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Donnerstag, 12 März 2020 07:10

Frankreich: Genossenschaftlich organisierter Bahnbetreiber will Querverbindung Bordeaux - Lyon wiederbeleben

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Archivbilder von 2008 aus Lyon und Lozanne, Rüdiger Lüders.

Die seit 2012 unterbrochene Intercités-Linie Bordeaux - Lyon, die vor allem Limoges, Guéret und Montluçon bedient, könnte von der Öffnung der Eisenbahn für den Wettbewerb profitieren. Die sehr junge Genossenschaft Railcoop hat ein Wirtschaftsmodell entwickelt und möchte den Betrieb Ende 2022 aufnehmen.

Wie mehrere französische Medien berichten, will der genossenschaftlich organisierte neue Bahnbetreiber Railcoop je drei Hin- und Rückzüge täglich zwischen Bordeaux und Lyon verkehren lassen. Diese im Frühjahr 2019 gegründete und in der Nähe von Figeac (Lot) ansässige Genossenschaft von kollektivem Interesse (SCIC) ist die erste ihrer Art in Frankreich, die sich dem Schienenverkehr widmet. Sie möchte die historische Querstrecke über Limoges, Guéret, Montluçon, Gannat und Roanne zu ihrer "Teststrecke" zu machen.

Bis Juni hofft Railcoop, 1,5 Mio. EUR von 3.000 Mitgliedern aufzubringen. Lokale Behörden, natürliche oder juristische Personen können Aktien kaufen und dann auch vergünstigt fahren. Die Genossenschaft beabsichtigt, 11 weitere Mio. EUR in Form von Darlehen für den Betrieb der ersten Züge aufzubringen. Im Frühjahr werden auf der gesamten Strecke Informationstreffen organisiert. Anfang 2021 will man die Lizens und das Sicherheitszertifikat erwerben und danach die Trassen beantragen. 

Während noch vor 15 Jahren auf der nördlichen Strecke von Bordeaux über Montlucon nach Lyon die letzten "Turbotrains" verkehrten, war es schon 2008 nur noch ein einziges durchgehendes IC-Paar auf dieser Linie. Andere ehemals als IC klassifizierte Züge waren zu diesem Zeitpunkt bereits auf Teilstrecken reduziert und fuhren als TER, obwohl sie noch aus BB67300/BB67400 mit Corail-Wagen gebildet wurden.

Im Jahr 2012 wurde der Verkehr dann wegen umfangreicher Gleisrenovierungsarbeiten eingestellt. Von den Regionen wurden einzelne Wiederbelebungsversuche unternommen, die im Jahr 2016 durch die Einführung der "Macron-Busse" zwischen Bordeaux und Lyon und die Bildung von Fahrgemeinschaften unterbrochen wurden.

Eine Marktstudie über die Wiedereröffnung der Verbindung Bordeaux - Lyon wurde für die Genossenschaft von dem Beratungsunternehmen Systra durchgeführt, an dem die SNCF und die RATP beteiligt sind. Die Rentabilität würde unter anderem auf den reduzierten "Strukturkosten" von Railcoop und einer intensiveren Rotation der Ausrüstung beruhen. Railcoop möchte sechs Regiolis/Coradia-Linienzüge für die drei täglichen Hin- und Rückfahrten mieten und nach einem Modell mit mehreren Tarifen fahren, darunter einem Solidaritätstarif für Menschen in prekären Situationen.

Die Genossenschaft befürchtet auch nicht, dass die Deutsche Bahn, Transdev oder einer der anderen Transportgiganten sie auf dem französischen Markt verdrängen könnte, da es die privaten Betreiber mehr auf die rentablen Strecken abgesehen haben.

WKZ, Rüdiger Lüders, Quelle La Montagne

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Letzte Änderung am Donnerstag, 12 März 2020 10:22

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