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Montag, 24 Februar 2020 09:30

Großbritannien: Eisenbahnforschung der Universität Leeds soll kosteneffiziente HS2 ermöglichen

Die Northern Powerhouse Partnership (NPP) hat der Universität Leeds eine "kritische Rolle" für den Entwurf der Hochgeschwindigkeitsstrecke HS2 und anderer großee Bahnprojekte zugesprochen. Henri Murison, Direktor von NPP, argumentiert, dass dies sicherstellen solle, dass die Programme ein besseres Preis-Leistungs-Verhältnis bieten.

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Modell der Eisenbahnforschung in Leeds. Foto Universtät Leeds.

Die Universität gab im vergangenen Sommer bekannt, dass die Arbeiten an einem der weltweit fortschrittlichsten Eisenbahnforschungszentren begonnen haben. Das Institut für Hochgeschwindigkeitsbahnen und Systemintegration wird mit der Industrie zusammenarbeiten, um die Kosten für den Bau neuer - und die Modernisierung bestehender - Bahnstrecken sowie für die Konstruktion und Prüfung von rollendem Material (Züge und Wagen) zu senken.

Die stufenweise Inbetriebnahme des Instituts beginnt im nächsten Jahr.

Die Regierung hat bestätigt, dass für HS2 nach einer unabhängigen Überprüfung grünes Licht geben wird. Bei der Ankündigung sagte der Premierminister, das Projekt müsse kosteneffizienter gebaut werden. Er kündigte auch an, dass er "beschleunigte Fortschritte" bei den Plänen für Northern Powerhouse Rail zur Verbesserung der Bahnverbindungen in Newcastle, Hull, Bradford, Liverpool und Sheffield sehen möchte.

"Führende wissenschaftliche und ingenieurwissenschaftliche Fähigkeiten am neuen Institut, das an der Universität Leeds entwickelt wird, werden eine entscheidende Rolle spielen, um sicherzustellen, dass Europas größtes Infrastrukturprojekt kosteneffektiv sein kann, um die Region Leeds City als ein Zentrum für die britische Eisenbahntechnik zu etablieren", erklärte Henri Murison. Die Northern Powerhouse Partnership ist eine Koalition von Unternehmen und lokalen Behörden, die sich für die Steigerung des wirtschaftlichen Einflusses des Nordens von England einsetzt.

Der Infrastrukturverwalter Network Rail ist der Ansicht, dass das Institut den Druck von einem stark ausgelasteten Schienennetz nehmen und die Zufriedenheit der Fahrgäste verbessern wird. Chris Gee, Leiter des Betriebs von Network Rail, sagte: "Diese Einrichtung ist absolut unerlässlich und wird die Art und Weise, wie neue Ausrüstungen, Systeme und Züge eingeführt werden, rationalisieren."

"Um neue Züge auf dem bestehenden Netz fahren zu lassen, müssen sie derzeit Hunderte von Kilometern weit fahren, damit wir den Punkt erreichen, an dem sie zuverlässig funktionieren. Das bedeutet aber, dass wir gleichzeitig mit dem Personen- und Güterverkehr auch einen Platz für diese Testzüge finden müssen. Das kann zu potenziellen Störungen führen. Diese Herausforderungen können gelöst werden, indem ein Großteil dieser Tests außerhalb des Geländes in eine Einrichtung wie die der Universität Leeds verlegt wird."

Professor Peter Woodward, Leiter des Instituts, sagte: "Die Forschung, die wir durchführen werden, wird eine große Wirkung haben und sicherstellen, dass die Bahnsysteme kosteneffizient entwickelt werden und dass bei ihrer Inbetriebnahme das Risiko eines Ausfalls verringert wird, so dass die Dienste pünktlich sind, mit der erforderlichen Geschwindigkeit verkehren und die Fahrgäste zufrieden sind."

Das Institut wird im Infrastruktur-Innovationspark der Universität Leeds am Gateway 45 bei Stourton in Leeds errichtet. Die Forschung am Institut wird sich sowohl auf den Hochgeschwindigkeits- als auch auf den konventionellen Schienenverkehr beziehen.

Insgesamt 80 Mio. GBP (96 Mio. EUR) werden für den Bau der Forschungseinrichtungen ausgegeben, wobei die Investitionen von der Universität, der Eisenbahnindustrie, der Regierung - über Research England - und der Unternehmenspartnerschaft der Region Leeds City (LEP) in Partnerschaft mit der West Yorkshire Combined Authority über den Leeds City Region Growth Deal bereitgestellt werden, einem Investitionspaket der Regierung in Höhe von 1 Mrd. GBP (1,19 Mrd. EUR) zur Beschleunigung des Wachstums und zur Schaffung von Arbeitsplätzen in der gesamten Region Leeds City, bereitgestellt werden.

Ein kürzlich veröffentlichter unabhängiger Bericht des Wirtschaftsanalysten GENECON besagt, dass das Institut das Potenzial hat, der britischen Wirtschaft erhebliche wirtschaftliche Vorteile zu verschaffen. Wenn das Institut durch seine Forschung die Gesamtleistung der bestehenden Bahnindustrie um nur 1% steigern könnte, könnte dies bis 2050 einen Mehrwert von 3 Mrd. GBP für die britische Wirtschaft bedeuten.

Forschungskapazitäten

Die Forschung am Institut wird sich auf drei miteinander verbundene Bereiche konzentrieren:

Infrastruktur-Testanlage

Die Infrastruktur-Testanlage wird in der Lage sein, die Beanspruchungen der Gleisanlagen, vom Boden unter den Schienen bis hin zu den Bahndämmen und Stützkonstruktionen, realistisch zu erfassen.

Fahrzeugprüfeinrichtung

Das Institut wird auch eine hochmoderne "rollende Bahn" beherbergen, die in der Lage ist, jede Bahnfahrt auf der Welt mit Steigungen, Gefällen und Kurven nachzubilden, die zur Erprobung von Zügen und Waggons genutzt wird.

Sie kann mit realen Streckendaten vorprogrammiert werden, um die Bedingungen zu simulieren, denen ein Zugfahrzeug auf dem britischen Netz ausgesetzt wäre, und um Ingenieuren und Wissenschaftlern die Möglichkeit zu geben, das Verhalten des Zuges zu untersuchen.

Systemintegration

Die Züge interagieren nicht nur mit dem Gleis - sie beziehen beispielsweise Strom von den elektrischen Oberleitungen und kommunizieren mit anderen elektrischen Systemen wie Signal- und Kundeninformationsdiensten, die sich oft entlang der Strecke befinden. Diese können analog oder digital sein. Die Bahnumgebung ist ein komplexes System mit vielen verschiedenen Geräten und Anlagen, die integriert werden müssen. Das Innovationszentrum für Systemintegration erforscht und testet, wie die Betriebssysteme, wie z.B. die Leistungselektronik, elektromagnetische Störungen, konventionelle und digitale Signalgebung, miteinander interagieren.

Universität Leeds

Die Universität von Leeds ist eine der größten Hochschuleinrichtungen in Großbritannien mit mehr als 38.000 Studenten aus über 150 verschiedenen Ländern und Mitglied der Russell-Gruppe forschungsintensiver Universitäten. Die Universität spielt eine bedeutende Rolle in den Instituten Turing, Rosalind Franklin und Royce.

WKZ, Quelle Universität Leeds

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