
Rovaniemi in Finnland könnte Ausgangspunkt der Arktischen Eisenbahn sein. Foto: Peter Pohlmann.
Das norwegisch-finnische Eisenbahnprojekt einer Artischen Bahn zwischen Rovaniemi und Kirkenes muss wahrscheinlich aufgrund eines angekündigten samischen Vetos aufgegeben werden. Die Idee der Arktischen Eisenbahn war, Rovaniemi in Finnland und Kirkenes in Norwegen miteinander zu verbinden. Damit würde Nordfinnland Zugang zu einem ganzjährigen Hafen erhalten und gleichzeitig Kirkenes an das europäische Eisenbahnnetz angeschlossen werden.

Das Projekt in Verbindung mit der Rail Baltica und dem Eisenbahn-Tunnel Estland - Finnland. Grafik Region of Northern Lapland.
Der Bericht einer finnisch-norwegischen Arbeitsgruppe, dass das potenzielle Frachtaufkommen auf der Strecke die Investition kaum rechtfertige, gab den Plänen im vergangenen Jahr einen gewissen Rückschlag. Auch haben weder die finnische noch die norwegische Regierung eine solche Eisenbahn auf ihrer Infrastruktur-Prioritätenliste.
Nun stellen sowohl die finnischen als auch die norwegischen Sami klar, dass sie den Bau einer 500 km langen Bahnstrecke durch samische Weideflächen niemals zulassen werden. Auf einer vom Sami-Rat Anfang Februar in Kirkenes veranstalteten Debatte sagten die Rentierzüchter beiderseits der Grenze laut und deutlich Nein zu den Plänen.
"Die negativen Folgen für die Rentierzucht und die traditionelle Kultur sind einfach zu groß, als dass man sie übersehen könnte", sagt Christina Henriksen, die neu gewählte Vorsitzende des samischen Rates. Während die Stadtverwaltungen sowohl in Kirkenes als auch in Rovaniemi die Idee der Eisenbahn loben, sind es die samischen Ureinwohner, die seit Hunderten von Jahren das Land entlang des vorgeschlagenen Eisenbahnkorridors nutzen. Die Eisenbahn wäre eine Katastrophe für die Rentierzucht, weil sie das Weidegebiet in zwei Teile zerschneiden würde.
Abschnitt 17 der finnischen Verfassung gibt den Sami das Recht, ihre eigene Kultur zu bewahren und zu entwickeln.
Die vorgeschlagene Arktisbahn wäre eine Verlängerung der Rail Baltica, wenn der Ostseetunnel des finnischen Multimillionärs Peter Vesterbacka mit chinesischen Investoren zwischen Tallinn und Helsinki hergestellt wird. Dann würde ein Transportkorridor vom Arktischen Ozean nach Mitteleuropa entstehen. Es ist aber unwahrscheinlich, dass die Regierungen Finnlands und Norwegens einen neuen Konflikt mit den indigenen Völkern der Arktis heraufbeschwören wollen.
"Die heranwachsende Generation von Rentierzüchtern hört davon und ist über ihre Zukunft verunsichert", warnt Aili Keskitalo, Präsident des norwegischen Sami-Parlaments, und weist auf Erfahrungen aus anderen Gebieten in Nordschweden und Norwegen hin, wo Züge jährlich Hunderte von Rentieren töten - sowohl bei den Nordlandsbanen als auch bei den Trønderbanen. Zäune lösen das Problem nicht, da sie die natürlichen Wanderwege durchtrennen.
WKZ, Quelle Arctic Today, Moderne Transport