe ausgehandelt wird.

Eine zweite Kategorie von Linien werden unter die traditionelle Kofinanzierung innerhalb der künftigen Verträge zwischen Staat und Region (contrats de plan État-région, CPER) fallen. Das Problem ist, dass nur etwa ein Viertel der Projekte früherer CPER bereits abgeschlossen werden konnte.

Aber die vielleicht entscheidende ist die dritte Kategorie von Linien, die einfach den Regionen überlassen werden. Letztere werden über ihr Schicksal entscheiden und den Betrieb der Infrastruktur an private Akteure und nicht mehr an die SNCF Réseau übertragen können.

Verträge mit Grand-Est und Centre-Val-de-Loire

Am 21.02.2020 wurden zwei erste Protokolle für diese Strecken mit den Regionen Grand-Est und Centre-Val-de-Loire unterzeichnet.

In der Region Grand-Est werden Nancy - Remiremont und Nancy - Saint-Dié dem strukturbildenden Netz angeschlossen, während die Region Nancy - Vittel, Epinal - Saint-Dié, Molsheim - Saint-Dié und Sélestat - Obernai übernimmt.

Im Centre-Val-de-Loire wird Vierzon - Montluçon SNCF Réseau zugeordnet, während Tours - Chinon, Tours - Loches und Salbris - Valençay in den Bereich der Region fallen.

Auch Bussysteme auf eigener Spur möglich

Laut Jean-Baptiste Djebbari werden die Regionen "ohne Tabus" alle Möglichkeiten ausschöpfen können: "Wiederbelebung des Angebots dank der Möglichkeiten, die die Öffnung für den Wettbewerb durch den neuen Eisenbahnpakt eröffnet, Senkung der Arbeitskosten, aber auch Rückgriff auf andere Verkehrsträger oder innovative Lösungen, wenn die Relevanz des bestehenden Eisenbahndienstes nicht mehr erwiesen ist".

Möglich wäre zum Beispiel die Umwandlung bestimmter Linien in reservierte Fahrstrecken für Busse oder autonome Shuttles.

WKZ, Quelle Twitter Jean-Baptiste Djebarri, La Croix

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