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Mittwoch, 25 März 2020 07:05

Großbritannien: Der Londoner Bürgermeister ruft die Bürger auf, zu Hause zu bleiben und die U-Bahn zu meiden

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Fotos Rüdiger Lüders.

Nachdem die U-Bahn-Gesellschaft Transport for London (TfL) Ende vergangener Woche bekannt gegeben hatte, dass ab 23.3.2020 ein Betrieb "wie an Samstagen" gefahren werden sollte, zeigte sich am Montag, dass die staatlich vorgegebenen Abstandsregeln aufgrund der Gefahr einer Ausbreitung des COVID-19-Virus in der U-Bahn nicht einzuhalten waren. Durch die reduzierte Zugfolge kam es in den Zügen der sog. "Tube" zu großem Andrang.

Bürgermeister Sadiq Khan erklärte den Londonern, dass viel mehr Menschen an Coronavirus sterben werden, wenn die Bevölkerung den Anweisungen der Regierung nicht folgen und sich selbst isolieren sollte. Die britische Hauptstadt ist durch die Verbreitung von COVID-19 die am stärksten betroffene Region in Großbritannien und trägt fast 40 Prozent der über 5000 am Montag bestätigten Corona-Virus-Erkrankungen des Landes. Allein in London sind bus gestern bereits über 130 an diesem Virus erkrankte Personen gestorben.

Sadiq Khan führte dazu aus: "Wir sind eine globale Stadt mit einer enormen Dichte und einer enormen Konnektivität. Mir ist völlig klar, wenn wir unsere soziale Distanz nicht ab sofort streng begrenzen, werden viele Menschen sterben. Wenn die Leute nicht zu Hause bleiben, wenn sie nicht aufhören, außer in ganz dringenden Fällen öffentliche Verkehrsmittel zu benutzen, und wenn sie nicht sofort aufhören einander eng zu begegnen, werden schnell noch mehr Menschen sterben."

Doch die meisten Londoner, die mit der U-Bahn zur Arbeit fahren müssen, wissen nicht, wie sie sich verhalten sollen. Die Krankenschwester Julia Harris, die täglich zur Arbeit am Imperial College des staatlichen Gesundheitsdienstes pendelt, sagte, sie sei schon früher losgegangen und habe ihre Route geändert, um Menschenmassen zu vermeiden, empfand die Züge aber dennoch als viel zu voll. Die Sitze im Zug waren alle mit mindestens einer Person besetzt, so dass die Leute stehen mussten, und die Züge der District Line war ebenfalls überfüllt. Es ist wirklich besorgniserregend, weil ich irgendwie zur Arbeit kommen muss. Ich habe keine andere Wahl, und mein Weg ist ziemlich lang. Ich mache mir auf dem Weg mehr Sorgen um meine Gesundheit als bei der Arbeit im Krankenhaus."

Nicola Smith, die in einem Krankenhaus in der Londoner Innenstadt arbeitet, erklärte: "Ich riskiere meine Gesundheit, wenn ich mit der U-Bahn zur Arbeit fahre, denn die Züge sind so voll, dass man einfach keinen ausreichenden Abstand halten kann." Sie forderte Sadiq Khan auf, seine Entscheidung, die U-Bahn-Fahrpläne zu kürzen, rückgängig zu machen, oder der Premierminister sollte entscheiden, wer die Züge nutzen darf und wer nicht.

Der Generalsekretär der Vereinigung der Angestellten im Transportwesen (TSSA) Manuel Cortes sagte: "Leider hat sich die Situation in der Londoner U-Bahn seit letzter Woche nicht verbessert. Wir brauchen dringend die britische Transportpolizei und andere Beamte an wichtigen Stationen des Londoner Verkehrsnetzes, um sicherzustellen, dass in diesem Notfall nur diejenigen mit einem wirklich triftigen Grund für die Reise diese unternehmen dürfen."

Finn Brennan von der Lokführergewerkschaft ASLEF erklärte dazu, er habe Berichte von U-Bahn-Mitarbeitern erhalten, wonach in der U-Bahn noch eine große Anzahl von Bauarbeitern unterwegs sei. Er sagte: "Wenn die Regierung nicht mit völliger Klarheit handelt, alle Baustellen zu schließen, wird die U-Bahn die Situation nicht verbessern können. Es gibt zu viele Arbeitgeber, die die Lage einfach nicht ernst nehmen. Wir versuchen unser Bestes, um alle zum Zuhören zu bringen, aber die Situation ist schwierig."

 Die Gewerkschaften ASLEF, RMT, TSSA und UNITE haben dazu eine gemeinsame Erklärung mit folgendem Wortlaut veröffentlicht: 

"Als Eisenbahner können wir nicht zu Hause arbeiten. Aber wir bitten das reisende Publikum, wenn Sie von zu Hause aus arbeiten können, tun Sie dies bitte.

Wir wollen alles tun, um sicherzustellen, dass besonders wichtige Arbeitskräfte und wichtige Güter im ganzen Land transportiert werden. Wir werden alles tun, um dem Land zu helfen, diese Pandemie zu bekämpfen und zu besiegen. Aber wir brauchen Ihre Hilfe. Überfüllte Züge sind eine Gefahr. Nicht nur für Sie als Einzelperson, sondern auch für die wichtigsten Arbeitnehmer, die mit den Zügen zur Arbeit fahren müssen. Wir wollen alles in unserer Macht stehende tun, um diese Menschen zu schützen, da sie alles in ihrer Macht stehende tun, um uns zu schützen. Bitte fragen Sie sich daher jetzt, bevor Sie in einen Zug, eine Straßenbahn oder eine U-Bahn einsteigen: 'Muss ich diese Reise wirklich machen?' Wenn die Antwort nein ist, dann bleiben Sie bitte unbedingt zu Hause."

Rüdiger Lüders, GK, Quelle Mayor of London, RMT News

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